Full text : Das Saarland im doppelten Strukturwandel 1956 - 1970

Baugewerbe  dar,  das  nach  Rückgängen  in  1969  im  Folgejahr  nur  sehr  schwach
expandieren  konnte  und  dabei  vor  allem  im  Bereich  der  öffentlichen  Auftraggeber
sogar  weitere  Rückgänge  zu  verzeichnen  hatte.  Die  Beschäftigungslage  zeigte  dagegen
  für  das  Saarland  insgesamt  einen  sprunghaften  Anstieg  auf  ca.  168.000,  also
auf  das  Niveau  von  1964.9  Dabei  wiesen  die  in  der  Vergangenheit  problematischen
Landkreise  eine  stabile  bzw.  leicht  positive  Entwicklung  auf,  während  die  restlichen
Kreise  sich  durchweg  günstig  entwickelten.* 98
Für  die  ganze  Periode  der  „goldenen“  60er  Jahre  kann  dementsprechend  festgestellt
werden,  daß  die  Saarindustrie  trotz  des  Aufschwungs  nach  der  Krise  der  Jahre
1966/67  mit  6000  Beschäftigten  3,4%  ihres  Anfangsbestandes  an  Industriebeschäftigten
  verloren  hatte,  wobei  besonders  der  Kreis  Ottweiler  mit  ca.  12.000  verlorenen
Arbeitsplätzen  (gegenüber  ca.  31.000  im  Jahr  I960)  heftig  in  Mitleidenschaft  gezogen
  wurde,  sich  zuletzt  aber  stabil  entwickelte.  Auch  der  Großraum  Saarbrücken
hatte  mit  reichlich  einem  Siebtel  des  Wertes  von  1960  gravierende  Einbußen  in  der
Industriebeschäftigung  zu  verzeichnen.  Die  Stadt  selber  wurde  dabei  -  nicht  zuletzt
durch  ihre  geringere  Partizipation  am  Aufschwung  zum  Ende  des  Jahrzehnts  -  noch
etwas  härter  getroffen  als  der  Landkreis."  Andererseits  hatte  sich  nach  der  Rezession
der  Jahre  1966/67  der  montanindustrielle  Kern  der  Saarwirtschaft  dem  Anschein  nach
stabilisiert,  ja  teilweise  sogar  Wachstumsfiinktionen  übernommen,  und  auch  die
Veränderung  der  Beschäftigungsstruktur,  in  der  der  Bergbau  im  Jahr  1969  nur  noch
17,7%  (anstatt  31,9%  in  1960),  die  Investitionsgüterindustrien  dagegen  29,2%
(18,6%)  der  Beschäftigten  stellten  gaben  Anlaß  zur  Hoffnung.  Schon  im  Jahr  1970
konnten  vor  allem  die  zwischenzeitlich  neu  angesiedelten  Betriebe  einen  erheblichen
Beitrag  zum  regionalen  Wirtschaftswachstum  liefern.
Gerade  dieser  Umstand  verweist  auf  einen  weiteren  interessanten  Aspekt  des  saarländischen
  Wegs  in  und  durch  die  Wirtschaftskrise.  Noch  aus  der  Perspektive  des  Jahres
1967  erweckte  die  Ansiedlung  von  neuen  Industriebetrieben  im  Saarland  den  Anschein,
  als  könne  dadurch  -  im  Gegensatz  zur  Ansiedlungsaktivität  in  anderen  Regionen
  -  „keine  nennenswerte“  Beeinflussung  der  Wirtschafts-  oder  Beschäftigungsstruktur
  erreicht  werden."“  Diese  Bewertung  des  Bundesministeriums  für  Arbeit  und
Sozialordnung  bezog  sich  auf  die  nach  dem  Ende  des  noch  durch  die  Übergangszeit

SiZ,  Sonderh.  75),  S.  17-19.
97  Die  Rede  war  von  einem  „Sonnenschein  auf  dem  Arbeitsmarkt“,  vgl.  Die  Saarwirtschaft  1969.  Vom
Boom  begünstigt,  in:  Die  Arbeitskammer.  Zeitschrift  der  Arbeitskammer  des  Saarlandes  18  {1970),  S.  1  -6,
hier:  S.  1.
98  Landesbank  und  Girozentrale  Saar  (Hg.),  Wirtschaftsberichte  1971,  Saarbrücken  1971,  H.  1,  erkennt
rückblickend  auf  das  Jahr  1970  eine  Stabilisierung  der  günstigen  Entwicklung  und  fragt  in  H.  6  im
Hinblick  auf  die  Verschiebung  in  der  sektoralen  Verteilung:  „Die  Investitionsgüterindustrie  auf  dem  Wege
zur  bedeutendsten  Industriegruppe  des  Saarlandes?“.
14  Vgl.  hierzu  die  tabellarische  Zusammenstellung  in:  ebd„  S.  30f.
1011  Bundesministerium  für  Arbeit  und  Sozialordnung  (Hg.),  Verlagerte,  neuerrichtete  und  stillgelegte
Industriebetriebe  im  Jahre  1966.  Zwischenbericht  Uber  die  Standortwahl  der  Industriebetriebe  in  der
Bundesrepublik  Deutschland,  Bonn  1967,  S.  28.

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