battenredner der Koalition variierten diesen Grundgedanken in ihren Beiträgen."'
Dabei setzte sich eine Sichtweise durch, nach der es auch unter Struktur- und regionalpolitischer
Perspektive wegen der Erfahrungen der Vergangenheit schlichtweg als
nicht sinnvoll bezeichnet werden könne, sich vom Kurs der Erhaltung der lebensfähigen
Teile des Industriekerns zugunsten einer Politik der Umstrukturierung
„abdrängen" zu lassen.* 114 Für die zukünftigen Aufgaben der Landespolitik war damit
die Analyse klar zu definieren: „Wir sind kein Notstandsgebiet, wir sind auch kein
armes Gebiet, sondern wir sind ein altes Industriegebiet."11" Die hinsichtlich ihres
eigenen Kurses zerstrittene Opposition116 117 dagegen beschränkte sich weitgehend
darauf, die Leistungen „ihrer“ Bundesregierung für das Saarland in den Vordergrund
zu stellen.11
2.3 Zusammenfassung
Nach den frühen Standort- und Planungsdebatten intensivierte sich die Aufarbeitung
der Strukturwandelproblematik durch die Landespolitik in der zweiten Hälfte der
1.3 Sehr aufschlußreich in diesem Zusammenhang ist der Wortbeitrag von Rainer Wicklmayr (CDU) in:
LTDS, 5. WP. Abt. I, 69. Sitzung v. 21.4.69, S. 1893ff., der auch in der Verkehrspolitik große Erfolge der
CDU-Regierung ausmachen zu können glaubte: Bereits die - wenn auch nicht dauerhaft gesicherte -
Gewährung der Als-ob-Tarife habe dem Land große wirtschaftliche Vorteile gebracht. „Ich frage mich,
was die saarländische Wirtschaft in der Zwischenzeit wohl getan hätte, wenn sie nicht im Schatten dieser
Als-ob-Tarife noch eine Rendite in ihren Anlagen hätte erwirtschaften können.“ Sehr viel weniger
gelassen hatte sich die Regierung intern und gegenüber dem Bund in der Kanalfrage verhalten. Mehrfach
wurde der Beschluß erneuert, die Bundesregierung zum Bau des Kanals aufzufordern, z.B. LASB StK
1751, Kabinettsprotokoll v. 2.7.68, und dazu auch die enge Kooperation mit dem benachbarten Rheinland-Pfalz
gesucht, vgl. die gemeinsame Sitzung der beiden Kabinette in: LASB StK 1753, Kabinettsprotokoll
v. 25.3.69.
114 LTDS, 5. WP, Abt. 1, 69. Sitzung v. 21.4.69, S. 1904. Nikolaus Fery (CDU) ging von dem Grundgedanken
aus, daß „die Geschichte dieses Industriereviers ... geradezu die Geschichte von andauernden,
leider aber erfolglosen Versuchen, die Situation unseres Landes grundlegend zu verbessern“, sei, weil
einerseits die Restrukturierungsmaßnahmen selber eine Vielzahl neuer Probleme geschaffen hätten und
andererseits immer wieder die nötige Unterstützung aus Bonn gefehlt habe. Gerade die Standortfrage
zeige dies, da z.B. die Diskussion über die Rentabilität des Kanalprojektes erstens mit regionalpolitischen
Zielen nicht in Übereinstimmung zu bringen sei und zweitens bei verkehrspolitischen Maßnahmen an
anderer Stelle auch nicht geführt werde. Daher sei aus regionaler Sicht eine Strategie sinnvoll, die zwar
keine Konservierung veralteter Strukturen, wohl aber den Erhalt von wirtschaftlich erfolgreichen Unternehmen
vorsehe.
115 LTDS, 5. WP, Abt. I, 71. Sitzung v. 4.6.69, S. 1958.
116 Die inneren Widersprüche in der Politik der SPD zeigen sich z.B. sehr deutlich in der Kohlepolitik, wo,
wie bereits dargelegt, einerseits eine zu weitgehende Rücknahme der Förderung kritisiert, andererseits
aber auch eine Aufhebung der Flächensperre, d.h. der Reservierung von möglicherweise zur Industrieansiedlung
tauglichen Flächen für künftigen Kohleabbau, gefordert wurde, vgl. LTDS, 5. WP, Abt. I, 68.
Sitzung v. 19.3.69, S. 1877. Ähnliches gilt für den Bereich der Eisen- und Stahlindustrie, wo vor einem
„Naturpark“ für bestehende Industrien - einer einseitig kapitalorientierten Politik also - gewarnt wurde,
LTDS, 5. WP, Abt. 1, 69. Sitzung v. 21.4.69, S. 1897, andererseits aber die privatwirtschaftliche Ordnung
dieses Industriesektors als am ehesten geeignete Organisationsform anerkannt wurde, obwohl die Zusammenarbeit
zwischen den Unternehmen aus regionalpolitischer Sicht die SPD nicht überzeugte, LTDS,
5. WP, Abt. 1, 69. Sitzung v. 21.4.69, S. 1913.
117 Prägnant hierzu Wilhelm Silvanus (SPD), der sich bemühte, Karl Schiller als „großen Förderer der
Saar“ darzustellen, LTDS, 5. WP, Abt. I, 80. Sitzung v. 11.3.70, S. 2296.
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