Maßnahmen vor allem des Bundes zugunsten des Landes zu fordern, war deutlich
eingeschränkt. Dies traf zudem mit der sich im Rahmen der allgemeinen Strukturdiskussion
abzeichnenden neuen Entwicklung zusammen, nach der strukturverbessernde
Maßnahmen und Hilfen - wie z.B. die Gestaltung der Kohlekrise in Form
der Aktionsgemeinschaft - zwar Bundeshilfen würden bringen können, deren Kofinanzierung
durch das Land aber aufgrund der geringen Spielräume im Haushalt
praktisch nicht sicherzustellen war.
Dies erklärt zum Teil die merkwürdige Mißachtung haushaltspolitischer Zusammenhänge
in der durch das Saar-Memorandum ausgelösten allgemeinen Strukturdebatte
im Landtag. Obwohl das Memorandum nämlich auch umfangreiche finanzielle
Forderungen gegenüber dem Bund enthielt, wurde dieser Aspekt bei den Debatten
darüber - insbesondere von der Opposition - kaum berücksichtigt. Auch bei der
Fortsetzung der Debatte um den Haushaltsvollzug des Jahres 1967 blieb dieser
Zusammenhang noch recht unscharf. Zwar kennzeichnete der neu ins Amt berufene
Finanzminister seinen nun doch erarbeiteten Nachtrag als ersten „Haushaltsplan ...,
der unmittelbar eine ausschließlich wirtschaftspolitische Zielsetzung hat“, jedoch
bezog sich das Zahlenwerk praktisch ausschließlich auf die Umsetzung der von der
Bundespolitik vorgegebenen Finanz- und Investitionsdaten aus deren Konjunkturprogrammen.'’11
Dementsprechend wirkte schon der Fraktionsvorsitzende der CDU
allzu weitgesteckten Erwartungen entgegen. Zwar forderte er mit Hinweis auf das
Verhalten der CDU-Opposition in Hessen die Zustimmung der saarländischen Sozialdemokraten
ein. bewertete aber die Regierungsvorlage mehr als „Ausführungsgesetz
auf Landesebene zum Konjunkturprogramm des Bundes“, das zudem aufgrund der
geringen finanziellen Spielräume des Landes längst nicht alle Investitionswünsche,
v.a. der Gemeinden, berücksichtigen konnte. Besonders negativ merkte er an, daß die
zur Umsetzung erforderlichen Eigenmittel des Landes von mehr als 35 Mio. DM
einen neuerlichen Beitrag zur schnelleren Verschuldung darstellten. Letztlich, so sein
Gedankengang, stelle dieser Nachtragshaushalt kaum mehr als die Fortsetzung der
bereits in der Vergangenheit auf wachsende Verschuldung angewiesenen Investitionspolitik
des Landes dar: „So gesehen könnte ich eigentlich sagen, daß das Saarland
bereits seit 1961 jedes Jahr Eventualhaushalte verabschiedet.“ Zwar komme das
Programm insbesondere dem Kultusminister „wie gerufen“, weil dadurch die Finanzierung
des vierten Volksschulbauprogramms sichergestellt werde; allerdings
befürchtete Feiler, daß die im Saar-Memorandum genannten sonstigen Ziele in
Vergessenheit geraten könnten."1
Die Sozialdemokraten zeigten sich erstaunlich kompromißbereit. Zwar blieb der
Hinweis auf Fehler der Landesregierung in der Vergangenheit nicht aus, die neue
Wirtschaftspolitik auf Bundesebene lasse aber nun die Hoffnung keimen, eine „plan-50
Vgl. hierzu die Haushaltsrede des Ministers in: LTDS, 5. WP, Abt. 1, 43. Sitzung v. 20.9.67, S. 1133ff.
51 Ebd., S. 1136f.
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