Full text : Das Saarland im doppelten Strukturwandel 1956 - 1970

len  Beschäftigungsentwicklung.*8  Zwar  ftihrte  schon  der  Rückgang  der  Industriebeschäftigung
  im  Jahr  1966  auf  insgesamt  167.747  Beschäftigte  unter  das  bereits
1964  erreichte  Niveau  zurück,  er  traf  jedoch  vor  allem  die  Stadt  Saarbrücken  sowie
die  Landkreise  Ottweiler  und  Saarbrücken-Land.  Der  Kreis  St.  Ingbert  büßte  praktisch
  nur  seine  Fortschritte  des  Jahres  1965  ein,  die  anderen  Kreise  entwickelten  sich
weitgehend  stabil.  Noch  deutlicher  wird  dies  beim  Vergleich  der  geleisteten  Arbeitsstunden,
  bei  denen  vor  allem  in  den  Kreisen  Saarlouis,  St.  Wendel  und  Merzig-Wadern
  sogar  ein  Zuwachs  gegenüber  1964  festzustellen  ist,  was  nicht  zuletzt
einen  der  Gründe  für  die  nach  1965  zunächst  noch  ansteigende  Brutto-Lohnsumme
darstellt.
Erst  der  im  Jahr  1967  eintretende  dramatische  Einbruch  der  Gesamtbeschäftigung  um
mehr  als  13.000  Beschäftigte  (ca.  8%)  wirkte  sich  kreisübergreifend  im  ganzen
Saarland  aus.81'  Die  Beschäftigung  fiel  mit  ca.  154.000  Industriebeschäftigten  praktisch
  schlagartig  auf  das  Niveau  von  1954  zurück.  Zwar  war  damit  das  Minimum
noch  nicht  erreicht  -  im  Jahr  1968  verringerte  sich  die  Zahl  der  Industriebeschäftigten
um  weitere  3000  Personen  -,  die  regionale  Verteilung  folgte  jedoch  nach  1967  sehr
schnell  wieder  dem  alten  Muster:  Während  Saarbrücken,  Ottweiler  und  St.  Ingbert
weitere  Arbeitsplätze  verloren,  verhielt  sich  sogar  Saarbrücken-Land  stagnierend.  Die
anderen  Landkreise  hatten  dagegen  schon  wieder  Zuwächse  zu  verzeichnen.1"1  Diese
Entwicklung  deutet  auf  die  Struktur  des  zaghaften  Wieder  Ingangsetzens  der  saarländischen
  Wirtschaft,  die  von  weiter  rückläufigen  Zahlen  im  Bergbau  und  der  eisenschaffenden
  Industrie  geprägt  war,  während  andere  Sektoren  sich  stabilisierten  oder
wie  die  Investitionsgüterindustrie  zu  einem  Wachstumspfad  zurückfanden.yi  Eine
durchaus  ähnliche  Tendenz  zeigt  die  Zahl  der  geleisteten  Arbeitsstunden.  Hatte  sich
der  Einbruch  des  Jahres  1  967  in  dieser  Variablen  besonders  deutlich  gezeigt  -  der

88  Vgl.  hierzu  auch  Peter  Springer,  Das  Sozialprodukt  der  saarländischen  Kreise,  in:  Die  Arbeitskammer.
Zeitschrift  der  Arbeitskammer  des  Saarlandes  14  (1966),  S.  36-39,  mit  sehr  instruktiven  Vergleichen  des
Bruttosozialprodukts  auf  Landkreisebene.  Allerdings  ist  das  hier  gewählte  Verfahren  insofern  methodisch
problematisch,  als  das  Bruttosozialprodukt  als  sehr  stark  aggregierte  Variable  ohnehin  nur  indirekt
Aufschluß  über  wirtschaftliche  Aktivitäten  erlaubt  und  zudem  kleinräumige  und  zeitlich  schnell  aufeinander
  folgende  Veränderungen  nur  unzureichend  abbildet.
89  Vgl.  Karl  Guckelmus,  Die  Saarindustrie  in  der  Talfahrt.  Die  Arbeitnehmer  sind  von  der  Rezession  am
stärksten  betroffen,  in:  Die  Arbeitskammer.  Zeitschrift  der  Arbeitskammer  des  Saarlandes  15  (1967),
S.  289-292.
90  Vgl.  hierzu:  Stat.  Amt  d.  Saarl.  (Hg.),  Die  saarländische  Industrie  im  Jahre  1968,  Saarbrücken  1969  (=SiZ,
  Sonderh.  62),  S.  20,  sowie  den  BSP-Vergleich  auf  Landkreisebene  in:  Zur  wirtschaftlichen  und
sozialen  Lage  im  Saarland,  in:  Die  Arbeitskammer.  Zeitschrift  der  Arbeitskammer  des  Saarlandes  15
(1967),  S.  65-73.
91  Vgl.  ebd.,  S.  12ff.  Interessanterweise  liegt  in  der  Berichterstattung  des  Statistischen  Landesamtes
insofern  ein  Bruch,  als  auf  den  Abdruck  von  in  den  Vorjahren  in  einem  „Allgemeinen  Überblick“  präsentierten
  Analysen  der  Wirtschaftsentwicklung  verzichtet  wurde.  In  den  folgenden  Heften  wurde  dieser  Teil
zwar  wieder  eingefuhrt,  aber  in  Umfang  und  Analysetiefe  deutlich  reduziert.  Daher  müssen  die  Aussagen
zur  sektoralen  Entwicklung  der  Saarwirtschaft  hier  aus  dem  Tabellenteil  einzeln  extrahiert  werden.  Ob
dieser  Bruch  im  Zusammenhang  mit  den  vor  allem  für  das  Jahr  1967  besonders  dramatischen  Krisenschilderungen
  zu  sehen  ist,  konnte  nicht  geklärt  werden.

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