stellende Bedeutung“1* des Luxemburger Vertrags über die rein politischen Bestimmungen
hinaus, welche die verfassungsrechtliche Überleitung1'' des teilautonomen
Saarlandes zum Bundesland vorbereiteten.
Besonders interessant sind die Saarverhandlungen daher in regionalgeschichtlicher
Perspektive. Zwar waren auch für andere spätere Bundesländer richtungweisende
Entscheidungen in der Besatzungszeit getroffen worden;20 schon die Schwierigkeiten
bei der Bewertung dieser Weichenstellungen in der Forschung verweisen jedoch auf
die Probleme bei der Einordnung dieser Phase.21 Zur Mitte der 1950er Jahre schließlich
wurden Grundfragen regionalpolitischer Bedeutung in der Bundesrepublik fast
ausschließlich auf der Ebene föderaler Regelungsmechanismen diskutiert,22 während
1959-1984, Saarbrücken 1984.
18 Hans-Christian Herrmann, Eine Bilanz der kleinen Wiedervereinigung. 40 Jahre nach der wirtschaftlichen
Rückgliederung des Saarlandes, in: Zeitschrift für die Geschichte der Saargegend 48 (2000), S.
309-328, hier: S. 316.
19 Vgl. hierzu zuletzt Rudolph Brosig, Die Verfassung des Saarlandes, Entstehung und Entwicklung, Köln
u.a. 2001 (= Annales Universitatis Saraviensis, Rechts- und Wirtschaftswissenschaftliche Abteilung 131),
bes. S. 218-229, der allerdings kaum über den bereits früher erarbeiteten Forschungsstand hinausgelangt;
Walter Henn, Die verfassungsrechtliche Lage des Saarlandes während der Übergangszeit, Saarbrücken
1959; Wolfgang Widhofer, Die Eingliederung des Saarlandes in die Bundesrepublik Deutschland, Bonn
1960 (= Schriften zur Rechtslehre und Politik 28); Bernhard Aubin, Friedrich-Wilhelm Baer-Kaupert u.
Hans-Emst Folz, Saarvertrag und EWG-Vertrag. Eine Untersuchung über die Rechtslage der saarländischen
Wirtschaft nach Abbau der Binnenzölle in der EWG (1.7.1968), Saarbrücken 1968.
20 Neben der Frage nach der Bewertung der Besatzungspolitik spielt die Frage nach der durch die Länder
vermittelten Kontinuitätslinie des Föderalismus in Deutschland als Bindeglied zwischen Weimarer
Republik, NS-Staat, Besatzungszeit und Bundesrepublik als Erklärungsansatz für deutsche Geschichte eine
gewisse Rolle. Sehr positiv dazu eingestellt ist z.B. Thomas Nipperdey, Der Föderalismus in der deutschen
Geschichte, in: ders., Nachdenken über die deutsche Geschichte. Essays, München 1986, S. 60-109.
Ungleich kritischer: Kurt Düwell, Föderalismus und Zeitgeschichte. Zur Kontinuitätsproblematik des
Bund-Länder-Verhältnisses, in: Geschichte im Westen 4 (1989), S. 36-46. Vollends zum „deutschen
Modell“ wird der Föderalismus mitunter im Kontext europapolitischer Debatten, siehe: Günter Ammon,
Matthias Fischer, Thorsten Hickmann u. Klaus Stemmermann (Hgg.), Föderalismus und Zentralismus:
Europas Zukunft zwischen dem deutschen und dem französischen Modell, Baden-Baden 1996 (= Schriftenreihe
des Europäischen Zentrums für Föderalismus-Forschung 1 l). Abgesehen von diesen grundlegenden
Aspekten der Föderalismus-Debatte - die hier nicht weiter verfolgt werden können - ist es wichtig zu
betonen, daß die bedeutendsten Grundentscheidungen über die Struktur der Bundesländer vor Gründung
der Bundesrepublik gefallen sind. Vgl. hierzu die detaillierten Untersuchungen: Horst Romeyk, Kleine
Verwaltungsgeschichte Nordrhein-Westfalens, Siegburg 1988; Wolfgang Benz (Hg.), Neuanfang in
Bayern 1945 bis 1949. Politik und Gesellschaft in der Nachkriegszeit, München 1988; Walter Mühlhausen,
„... die Länder zu Pfeilern machen...“. Hessens Weg in die Bundesrepublik Deutschland
1945-1949, Wiesbaden 1989; Marie-Elise Foelz-Schroeter, Föderalistische Politik und nationale Repräsentation
1945-1947. Westdeutsche Länderregierungen, zonale Bürokratien und politische Parteien im
Widerstreit, Stuttgart 1974 (= Studien zur Zeitgeschichte 7); Hartmut Klatt (Hg.), Baden-Württemberg und
der Bund, Stuttgart 1989 (= Schriften zur politischen Landeskunde Baden-Württembergs 15).
~! Kritisch zur Aufarbeitung der „Gründungsgeschichte“ der Bundesländer unter den Vorzeichen der
Besatzungspolitik: Arno Mohr, Politische Identität um jeden Preis? Zur Funktion der Landesgeschichtsschreibung
in den Bundesländern, in: Neue Politische Literatur 35 (1990), S. 222-274, sowie Frank
Göttmann, Über den Raum als Forschungsgegenstand und Forschungsansatz der Geschichte - ein Problem
nicht nur der Landes- und Regionalgeschichte, in: Ludger Grevelhörster u. Wolfgang Maron (Hgg.),
Region und Gesellschaft im Deutschland des 19. und 20. Jahrhunderts. Studien zur neueren Geschichte
und westfälischen Landesgeschichte, Paderborn 1995, S. 42-63.
22 Zur Aufarbeitung der föderativen Beziehungen und ihren Rückw irkungen auf die innere Verfassung der
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