und Instrumente,"9 Die in den politischen Debatten vor der Öffentlichkeit noch sehr
viel weniger deutlich als in den programmatischen Texten vorgenommene Abkehr
von der Steinkohle als Trägerin der Zukunftshoffnungen zeigt den von dieser Modernisierung
der Regionalpolitik ausgehenden Anpassungsdruck.
Ein weiterer Problembereich der Analyse liegt im Spannungsfeld zwischen Allzuständigkeit
und beschränkter Handlungsfähigkeit von Politik im Bundesland. Der
noch bis in die Mitte der zweiten Hälfte der 60er Jahre vor allem von CDU-Vertretern
unternommene Versuch, die Teil- und Mitverantwortung der Bundesebene für
politische Fehlentwicklungen mit Bezug auf das Saarland hervorzuheben, folgte zwar
teilweise der sachlichen Struktur der zu behandelnden Themen, entsprach aber längst
nicht mehr den politischen Gegebenheiten. Erstens erwies sich dieser Versuch zumindest
so lange als kontraproduktiv, wie auch im Bund die CDU den größeren
Koalitionspartner stellte, und zweitens konnte angesichts der sich zuspitzenden Krise
eine allgemeine Verantwortung der Landesregierung für alle Vorgänge im Saarland
postuliert werden. Der Ministerpräsident griff diese Verantwortung erst recht spät
auf, münzte dann aber in einem bemerkenswerten Schritt sogar das Zugeständnis von
Fehlern in der Vergangenheit zum Vorteil der Regierungsparteien um. Dies verdeutlicht
erneut die weit über die verfassungsmäßigen Rechte des Regierungschefs hinausreichende
Bedeutung der Ministerpräsidenten als „Landesvater“ im föderalen
System der Bundesrepublik.119 120 Ein anderer interessanter Aspekt dieses Vorgangs
besteht darin, daß ausgerechnet der ehemals „prodeutsche“ und phasenweise scharf
gegen die CVP agierende Franz-Josef Röder die deutsch-französische Zusammenarbeit
im Grenzraum zum zentralen Element der künftigen regionalen Wachstumshoffnungen
erhob.
Gerade an diesem Punkt werden auch Widersprüche in der programmatischen Grundlage
der neuen Politik im Saarland deutlich: Dem expliziten Bezug zur grenzüberschreitenden
Zusammenarbeit stand die streng auf administrative und finanzielle
Aspekte von Regionalpolitik ausgerichtete Konzeption des Aktionsprogramms
Saar-Westpfalz gegenüber. Dies legt eine Relativierung der Ergebnisse der gegenüber
dem Föderalismus und seiner Leistungsfähigkeit kritisch eingestellten Teil der Forschung
nahe, der die Rolle der Bundesländer in der Krise negativ bewertet. Fritz W.
Scharpf ging früh bereits davon aus, daß in den 60er Jahren die ungünstige Entwicklung
im Bergbau zunächst von weiten Teilen der Politik als sektorale Krise
mißverstanden worden sei. Dieser wurde auf dem Höhepunkt der Krise mit territorial
119 Insofern ist das Saar-Memorandum eher als Abschluß der früheren, zu Anfang der 60er Jahre beginnenden
Etappe der Modernisierung der Landespolitik anzusehen, anders hierzu: Loth, Vertracktes Gelände,
S. 119.
120 Diese ist wohl nicht nur auf die unitaristischen Tendenzen im deutschen Föderalismus und seiner
Entwicklung zum Exekutivfoderalismus zurückzu führen, wie Steffani, Landesfiirsten, S. 189ff. und
S. 209ff., betont. Entscheidend ist die formale und organisatorische Generalverantwortung, vgl. Herbert
Schneider, Ministerpräsidenten. Profil eines politischen Amtes im deutschen Föderalismus, Opladen
2001, S. 166ff.
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