Sektors geführt, und auch der Erfolg des Aushaus vor allem des ländlichen Schulwesens,
der sich unter anderem in steigenden Abiturientenzahien ausdrückte, wurde
zumindest von Regierungsseite zunehmend skeptisch betrachtet.97 Aus Forschungsperspektive
ist dabei auch besonders bemerkenswert, daß die hier ausgewerteten
Quellen praktisch überhaupt keinen Hinweis auf die Auswirkungen des Strukturwandels
auf das berufliche Bildungswesen erkennen lassen."" Weder im Parlament noch
in der Regierung scheint man die bildungspolitische Bedeutung dieses Bereiches
besonders hoch eingeschätzt zu haben, obwohl der Strukturwandel alleine schon über
die deutliche Verschiebung von Ausbildungsqualität wie -quantität im Montankern
hier heftige Verwerfungen ausgelöst hatte." Gleiches gilt für die Forschungslage:
Während für die im Saarland besonders intensiv diskutierte Frage des Übergangs von
der Volksschule zur Hauptschule immerhin gewisse Erkenntnisse vorliegen,10(1 stellt
das berufliche Bildungswesen als Ganzes ein Desiderat der Forschung dar.* 101
Noch 1962 hatte die CDU steigende Abiturientenzahlen als Nachweis des Erfolgs ihrer Schulpolitik
dargestellt, vgl. hierzu den Beitrag von Kurt Dawo (CDU) in: LTDS, 4. WP, Abt. 1, 29. Sitzung
v. 18.12.62, S. I 126. Auch Werner Scherer hatte anderthalb Jahre später keinerlei Befürchtungen vor der
Entstehung eines „akademischen Proletariats", LTDS, 4. WP. Abt. I, 49. Sitzung v. 8.7.64, S. 1861. Bis
zum Sommer 1968 hatte sich jedoch die Einschätzung insoweit verändert, als Franz Josef Röder die
gestiegenen Abiturientenzahlen als Problem erkannte und eine Beratung dieser Frage im Parlament
anregte, LASB StK 1750, Kabinettsprotokoll v. 18.6.68. Zur Frage der sozioökonomischen Analyse der
saarländischen Abiturienten vgl. Peter Springer, Über die soziale Herkunft der Gymnasiasten, in: Die
Arbeitskammer. Zeitschrift der Arbeitskammer des Saarlandes 16 (1968), S. 16-19.
“s Vgl. hierzu auch die Arbeit von Oskar Anweiler u.a. (Hgg.), Bildungspolitik in Deutschland 1945-1990.
Ein historisch-vergleichender Quellenband, Opladen 1992, in dem der Stellenwert der beruflichen Bildung
praktisch völlig vernachlässigt wird. Eine Ausnahme stellt in diesem Zusammenhang das Aktionsprogramm
Saar-Westpfalz dar, das nicht nur die Bedeutung beruflicher Bildung hervorhebt, sondern auch
die Einrichtung von Berufsbildungszentren als Schulen „neuen Typs“ an zentralen Plätzen vorsah, vgl.
Regierung des Saarlandes (Hg.), Aktionsprogramm, S. 15ff, und Walter Rüth, Berufsbildungszentrum.
Fine llankierende Maßnahme der Strukturhilfe, in: Die Arbeitskammer. Zeitschrift der Arbeitskammer des
Saarlandes 17 (1969), S. 137-139.
w Anders dagegen die Wahrnehmung der Arbeitskammer, vgl. Peter Springer, Aufbruch in der Berufsausbildung.
Noch fehlt ein einheitliches Konzept, in: Die Arbeitskammer. Zeitschrift der Arbeitskammer des
Saarlandes 14 (1966), S. 374-378; Walter Rüth, Ausbildungsförderung an der Saar drängt nach einer
Lösung. Guter Ausbildungsstand der Arbeitnehmer ist ein wesentlicher Beitrag zur Wirtschaftsförderung,
in: Die Arbeitskammer. Zeitschrift der Arbeitskammer des Saarlandes 16 (1968), S. 47-52; ders., Arbeitsmarkt
über Ausbildungsstruktur aktivieren, in: ebd., 18 (1970), S. 35-38.
11,0 Vgl. hierzu besonders die Darstellung von Jürgen Baumert u.a., Das Bildungswesen in der Bundesrepublik
Deutschland. Ein Überblick für Eltern, Lehrer, Schüler, 2. Auf!. Hamburg 1984, S. 70ff; Alois
Roth, Hauptschule, sowie zum Vergleich mit Nordrhein-Westfalen Kirchhoff, Schulpolitik, S. 137ff.
101 Einen Überblick über die Forschungslage bieten Führ u. Furck (Hgg.), Bildungsgeschichte, S. 447-494.
Zur zeitgenössischen Debatte unter dem Schlagwort „Mobilisierung der Bildungsreserven“ vgl. Rolf
Arnold u. Fritz Marz, Einführung in die Bildungspolitik. Grundlagen, Entwicklungen, Probleme, Stuttgart
u.a. 1979, bes. S. 2Iff. Methodische wie inhaltliche Hinweise zum Zusammenhang von Strukturentwicklung
und Bildungspolitik liefern Walter H. Brosi, Klaus Hembach u. Harald Spehl, Berufliche
Qualifikation und regionale Entwicklung, Bonn 1982 (= Schriftenreihe 'Raumordnung' des Bundesministers
für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau 48), Karl-Hans Weimer, Berufliche Bildung und
wirtschaftlicher Strukturwandel im Ruhrgebiet, Opladen 1987 (= Forschungsberichte des Landes Nordrhein-Westfalen
3225) und Rolf Derenbach, Zur Begründung und Ausgestaltung regionaler Berufsbildungspolitik,
in: Garlichs, Maier u. Semlinger (Hgg.), Beschäftigungspolitik, S. 159-182 - hier auch
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