ausführlichen Beratungen in Ausschüssen und im Plenum konnte aber schließlich
doch eine gemeinsame Position erarbeitet und in Beschlußform gebracht werden.Si
Nach der durch den Tod von Eugen Huthmacher am 29. Mai 1967 notwendig gewordenen
Kabinettsumbildung - Reinhard Koch übernahm die Funktion des Wirtschaftsministers,
Helmut Bulle wurde Finanzminister - eskalierte die Debatte jedoch kaum
einen Monat später vollends. Die Fortsetzung der Aussprache über die Regierungserklärung
vom April, in der Franz Josef Röder das Saar-Memorandum veröffentlicht
hatte, geriet zu einem langen und heftigen Schlagabtausch, in dem sich die Trennlinien
zwischen Opposition, Regierung und der sie tragenden Fraktionen völlig
verwischten. Zunächst schien die FDP/DPS-Fraktion praktisch aus der Regierung
auszuscheren, als Karl Wust der Regierung bescheinigte, in der Vergangenheit sei
„die Bedeutung des Problems [der lndustrieansiedlung] entweder nicht voll erkannt
worden ... oder |daß sie] zumindest nicht mit der richtigen Einstellung an diese
Aufgabe herangegangen ist.“*2 Demgegenüber erschienen die Wortbeiträge der
SPD-Opposition - insbesondere die des Fraktionsvorsitzenden - noch geradezu
harmlos. Der Kernpunkt der von ihren Rednern vorgetragenen Argumentation bestand
darin, daß der Ministerpräsident in seinem Regierungsprogramm des Jahres
1965 die vorangegangene Legislaturperiode „schöngefärbt“ habe und daß die in und
nach der Übergangszeit vom Bund zur Verfügung gestellten Mittel sehr wohl hätten
ausreichen können, um eine sinnvolle Politik zu betreiben. Statt dessen stehe man
jetzt vor einem „Scherbenhaufen der saarländischen Wirtschaftspolitik“*3.
Teile der CDU-Fraktion hielten dieser Kritik gemäß der Strategie des Saar-Memorandums
noch entgegen, daß gewisse Versäumnisse der Vergangenheit im Fehlen
einer zweiten Stufe der Übergangszeit begründet waren, daß außerdem durchaus
Ansiedlungserfolge eingetreten sind und daß schließlich eine sinnvolle Wirtschaftsplanung
von Seiten der Regierung zu keinem Zeitpunkt grundsätzlich abgelehnt
worden warf4 Im krassen Gegensatz zu diesem - im Hinblick auf die Bewertung
früherer Regierungsleistungen ja auch schon durchaus ambivalenten - Urteil führte
der CDU-Abgeordnete Norbert Brinkmann aus, daß im Rahmen der Diskussion um
den Saarvertrag die Landesregierung stets eine Verkürzung der Übergangszeit als
wichtigstes politisches Ziel verfolgt habe. Dagegen sei in dieser Zeit der Bau des
Saar-Pfalz-Kanales von keiner der beteiligten Personen oder Gruppen überhaupt nur
81 LTDS, 5. WP, Abt. I, 38. Sitzung v. 14.6.67, S. 979ff„ und ebd., 39. Sitzung v. 22.6.67, S. 986ff.
Besonders interessant sind die offensichtlich um Ausgleich bemühten Äußerungen von SPD, CDU und
Landesregierung, siehe S. 990 und S. 1004f.
82 LTDS, 5. WP, Abt. I, 42. Sitzung v. 7.7.67, S. 1089.
“ Kurt Conrad ebd., S. 1091 ff., Karl Heinz Schneider (SPD) ebd., S. 1097, und ebd., S. 1099.
84 Vgl. hierzu insbesondere die Wortbeiträge von Jakob Feiler, ebd., S. 1094ff., und vor allem Rainer
Wicklmayr: „Es hat, solange ich in diesem Hause bin, noch niemand einer sinnvollen Raumordnung mit
dem Argument widersprochen, das sei Planwirtschaft... Auch im kleinsten Land muß man klare Vorstellungen
haben, muß man sie zu Papier bringen.“, ebd., S. 1102. Wicklmayr war übrigens, wie bereits
erwähnt, 1965 erstmals ins Parlament gewählt worden.
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