Full text : Das Saarland im doppelten Strukturwandel 1956 - 1970

nungsunterschiede  bestanden,  die  sich  an  die  früheren  Konfliktlinien  in  der  Auseinandersetzung
  um  die  Bedeutung  der  Stadt  Saarbrücken  anlehnten.
1.3 Zusammenfassung
Die  Wirtschaftskrise  der  Jahre  1966/67  markierte  den  tiefsten  Einschnitt  in  der
wirtschaftlichen  Entwicklung  des  Saarlandes  in  der  Nachkriegszeit.  Sie  kann  als
regionale  Wirtschaftskrise  verstanden  werden,  insofern  sie  eine  Reihe  von  Strukturelementen
  deutlich  werden  ließ.  Die  fortschreitende  Schwächung  der  immer  noch
stark  übergewichteten  Steinkohlenwirtschaft  ließ  die  negativen  Auswirkungen  der
gesamtwirtschaftlichen  Konjunkturabschwächung  im  Saarland  früher  und  intensiver
eintreten.  Innerhalb  des  Bundeslandes  trat  dadurch  die  bereits  zu  Anfang  der  60er
Jahre  befürchtete  Existenzbedrohung  der  stark  montanindustriell  geprägten  Landkreise
  ein.  Diese  Gebiete  profitierten  auch  von  der  konjunkturellen  Erholung  am
Ende  der  Krise  erst  verzögert  und  nur  relativ  schwach.  In  der  Krise  wurden  aber  auch
Resultate  der  Strukturverbesserung  der  vergangenen  Jahre  deutlich.  Diejenigen
Branchen,  die  in  der  Vergangenheit  auch  Gegenstand  staatlicher  Förderpolitik  gewesen
  waren,  wurden  ihrer  erhofften  Rolle  bei  der  Absicherung  der  Saarwirtschaft
gegen  konjunkturelle  Schwankungen  zumindest  teilweise  gerecht,  und  die  in  der
Vergangenheit  neu  angesiedelten  Betriebe  wiesen  relativ  früh  den  Weg  aus  der  Krise.
Um  so  mehr  verschärft  sich  dadurch  das  Problem  des  innerregionalen  Ausgleichs.
Bereits  früher  ausgeglichener  strukturierte  Gebiete  am  Rand  der  Verdichtungszone
erwiesen  sich  als  auf  die  Zukunft  besser  vorbereitet,  die  ländlichen  Gebiete  hatten
ihre  Stellung  nur  teilweise  verbessert,  in  der  Verdichtungszone  des  südlichen  Saarlandes
  intensivierte  sich  der  Strukturwandel  und  für  die  östlichen  Montankreise
deutete  sich  eine  Zukunft  als  Problemzone  an.
In  unmittelbarem  zeitlichen  Zusammenhang  mit  der  regionalen  Wirtschaftskrise
erfolgte  eine  grundsätzliche  Neuorientierung  in  der  Landespolitik,  in  der  -  basierend
auf  dem  Saar-Memorandum  von  1967  -  mit  dem  Strukturprogramm  Saar  und  dem
Aktionsprogramm  Saar-Westpfalz  eine  elaborierte  regionalpolitische  Programmatik
erarbeitet  werden  konnte.150 151  Dies  stellt  einen  wesentlichen  Unterschied  zur  Stagnationskrise
  der  frühen  60er  Jahre  dar.  Ganz  im  Gegensatz  zur  damaligen  Situation
fanden  in  der  zweiten  Phase  des  saarländischen  Gutachterstreits  einige  seiner  Grundgedanken
  schnell  Aufnahme  in  die  Landespolitik.  Dabei  wurden  Einzelforderungen
nach  Hilfs-  und  Fördermaßnahmen  in  eine  umfassende  regionalpolitische  Programmatik
  eingebunden  und  auch  weitgehend  gegenüber  dem  Bund  durchgesetzt,  so  daß
bis  1969  auch  die  Bereitstellung  von  Finanzmitteln  in  erheblichem  Umfang  erfolgte.
Ein  sehr  wichtiges  politisches  Instrument  in  diesem  Prozeß  stellte  die  strenge  Ausrichtung
  der  Landespolitik  auf  das  Wachstumsziel  dar,  eine  Ausrichtung,  die  erstmals
im  Saar-Memorandum  vorgenommen  wurde.1'1  Diese  Ausrichtung  kann  als  Ausdruck
150  Wilfried  Loth  glaubt,  darin  den  Beginn  der  Modernisierung  der  Landespolitik  im  Saarland  erkennen  zu
können,  vgl.  Loth,  Vertracktes  Gelände,  S.  119.
151  Den  Umschlag  der  Regionalpolitik  zur  regionalen  Wachstumspolitik  im  Zuge  der  Krise  analysiert  Väth,

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