Full text : Das Saarland im doppelten Strukturwandel 1956 - 1970

stellende  Bedeutung“1*  des  Luxemburger  Vertrags  über  die  rein  politischen  Bestimmungen
  hinaus,  welche  die  verfassungsrechtliche  Überleitung1''  des  teilautonomen
  Saarlandes  zum  Bundesland  vorbereiteten.
Besonders  interessant  sind  die  Saarverhandlungen  daher  in  regionalgeschichtlicher
Perspektive.  Zwar  waren  auch  für  andere  spätere  Bundesländer  richtungweisende
Entscheidungen  in  der  Besatzungszeit  getroffen  worden;20  schon  die  Schwierigkeiten
bei  der  Bewertung  dieser  Weichenstellungen  in  der  Forschung  verweisen  jedoch  auf
die  Probleme  bei  der  Einordnung  dieser  Phase.21  Zur  Mitte  der  1950er  Jahre  schließlich
  wurden  Grundfragen  regionalpolitischer  Bedeutung  in  der  Bundesrepublik  fast
ausschließlich  auf  der  Ebene  föderaler  Regelungsmechanismen  diskutiert,22  während

1959-1984,  Saarbrücken  1984.
18  Hans-Christian  Herrmann,  Eine  Bilanz  der  kleinen  Wiedervereinigung.  40  Jahre  nach  der  wirtschaftlichen
  Rückgliederung  des  Saarlandes,  in:  Zeitschrift  für  die  Geschichte  der  Saargegend  48  (2000),  S.
309-328,  hier:  S.  316.
19  Vgl.  hierzu  zuletzt  Rudolph  Brosig,  Die  Verfassung  des  Saarlandes,  Entstehung  und  Entwicklung,  Köln
u.a.  2001  (=  Annales  Universitatis  Saraviensis,  Rechts-  und  Wirtschaftswissenschaftliche  Abteilung  131),
bes.  S.  218-229,  der  allerdings  kaum  über  den  bereits  früher  erarbeiteten  Forschungsstand  hinausgelangt;
Walter  Henn,  Die  verfassungsrechtliche  Lage  des  Saarlandes  während  der  Übergangszeit,  Saarbrücken
1959;  Wolfgang  Widhofer,  Die  Eingliederung  des  Saarlandes  in  die  Bundesrepublik  Deutschland,  Bonn
1960  (=  Schriften  zur  Rechtslehre  und  Politik  28);  Bernhard  Aubin,  Friedrich-Wilhelm  Baer-Kaupert  u.
Hans-Emst  Folz,  Saarvertrag  und  EWG-Vertrag.  Eine  Untersuchung  über  die  Rechtslage  der  saarländischen
  Wirtschaft  nach  Abbau  der  Binnenzölle  in  der  EWG  (1.7.1968),  Saarbrücken  1968.
20  Neben  der  Frage  nach  der  Bewertung  der  Besatzungspolitik  spielt  die  Frage  nach  der  durch  die  Länder
vermittelten  Kontinuitätslinie  des  Föderalismus  in  Deutschland  als  Bindeglied  zwischen  Weimarer
Republik,  NS-Staat,  Besatzungszeit  und  Bundesrepublik  als  Erklärungsansatz  für  deutsche  Geschichte  eine
gewisse  Rolle.  Sehr  positiv  dazu  eingestellt  ist  z.B.  Thomas  Nipperdey,  Der  Föderalismus  in  der  deutschen
Geschichte,  in:  ders.,  Nachdenken  über  die  deutsche  Geschichte.  Essays,  München  1986,  S.  60-109.
Ungleich  kritischer:  Kurt  Düwell,  Föderalismus  und  Zeitgeschichte.  Zur  Kontinuitätsproblematik  des
Bund-Länder-Verhältnisses,  in:  Geschichte  im  Westen  4  (1989),  S.  36-46.  Vollends  zum  „deutschen
Modell“  wird  der  Föderalismus  mitunter  im  Kontext  europapolitischer  Debatten,  siehe:  Günter  Ammon,
Matthias  Fischer,  Thorsten  Hickmann  u.  Klaus  Stemmermann  (Hgg.),  Föderalismus  und  Zentralismus:
Europas  Zukunft  zwischen  dem  deutschen  und  dem  französischen  Modell,  Baden-Baden  1996  (=  Schriftenreihe
  des  Europäischen  Zentrums  für  Föderalismus-Forschung  1  l).  Abgesehen  von  diesen  grundlegenden
  Aspekten  der  Föderalismus-Debatte  -  die  hier  nicht  weiter  verfolgt  werden  können  -  ist  es  wichtig  zu
betonen,  daß  die  bedeutendsten  Grundentscheidungen  über  die  Struktur  der  Bundesländer  vor  Gründung
der  Bundesrepublik  gefallen  sind.  Vgl.  hierzu  die  detaillierten  Untersuchungen:  Horst  Romeyk,  Kleine
Verwaltungsgeschichte  Nordrhein-Westfalens,  Siegburg  1988;  Wolfgang  Benz  (Hg.),  Neuanfang  in
Bayern  1945  bis  1949.  Politik  und  Gesellschaft  in  der  Nachkriegszeit,  München  1988;  Walter  Mühlhausen,
  „...  die  Länder  zu  Pfeilern  machen...“.  Hessens  Weg  in  die  Bundesrepublik  Deutschland
1945-1949,  Wiesbaden  1989;  Marie-Elise  Foelz-Schroeter,  Föderalistische  Politik  und  nationale  Repräsentation
  1945-1947.  Westdeutsche  Länderregierungen,  zonale  Bürokratien  und  politische  Parteien  im
Widerstreit,  Stuttgart  1974  (=  Studien  zur  Zeitgeschichte  7);  Hartmut  Klatt  (Hg.),  Baden-Württemberg  und
der  Bund,  Stuttgart  1989  (=  Schriften  zur  politischen  Landeskunde  Baden-Württembergs  15).
~!  Kritisch  zur  Aufarbeitung  der  „Gründungsgeschichte“  der  Bundesländer  unter  den  Vorzeichen  der
Besatzungspolitik:  Arno  Mohr,  Politische  Identität  um  jeden  Preis?  Zur  Funktion  der  Landesgeschichtsschreibung
  in  den  Bundesländern,  in:  Neue  Politische  Literatur  35  (1990),  S.  222-274,  sowie  Frank
Göttmann,  Über  den  Raum  als  Forschungsgegenstand  und  Forschungsansatz  der  Geschichte  -  ein  Problem
nicht  nur  der  Landes-  und  Regionalgeschichte,  in:  Ludger  Grevelhörster  u.  Wolfgang  Maron  (Hgg.),
Region  und  Gesellschaft  im  Deutschland  des  19.  und  20.  Jahrhunderts.  Studien  zur  neueren  Geschichte
und  westfälischen  Landesgeschichte,  Paderborn  1995,  S.  42-63.
22  Zur  Aufarbeitung  der  föderativen  Beziehungen  und  ihren  Rückw  irkungen  auf  die  innere  Verfassung  der

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