saarländischen Industrie nur noch 2,7%. Gleichzeitig deutete sich anhand der
schrumpfenden Auftragsbestände eine weiterhin negative Tendenz an.7
Die Phase des konjunkturellen Aufschwungs zur Mitte des Jahrzehnts erlaubt einige
weiterführende Folgerungen: Zunächst ist festzustellen, daß der Aufschwung zwar im
Vergleich zu den Vorjahren recht kräftig ausfiel, daß aber die Wachstumsraten der
letzten Periode in der Übergangszeit deutlich unterschritten wurden. Außerdem war
die Wachstumsphase im Vergleich zu vorherigen konjunkturellen Zyklen deutlich
verkürzt. Weiterhin gestalteten sich die Effekte der einzelnen Sektoren nun anders.
Während der Bergbau unbeeindruckt von der allgemein günstigen Entwicklung seine
klar negative Tendenz fortsetzte, entfaltete der Bereich Eisen und Stahl im Montankern
eine stabilisierende Wirkung. Hinzu trat zwar die - von der Regionalpolitik
der späten 50er und frühen 60er Jahre erhoffte - positive Wirkung anderer Industriegruppen,
insbesondere der Investitionsgüterindustrie bzw. der verarbeitendenden
Industrie; deren z.T. in direktem Zusammenhang zur stabilen Entwicklung im Stahlbereich
stehenden Impulse wurden jedoch zunehmend vom Abwärtstrend des Montankerns
überkompensiert. s Deutlich sichtbar wurde diese zunehmende Verschärfung
der strukturellen Probleme der Saarwirtschaft an der Beschäftigungsentwicklung.
Zwar erzeugte auch der Arbeitsplatzabbau im Bergbau, der sogar auf dem Höhepunkt
des Booms zu einer Verringerung der Beschäftigtenzahlen in diesem Sektor um mehr
als 2000 führte, keine Arbeitslosigkeit, allerdings konnte die Gesamtbeschäftigung in
der Region kaum gesteigert werden; der recht hohe Zuwachs der Brutto-Lohn- und
-gehaltssummen täuscht darüber hinweg, daß 1965 im Vergleich zum Vorjahr in der
saarländischen Industrie insgesamt weniger Arbeitsstunden geleistet wurden.
Die Bedeutung dieser Tendenzen wird im Zusammenhang mit einem Vergleich der
Sozialprodukte in der Bundesrepublik und im Saarland deutlich.71' Insgesamt blieb
das Saarland mit seinen Wachstumsraten bis zur Mitte der 60er Jahre stets hinter dem
Bundesdurchschnitt zurück. Aus der Perspektive der Boomjahre 1964/65 betrachtet,
stellt dies aber nun gerade keine Abkoppelung vom Bundestrend dar, sondern vielmehr
eine engere Ankoppelung.8" Die früher mitunter eintretenden Sondereinflüsse,
die - neben ihrer manchmal auch negativen Beeinflussung des Wachstums - wenigstens
teilweise einen Ausgleich ungünstiger Einflüsse aus Deutschland hatten be-7
„Deutliche Belebung in der saarländischen Investitionsgüterindustrie“, Landesbank und Girozentrale
Saar (Hg.), Wirtschaftsberichte 1966, Saarbrücken 1966, H. 3.
78 Trotzdem wurde noch bis zur Jahresmitte 1965 die Entwicklung im Zwischenboom sehr positiv beurteilt:
Landesbank und Girozentrale Saar (Hg.), Wirtschaftsberichte 1965, Saarbrücken 1965, H. 6, titelte mit:
„Die wirtschaftliche Zukunft des Saarlandes hat begonnen“ - und spielte damit auf die konjunkturelle
Erholung im Vorjahr und den relativen Erfolg der Eisen- und Stahlindustrie sowie der neu angesiedelten
Unternehmen an, vgl. auch ebd., H. 1.
79 Vgl. hierzu die Darstellung in: Stat. Amt d. Saarl. (Hg.), Sozialprodukt des Saarlandes 1960 bis 1964,
Saarbrücken 1965 (= SiZ, Sonderh. 35), und Statistisches Amt des Saarlandes (Hg.), Sozialprodukt des
Saarlandes. Landeswerte 1960 bis 1965, Kreiswerte 1961 und 1964, Saarbrücken 1967 (= SiZ, Sonderh.
43).
80 Ganz anders hierzu Roesler, Rückgliederung, S. 456.
301