Dagegen konzentrierte sich der Reformeifer der saarländischen Politik auf den
Bereich der Lehrerbildung, der ab 1968 eines der zentralen Felder der landespolitischen
Diskussion mit Auswirkungen bis hin zu einer Verfassungsänderung wurde.
Anfang 1968 brachte die SPD-Fraktion im saarländischen Landtag einen Antrag auf
Verfassungsänderung ein,"': der zum Ziel hatte, die konfessionelle Trennung der
Lehrerbildung aufzuheben und die beiden Pädagogischen Hochschulen zusammenzuführen.111’
Vor dem Hintergrund der Lösung des saarländischen Schulstreits war
dies alles andere als ein revolutionärer Akt, zumal die konfessionelle Trennung des
Bildungssystems - betroffen war ja ohnehin nur ein Teil der Schulen - in der Bevölkerung
kaum Rückhalt hatte.* 104 107 Auch der kleinere Koalitionspartner hatte sich längst
schon mit der Konfessionsschule nicht mehr anfreunden können.111'’ Trotzdem war
dieser Antrag kaum als „parteipolitische Agitation“ zu bezeichnen.m'’ Zwar kam er für
die Regierung denkbar ungelegen, die sich offensichtlich noch in Verhandlungen und
Beratungen zu dieser Frage befand,"1 und auch die FDP/DPS-Fraktion hatte unter
diesem Antrag schwer zu leiden, war sie aus Koalitionsräson doch zur Ablehnung
eines Antrages gezwungen, den sie inhaltlich wohl begrüßte.108 Allerdings wird man
trotzdem auch in diesem Antrag einen Versuch der SPD erkennen müssen, durch
konstruktive Arbeit Mitbestimmung in der Landespolitik zu erreichen. Deutlich
sichtbar wurde dieser Zug des Antrags auch daran, daß die Fraktion angesichts der
Vorlage eines eigenen Antrags zur Lehrerbildung durch die FDP/DPS sogar aus der
Sitzung auszog und somit deutlich machte, daß sie zur Kooperation besonders in
dieser Frage nur bereit sein würde, wenn sie auch inhaltlich angemessen beteiligt
würde.
mit statistischem Material zum Saarland. Die beiden stark bildungsstatistisch bzw. pädagogisch-didaktisch
ausgerichteten Arbeiten von Albert Brengel, Wirklichkeit und Problematik des beruflichen Schulwesens
im Saarland, Saarbrücken 1961, und ders., Bildung und Wirtschaft. 50 Jahre Diskussion um die
wirtschaftsberuflichen Schulen, Bad Homburg 1967, liefern trotz der Breite ihrer Darstellung kaum
Hinweise auf diesen Zusammenhang.
102 LTDS, 5. WP, Abt. I, 51. Sitzung v. 14.2.68, S. 1359ff.
10’ Vgl. zur Chronologie der Verfassungsänderung Bernhard Stollhof, Die Entwicklung der Verfassung
von 1947 bis heute, in: Landtag des Saarlandes (Hg.), Landtag, S. 129-146, hier: S. 136f.
104 Nach einer Umfrage der Arbeitskammer sprachen sich 83% aller befragten Saarländer für die Gemeinschaftsschule
aus, Arbeitskammer des Saarlandes (Hg.), Einstellungen, S. 95. Allerdings stellt sich die
Frage, welche Rolle die Reform der Lehrerausbildung überhaupt in der zeitgenössischen Diskussion
gespielt hat - zumindest in den zaghaften Versuchen der „68er“ wurde diese Frage anscheinend nicht
besonders prominent thematisiert, vgl. Renate Müller, „Die Möglichkeit hat uns einfach mitgerissen“.
Eine Spurensuche nach '68 und den Folgen im Raum Saarbrücken, (Mag.Arb.) Saarbrücken 2001.
l0' Bauer, CDU, S. 95, glaubt sogar, daß die Verfassungsänderungen der zweiten Hälfte der 60er Jahre nur
auf Druck der FDP/DPS erfolgt seien.
106 So Werner Scherer in: LTDS, 5. WP, Abt. 1,51. Sitzung v. 14.2.68, S. 1363.
107 So Werner Scherer und Maria Schweitzer zur Begründung ihrer Ablehnung des SPD-Antrags, ebd.,
S. 1361 und S. 1362.
108 Mit beißender Ironie machte Richard Klein (SPD) in seiner Rede zur Begründung des Antrags auf
dieses Dilemma aufmerksam, vgl. ebd., S. 1360, wobei das politische Ziel dieser Angriffe aber im
Dunkeln blieb.
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