Full text : Das Saarland im doppelten Strukturwandel 1956 - 1970

zu  diesem  Haushalt  nur  sehr  schleppend.  Schon  das  Protokoll  der  ersten  Lesung,  die
zeitlich  mit  dem  Höhepunkt  der  allgemeinen  Strukturdiskussion  zusammenfiel,  deutet
mit  kaum  mehr  als  20  Protokollseiten  auf  eine  der  kürzesten  Lesungen  in  der  Geschichte
  des  Bundeslandes  hin.  Und  auch  inhaltlich  gelangte  die  Debatte  kaum  über
die  unverbunden  einander  gegenübergestellten  Schlagwörter  von  der  „Konsolidierung
des  Landesfinanzen“6'  (nach  dem  enormen  Anstieg  der  Verschuldung  durch  die
Eingliederung),  von  der  fehlenden  fiskalpolitischen  Abfederung  des  Strukturprogramms
  des  Ministerpräsidenten* 66 69  und  über  eine  kurze  Diskussion  über  die  Frage
nach  der  angemessenen  Ausstattung  der  Gemeindefinanzen6  hinaus.6K  Bis  zum  April
1968  zeichnete  sich  aber  eine  bemerkenswerte  Kooperation  zwischen  Opposition  und
Mehrheitsfraktion  während  der  Ausschußberatungen  ab.  Durch  weitreichende  Einsparungen
  war  es  hier  nämlich  gelungen,  das  ursprünglich  angesetzte  Defizit  im
ordentlichen  Haushalt  zu  vermeiden  und  somit  für  einen  regulären  Ausgleich  des
Gesamthaushaltes  zu  sorgen.  Dazu  konnten  auch  zusätzliche  Mittel  aus  Bonn  verbucht
  werden,  was  letztlich  sogar  zu  der  Hoffnung  Anlaß  gab,  zum  Jahresende  nicht
mehr  mit  neuen  Defiziten  konfrontiert  zu  werden.  Als  Gesamtergebnis  konnte  festgehalten
  werden:  „Wir  haben  ...  das  Haushalts-  und  Finanzgeschehen,  das  uns  in  den
letzten  beiden  Jahren  beinahe  entglitten  ist,  wieder  echt  in  den  Griff  bekommen.“64
Dieser  Einschätzung  setzte  auch  die  SPD-Opposition  keine  grundsätzlich  andere
Bewertung  entgegen.  Zwar  bemängelte  sie  eine  ganze  Reihe  von  problematischen
Verfahren,  die  als  „Tricks“  zum  formalen  Ausgleich  des  Etats  verwendet  worden

Seeber  bestätigt,  daß  Hochschulen  wohl  als  die  am  schwächsten  inzidente  Form  von  Raumordnungsmaßnahmen
  bezeichnet  werden  müssen,  darf  doch  nicht  übersehen  werden,  daß  im  Vergleich  zu  Mannheim
  und  Kaiserslautern  die  ökonomischen  Effekte  der  Universität  des  Saarlandes  zumindest  auf  ihr
unmittelbares  Umfeld  im  Stadtgebiet  Saarbrückens  relativ  hoch  einzuschätzen  sind,  vgl.  ebd.,  S.  226ff.
65  So  betitelte  Jakob  Feiler  (CDU)  den  Haushaltsentwurf,  LTDS,  5.  WP,  Abt.  I,  50.  Sitzung  v.  7.2.68,
S  1367.
66  Dies  stellte  das  zentrale  Argument  im  mit  „Wehmütige  Betrachtungen  eines  Finanzministers“  betitelten
Beitrag  Kurt  Conrads  (SPD)  dar,  ebd.,  S.  1371.
A7  Ausführliches  Zahlenmaterial  präsentierte  Innenminister  Ludwig  Schnur,  ebd.,  S.  1375ff.
68  Sehr  viel  heftigere  haushaltspolitische  Debatten  als  der  Haushaltsentwurf  löste  in  den  ersten  Monaten
des  Jahres  1968  sogar  das  Ausfuhrungsgesetz  zum  Bundessozialhilfegesetz  aus,  durch  das  in  einer
saarländischen  Sondersituation  -  Abschaffung  des  Sozialrentnergesetzes  als  eines  der  letzten  Bestandteile
des  „sozialen  Besitzstandes“  an  der  Saar  -  die  Gemeinden  finanzielle  Rückwirkungen  zu  tragen  hatten.
Vgl.  hierzu  die  Debatte  in:  LTDS,  5.  WP,  Abt.  1,  52.  Sitzung  v.  6.3.68,  S.  1393.  Diese  Debatte  stellte
übrigens  ein  „ungleichzeitiges“  Wiederaufleben  sozialpolitischer  Diskussionen  im  Parlament  dar.  Ursula
Münch,  Sozialpolitik  und  Föderalismus.  Zur  Dynamik  der  Aufgabenverteilung  im  sozialen  Bundesstaat,
Opladen  1997,  bes.  S.  283ff.,  hält  als  eines  der  wichtigen  Kennzeichen  der  Unitarisierung  der  Bundesrepublik
  fest,  daß  die  Verantwortung  für  sozialpolitische  Probleme  als  Teil  der  systemischen  Integration  der
Bundesrepublik  schon  früh  und  sehr  schnell  auf  den  Bund  verlagert  wurde.  Dementsprechend  fand  dieser
Bereich  in  den  von  ihr  ausgewerteten  Parlamentsdebatten  in  Nordrhein-Westfalen  und  Bayern  kaum
Berücksichtigung  -  eine  Tendenz,  die  nach  dem  Abflauen  der  Debatte  um  den  „sozialen  Besitzstand“
ebenso  die  Föderalisierung  des  Saarlandes  prägte.
69  LTDS,  5.  WP,  Abt.  I,  54.  Sitzung  v.  3.4.68,  S.  I463ff.

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