Beziehungen standen Empfehlungen über die Weiterentwicklung der Wirtschaftspolitik
des Landes oder gar ein völliges Offenhalten dieser Frage gegenüber.
Diese grundlegenden Defizite glich auch das Saar-Memorandum der Landesregierung
nicht aus. Zwar wurden darin unter der Überschrift „Zur künftigen Entwicklung der
Saarwirtschaft“ zwar fast alle Gutachten aufgezählt; bis auf die Begründung der
daran anschließend vorgenommenen eigenen Prognose der zukünftigen Beschäftigungsstruktur
verzichtete aber dieses - kürzeste - Kapitel im Memorandum genau wie
die anderen Teile auf eine Exegese der Arbeiten. Insbesondere der programmatische
letzte Teil („Zur künftigen Standortentwicklung“) wurde ohne expliziten Bezug zu
den Gutachten formuliert.137 Statt dessen griff der Text mit seiner ausführlichen
Darstellung der historischen Wurzeln der aktuellen Situation138 * - ähnlich wie die
Gutachter - primär das Ausgleichsziel als Priorität von Regionalpolitik auf. Praktisch
ausgeblendet wurden dagegen die institutionell-gesetzgeberischen Aspekte der
Strukturpolitik, und zwar insbesondere die koordinierende und integrierende Funktion
des Landes bei der Zusammenarbeit der Kommunen. Die Landesregierung gestattete
in diesem Memorandum keinen Einblick in den inneren Zusammenhang ihrer
Strukturpolitik, sondern bemühte sich, diese als administrative Umsetzung gesetzlicher
oder sonstiger verbindlicher Regelungen zu erklären. Dagegen manifestiert sich
insbesondere im letzten Teil des Memorandums in den Kapiteln „Zur künftigen
Entwicklung der Saarwirtschaft“ und „Zur künftigen Standortentwicklung“ eine
bemerkenswerte Ausrichtung auf das Wachstumsziel. Hierzu wurde ein Katalog
umfangreicher und direkt wirksamer Hilfen des Bundes für die Schaffung neuer
Arbeitsplätze eingefordert.1
Dieser Teil markiert insofern die zentrale Stelle des Memorandums, weil hier der
konzeptionelle Bruch in der Argumentation der Landesregierung besonders deutlich
wurde. Als Ziel der Regionalpolitik wurde die Schaffung von 50.000-55.000 Arbeitsplätzen
in der Industrie bis zum Jahr 1980 definiert. Zur Begründung für den in dieser
Größenordnung anzusetzenden Fehlbestand an Arbeitsplätzen wurde aber nicht mehr
die historische Benachteiligung der Saarwirtschaft angeführt, sondern daß „die
Erfahrungen der vergangenen Jahre“ gezeigt hätten, daß die „notwendige Umstrukturierung“
der Saarwirtschaft durch die bislang etablierten Fördermaßnahmen nicht in
der notwendigen Geschwindigkeit vorgenommen werden konnte. Zudem wurde der
Gedanke formuliert, daß die meisten anderen Bundesländer aufgrund ihrer besseren
Finanzausstattung längst bereits Förderprogramme haben etablieren können, durch
15 Regierung des Saarlandes (Hg.), Saarland, S. 43 und S. 491T.
138 Ebd., S. 14-40.
09 Ebd., S. 43-62. Fritz W. Scharpf u. Fritz Schnabel, Steuerungsprobleme der Raumplanung, in: Wolfgang
Bruder u. Thomas Ellwein (Hgg.), Raumordnung und staatliche Steuerungsfähigkeit, Opladen 1979
(= PVS Sonderheft 10), S. 12-57, hier: S. 43, beobachten, da!3 die Länder dazu neigen, Zielkonflikte in
ihrer Programmatik durch rein additives Nebeneinanderstellen von Forderungen zu überspielen. Dem
Rekurs auf das Wachstumsziel könnte demnach die von Scharpfund Schnabel an gleicher Stelle formulierte
„Flucht in den Optimismus“ entsprechen.
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