Full text : Das Saarland im doppelten Strukturwandel 1956 - 1970

daher  ohne  den  flächendeckenden  Einsatz  von  direkten  Subventionen  erzielt  werden
könnten.144
Einen  weiteren  zentralen  Punkt  der  Argumentation  im  Strukturprogramm  stellte  die
grenzüberschreitende  Zusammenarbeit  dar.  Anders  als  im  Saar-Memorandum,  wo  die
Grenzlage  des  Saarlandes  praktisch  ausschließlich  als  Standortproblem  und  als
Benachteiligung  durch  Eördermaßnahmen  zugunsten  unmittelbarer  Konkurrenten
dargestellt  wurde,  fand  die  Möglichkeit  einer  grenzüberschreitenden  Vernetzung  im
Strukturprogramm  eine  positive  Würdigung  als  ein  entscheidendes  regionales  Entwicklungspotential,
  auf  dessen  Nutzung  sich  die  Regionalpolitik  auch  bei  der  Ansiedlung
  von  neuen  Betrieben  konzentrieren  müsse.14"'  Ebenso  deutlich  wurde  aber  auch
formuliert,  daß  das  Gros  dieser  zusätzlich  zu  fördernden  Neuansiedlungen  innerhalb
der  industriellen  Verdichtungszone  zu  planen  sei.  Im  Kontrast  zum  Saar-Memorandum,
  das  in  Tradition  der  bisherigen  Politik  eine  „verstärkte  Industrialisierung  in
den  Randgebieten“  einforderte,  sollten  nun  80%  der  zusätzlichen  Industriearbeitsplätze
  „im  Verdichtungsraum“  entstehen.146
Auch  das  Aktionsprogramm  Saar-Westpfalz,14  das  die  im  Zuge  der  Neufassung  der
Regionalpolitik  in  der  Bundesrepublik  vereinbarten  Fördermaßnahmen  für  das
Saarland  festschrieb,  bekannte  sich  zu  dem  Ziel  der  Schaffung  von  100.000  neuen
Arbeitsplätzen.  Das  Programm  widmete  vor  allem  der  Ansiedlungsförderung  bzw.
der  Förderung  von  Modernisierungs-  und  Rationalisierungsmaßnahmen  in  bestehenden
  Unternehmen  seine  Aufmerksamkeit.  Dazu  wurde  ein  nach  einzelnen  Fördergebieten
  differenziertes  System  von  an  Unternehmen  auszuzahlenden  Subventionen
eingerichtet.  Aussagen  über  die  für  die  Zukunft  angestrebte  Branchenstruktur  fehlten
dagegen  vollständig.  Vielmehr  wurde  als  Grundgedanke  formuliert,  daß  die  „Verwirklichung
  dieses  Programms  ...  automatisch  zu  der  wünschenswerten  Veränderung
in  der  sektoralen  Zusammensetzung  der  saarländischen  Industrie  führen“  werde.  Statt
dessen  wurde  als  eines  der  wichtigsten  Arbeitsgebiete  einer  zukunftsorientierten
Politik  der  Mangel  an  zur  Ansiedlung  von  Industriebetrieben  geeigneten  Flächen
angesehen.  Daher  wurden  auch  in  großem  Umfang  Fördermittel  zur  Erschließung  von
neuen  Industrie-  und  Gewerbeflächen  bereitgestellt.148  So  sollte  der  erwartete  Fehl-144
  Ebd.,  S.  5.  Die  Alternative  II  sah  die  geringste  Gesamt-Förderhöhe  vor,  rechnete  aber  damit,  das  ohne
weitere  Fördermaßnahmen  absehbare  dramatische  Schrumpfen  des  Montansektors  vollständig  durch  neu
anzusiedelnde  Unternehmen  abfedern  zu  müssen.  Dies  hätte  erhebliche  Subventionen  zur  AnsiedlungstÖrderung
  in  Höhe  von  820  Mio.  DM  (bis  1980),  mithin  mehr  als  das  Doppelte  der  für  Alternative  la  angesetzten
  Summe  erfordert,  ebd.,  S.  65.
145  Regierung  des  Saarlandes  (Hg.),  Saarland,  S.  38;  Bichl  u.a.,  Strukturprogramm  Saar,  u.a.  S.  23ff.
146  Regierung  des  Saarlandes  (Hg.),  Saarland,  S.  47;  das  Strukturprogramm  leitete  dieses  Prinzip  aus  der
aus  dem  Saar-Memorandum  übernommenen  Wachstumsorientierung  ab:  „Die  innersaarländische  Raumordnungspolitik
  muß  ...  primär  wachstumsorientiert  sein.  ...  Die  Priorität  bei  der  Förderpolitik  sollte  der
Verdichtungsraum  (primärer  Förderraum)  erhalten“,  Biehl  u.a.,  Strukturprogramm  Saar,  S.  27.
14  Regierung  des  Saarlandes  (Hg.),  Aktionsprogramm  Saarland-Westpfalz,  Saarbrücken  1969.
I4X  Das  Programm  sah  den  Einsatz  von  1.078,8  Mio.  DM  durch  den  Bund,  das  Land,  die  Kreditanstalt  für
Wiederaufbau  und  die  Bundesanstalt  für  Arbeitslosenversicherung  und  Arbeitslosenvermittlung  vor.  Diese
Mittel  waren  zu  ca.  80%  als  Zuschüsse  und  nur  zum  geringeren  Teil  als  Darlehen  veranschlagt,  vgl.

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