finanzausgleiches wurde bemängelt, weil die defensive Strategie Röders als Versuch
gewertet werden konnte, direkte Bundesergänzungszuweisungen anstelle von Ansprüchen
auf reguläre Mittel aus dem Finanzausgleich einzuhandeln. Darin sah Karl
Wolfskeil den Versuch, sich von Bonn „kaufen“ zu lassen und die „Solidarität“ mit
den anderen Ländern aufzugeben.39
Großen Anklang fand dagegen das zweite Element in der haushaltspolitischen Diskussion,
das als eine Art generelle Reformdebatte insbesondere den Bildungsbereich
zum Gegenstand der Beratungen machte. Bereits der CDU-Abgeordnete Berthold
Budell hatte in seiner Rede daraufhingewiesen, daß die Universität als finanzielle
Last für das Land nicht mehr zu tragen sei.4" Dabei war diese Argumentationsweise
durchaus nicht völlig neu. Wie bereits erwähnt, hatte schon 1959 die sich zuspitzende
Haushaltssituation einzelne Parlamentarier dazu angeregt, öffentlich über mögliche
Einsparpotentiale nachzudenken. Nun entwickelte sich jedoch eine vergleichsweise
umfangreiche bildungspolitische Grundsatzdebatte. Die SPD-Abgeordneten nahmen
ihre alte Argumentationslinie gegen die Volksschulbauprogramme wieder auf und
leiteten daraus ein in dieser Eindeutigkeit bislang unbekanntes Bekenntnis gegen die
Konfessionsschule ab. Dagegen hatte der Kultusminister Werner Scherer große
Schwierigkeiten, das Eintreten der CDU für deren Aufrechterhaltung zu begründen.41
Damit war ein neuer und für die späten 60er Jahre typischer Stil der Haushaltsdebatten
im saarländischen Parlament erarbeitet. Hatte noch in der vorangegangenen
Legislaturperiode die Finanznot des Saarlandes hauptsächlich Auswirkungen auf die
kommunalpolitische Diskussion und auf diejenige um Raumordnung und Landesplanung
gezeigt, entwickelte sich nun die Debatte verstärkt in Richtung auf eine
allgemeine Reformdebatte in den Kernkompetenzen des Landes, insbesondere im
Bildungsbereich.42
w Ebd., S. 678. Renzsch, Finanzverfassung, S. 199, sieht in der bei der schwelenden Diskussion um die
Reform des Länderfinanzausgleichs im Herbst 1966 gefundenen Lösung, durch Sonderzuweisungen des
Bundes an die finanzschwachen Länder den zur Debatte stehenden Entwurf Schleswig-Holsteins zur
Neustrukturierung der föderalen Finanzverhältnisse zu verhindern, eine „Vertagung“ des Problems in die
große Koalition. Das Saarland hatte sich zu dem Entwurf offiziell überhaupt nicht geäußert.
4,1 Budell kritisierte die seit Jahren steigenden Ausgaben in diesem Bereich: „Dies, meine Damen und
Herren, ist eine Entwicklung, die uns auf die Dauer Kummer bereiten muß bei aller Bereitschaft des
Parlaments, der Regierung und der saarländischen Bevölkerung, für die Ausstattung und den Ruf unserer
Universität Opfer zu bringen“, LIDS, 5. WP, Abt. I, 28. Sitzung v. 14.12.66, S. 688.
41 Ebd., S. 695ff. Scherer argumentierte, daß für die CDU „die Frage der Schulform nicht nur eine
bildungsmaterialistische Frage“ sei, ebd., S. 697.
43 Selbst eher dem konservativen Flügel zuzurechnende Abgeordnete standen dieser Reformdebatte
grundsätzlich positiv gegenüber; z.B. sprach die ehemalige CVP-Abgeordnete Maria Schweitzer, die sich
in der Vergangenheit durch ihren besonderen Einsatz für die Beibehaltung der konfessionellen Gliederung
des Bildungswesens profiliert hatte, von einem „echten Frühling“ in der Kulturpolitik, der durch die nun
entstandenen Sparzwänge und die daraus abgeleitete Notwendigkeit einer grundsätzlichen Bildungsdebatte
ausgelöst worden sei, ebd., S. 691.
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