tik, unterschied sich jedoch in seinen politischen Zyklen von den teilweise an kurzfristig
auftretenden Problemen orientierten anderen Sachbereichen. Wie bereits erwähnt,
hatten die Kultusminister - in der Regel war dieses Amt in Personalunion vom Ministerpräsident
bekleidet worden - langfristig ausgerichtete Projekte wie z.B. die
Volksschulbauprogramme angestoßen, deren Grundgedanke noch bis weit in die 60er
Jahre im Ausgleich der Lebensbedingungen in industriellem Ballungsraum und
agrarisch geprägtem „Land“ bestand.S9 Dabei wurden zwar durchaus auch Reformansätze
wie z.B. die Einführung des neunten Volksschuljahres oder die Gründung der
Pädagogischen Hochschulen gewählt, die Darstellung der Bildungspolitik dominierten
jedoch meistens auf grundsätzliche Fragen von Zivilisation und hoher Kultur
ausgerichtete Beiträge. Insbesondere Franz Josef Röder nutzte bildungspolitische
Debatten mit Vorliebe zur Darstellung seiner Gedanken zur Kultur des christlichen
Abendlandes - nicht ohne auch die Probleme der Integration der christlichen Parteien
dabei im Blick zu halten.1,11
Die Einführung der christlichen Gemeinschaftsschule nach 1964 hatte daher eine
schwere Belastungsprobe für die saarländischen Christdemokraten bedeutet. Etliche
konservative Politiker - auch aus der SVP, die in diesem Punkt die Nachfolge der
Christlichen Volkspartei angetreten hatte - kritisierten sie als Aufgabe eines zentralen
Bestandteils christlicher Politik. Im Sommer 1967 zerschlugen sich aber deren letzte
Hoffnungen.89 91 Der neuernannte Kultusminister Werner Scherer hatte daher alle
Schwierigkeiten, die früher bereits von der SPD genauso wie auch int Strukturgutachten
von Josef Heinz Müller benannten Probleme im saarländischen Bildungswesen
und auch die von ihm selber angekündigten Reformanstrengungen im Bildungssektor92
als Gegenstand einer „evolutionären“ Bildungspolitik der Landesregierung
89 Vgl. hierzu die sehr interessante Fallstudie zur Gemeinde Orscholz von Helmut Kohn, Die Ausbildungswege
der Kinder einer ländlichen Gemeinde im Saarland, in: Die Arbeitskammer. Zeitschrift der Arbeitskammer
des Saarlandes 13 (1965), S. 316-318.
90 Völlig anders dagegen schon früh: Peter Springer, Bildungspolitik als ökonomische Aufgabe, in: Die
Arbeitskammer. Zeitschrift der Arbeitskammer des Saarlandes 13 (1965), S. 305-310.
91 Diese hatten darauf vertraut, daß über das Schulordnungsgesetz quasi indirekt der flächendeckenden
Einführung von Gemeinschaftsschulen ein Riegel vorgeschoben werden könnte. Wie bereits erwähnt, sah
die im Jahr 1965 geänderte Verfassung vor, daß eine Gemeinschaftsschule eingerichtet werden konnte,
wenn der „geordnete Schulbetrieb“ sichergestellt war. Allerdings konnte ein solcher „geordneter Schulbetrieb“
durchaus auch bedeuten, daß in einer Schule 50 Schüler der Klassenstufen I bis 6 in nur zwei
Klassen unterrichtet wurden. Damit war den gestiegenen Ansprüchen an die Ausbildungsleistung der
Volksschule, deren Erhalt ein zweites wichtiges Ziel der Bildungspolitik der CDU darstellte, kaum mehr
Rechnung zu tragen. Vgl. hierzu Brosig, Verfassung, S. 235, und LTDS, 5. WP, Abt. I, 41. Sitzung v.
5.7.67, S. 1049ff.
92 Josef Heinz Müller, Probleme, S. 156. Vgl. hierzu die Aussprache zu einer Anfrage der SPD zum
Schulorganisationsgesetz in: LTDS, 5. WP, Abt. I, 21. Sitzung v. 12.7.66, S. 489ff. Hinsichtlich der Frage
nach dem Stellenwert der Bildungspolitik in der politischen Diskussion ist übrigens der aus dem Protokoll
ersichtliche Hinweis interessant, daß die Debatte zu diesem Thema kurz vor 19 Uhr abrupt abgebrochen
wurde, weil die Übertragung eines Vorrundenspiels der Fußball-Weltmeisterschaft (Deutschland gegen die
Schweiz, 5:0) anstand. Zu den frühen Reformkonzepten Scherers siehe auch Ständige Konferenz der
Kultusminister der Länder der Bundesrepublik Deutschland, Kulturpolitik der Länder 1965-1966,
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