politischen Verantwortung zu stellen. So stimmte beispielsweise die SPD-Fraktion
einer Beteiligung der Saarbergwerke AG an der Frisia AG Emden erst nach einer
Sitzungsunterbrechung und unter dem ausdrücklichen Hinweis daraufzu, daß dieser
Schritt ein wirtschaftliches Risiko darstelle, das die Saarbergwerke AG alleine zu
verantworten hätte.14 Dagegen hatte noch in der vorangegangenen Sitzung der
SPD-Abgeordnete Rudolf Recktenwald daraufhingewiesen, daß die Umstrukturierung
der saarländischen Wirtschaft auch mit Risiken verbunden sei und das Land sich
unbedingt an deren Absicherung zu beteiligen habe.1' Ähnlich zu bewerten ist der
Vorgang, daß die Opposition die Verweisung der von ihr beantragten Debatte über
Fortschritte bei den Verhandlungen über die Inkraftsetzung der Als-ob-Tarife akzeptierte
und sich dem Argument der Regierung anschloß, eine solche Debatte könne
möglicherweise die - unter Ausschluß der Öffentlichkeit und des Parlaments - laufenden
Verhandlungen stören.16 Ein weiteres Indiz für die Verunsicherung der Parlamentarier
kann dann in der Ansprache des Parlamentspräsidenten zum zehnten Jahrestag
der Volksabstimmung von 1955 gesehen werden. In dieser Ansprache wurde die
Phase der Eingliederung und die Frage nach Erfolg oder Mißerfolg der Anpassung an
die neue Ordnung praktisch überhaupt nicht erwähnt; statt dessen bestand die Rede in
einer stark konsensorientierten Darstellung der Vorgeschichte der Volksabstimmung
und der konstruktiven Zusammenarbeit von Deutschland und Frankreich bei der
Ausgestaltung des Saarvertrags.1
Klarer kritisierte die Fraktionsführung der SPD grundlegende Aspekte der christdemokratischen
Politik- und Gesellschaftskonzeption, wobei sie sich - besonders im
Vorfeld der Bundestagswahlen - speziell auf die Politik der CDU-geführten Bundesregierung
bezog.18 19 Damit wurde zwar der bereits in der letzten Periode eigentlich
schon erreichte Ansatzpunkt, die Regierung in ihrer Verantwortung für konkrete
Vorhaben der Strukturpolitik im Land zu fassen, weitgehend aufgegeben; die Verschärfung
der Absatzprobleme im Bergbau ab dem zweiten Halbjahr des Jahres 1966
bot aber der sowohl im Bund wie in den beiden von der Kohlekrise besonders betroffenen
Bundesländern in Opposition stehenden SPD die Möglichkeit, von einem
generellen Scheitern der CDU im Bereich der Energiepolitik zu sprechen.1'' Jedoch
14 LTDS, 5. WP, Abt. I, 5. Sitzung v. 7.10.65, S. 83. Vgl. hierzu die Beschlußfassung im Kabinett LASB
StK 1739, Kabinettsprotokoil v. 6.8.65.
15 LTDS, 5. WP, Abt. I, 4. Sitzung v. 23.7.65, S. 60.
16 LTDS, 5. WP, Abt. I, 5. Sitzung v. 7.10.65, S. 85.
17 LTDS, 5. WP, Abt. I, 7. Sitzung v. 23.10.65, S. 92ff.
18 Bereits in seiner Antwort auf die Regierungserklärung hatte Kurt Conrad die seiner Einschätzung nach
negative Rolle des Bundes in der Finanz- und Sozialpolitik betont, LTDS, 5. WP, Abt. 1, 4. Sitzung v.
23.7.65, S. 31, und auch der in der Regierungserklärung angekündigten längerfristigen Landesplanung,
die mittlerweile als „Röderplan“ bezeichnet wurde, räumte Friedrich Regitz ebenso wenig Chance auf
Verwirklichung ein wie dem Erhardschen Konzept der „formierten Gesellschaft“, vgl. LTDS, 5. WP, Abt.
1, 98. Sitzung v. 19.11.65, S. 127.
19 „Nach sieben Jahren Kohlekrise hat die Bundesregierung immernoch keinen energiepolitischen Plan“,
so Manfred Zeiner (SPD) in: LTDS, 5. WP, Abt. 1, 12. Sitzung v. 3.2.66, S. 217.
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