ausgelösten Ansiedlungsbooms eintretende Stagnation bei den Ansiedlungserfolgen,
die im Gegensatz zum Rest der Bundesrepublik selbst im Zwischenboom der Jahre
1964/65 kaum noch positive Impulse erfuhr - übrigens ein weiterer Beleg für die
schwache Partizipation der ungünstig strukturierten Region an nationalen Aufschwungtendenzen.
1(11 Andererseits wurde aber auch klar, daß die angestrebte Konzentration
der Förderpolitik auf Räume außerhalb der bestehenden Verdichtungsräume
offenbar erreicht worden war. Besonders stark profitierten vor allem die
Landkreise St. Wendel, Saarlouis und Homburg von den neu angesiedelten Betrieben,
von den Stillegungen von Betrieben waren dagegen besonders die alten Industrieverdichtungszonen
des Kreises Ottweiler, des Gebiets um Saarbrücken, aber auch
Teile des Landkreises Homburg betroffen.101 102
Bis zum Jahr 1973 hatte sich diese Entwicklung soweit herauskristallisiert, daß eine
Analyse der Industrie- und Handelskammer die Landkreise Saarbrücken, Saarbrücken-Land
und Ottweiler eindeutig zu „Verlierern des Strukturwandels“ erklären
konnte.103 Dadurch wurde klar, daß die Industrieansiedlungen den negativen Effekt
des Strukturwandels im Landesdurchschnitt nicht nur nicht kompensieren konnten,
sondern daß von den strukturverbessernden Maßnahmen gerade die vorher bereits
ausgewogener strukturierten Kreise profitiert haben. Allerdings haben die Ansiedlungen
die frühere Verteilung in den alten Industriezonen nur zum Rand hin verschoben,
nicht völlig verlagert, besonders wenn man die über einen längeren Zeitraum
hinweg stabilen Betriebe betrachtet. Daher forderte man für die Zukunft eine
Abkehr von der flächendeckenden Förderung hin zu einer Förderung entlang der
Industrieachsen - und damit eine grundsätzliche Umkehr der Anfang der 60er Jahre
von der allgemeinen Wirtschaftspolitik entwickelten Förderkonzeption.104
101 Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung (Hg.), Die Standortwahl der Industriebetriebe in der
Bundesrepublik Deutschland und Berlin (West). Neuerrichtete, verlagerte und stillgelegte Industriebetriebe
in den Jahren 1970 und 1971, Bonn 1975, S. 18. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, daß tur die Jahre
1961 -1965 nicht zuletzt wegen der starken Ansiedlungskonjunktur ab 1964 von einer „flächenerfassenden
Industriedurchsetzung“ zu sprechen sei. An diesem Vorgang partizipierte das Saarland, das sich in dieser
Zeit, wie bereits analysiert, in einer Phase der grundlegenden Neuformulierung seiner Strukturpolitik durch
die allgemeine Wirtschaftspolitik befand, nur sehr schwach.
Bundesminister tur Arbeit und Sozialordnung (Hg.), Standortwahl 1955-1967, S. 88. Interessant ist
übrigens auch der dort vorgebrachte Hinweis, daß in den neu angesiedelten Betrieben im Saarland
ungewöhnlich viele Frauenarbeitsplätze geschaffen wurden, daß sich deren Übergewicht aber trotz der
insgesamt vergleichsweise stabilen Entwicklung der Unternehmen durch Stillegungen wieder zugunsten
der Männer abbaute. Eine namentliche Aufzählung neu angesiedelter Unternehmen liefert Wolf-Dieter
Kresse, Industrieansiedlungen 1968/69, in: Die Arbeitskammer. Zeitschrift der Arbeitskammer des
Saarlandes 18(1970), S. 39-41.
103 Industrie- und Handelskammer des Saarlandes (Hg.), Industrielle Entwicklung der saarländischen
Landkreise, Saarbrücken 1973, S. 10. Differenzierter hierzu auch: Franz-Josef Bade, Die Stellung des
Saarlandes im wirtschaftlichen Strukturwandel der Bundesrepublik Deutschland, in: Zeitschrift für
Wirtschaftsgeographie 34 (1990), S. 195-207. Bade interpretiert die mittelfristigen Folgen dieser Entwicklung
als Trend zur Suburbanisierung, betont aber die im Vergleich zu anderen Verdichtungszonen in den
70er Jahren relativ günstige Entwicklung des Saarbrücker Raumes.
104 Ebd., S. 17 und S. 24, vgl. auch: Karl Guckelmus, Gemeinden und Kreise konkurrieren um neue
Industrien, in: Die Arbeitskammer. Zeitschrift der Arbeitskammer des Saarlandes 17 (1969), S. 103-104,
309