Daten schwierig.'4 Die durchweg günstige Entwicklung in bestimmten Bereichen
wurde weitgehend von der ungünstigen Entwicklung im Bergbau kompensiert, da
dessen Strukturgewicht in der Industriestruktur des Bundeslandes trotz der Rückführungsmaßnahmen
der Vergangenheit immer noch außerordentlich hoch war.
Eine weitere Besonderheit zeigte sich in der Auswirkung des Aufschwungs auf die
Beschäftigungslage: Während die Gesamtumsätze der Industrie sich um nicht weniger
als 8% auf 5,4 Mrd. DM erhöhten, stieg die Zahl der Beschäftigten gegenüber
dem Vorjahr nur um 188 auf 168.663 - mithin um wenig mehr als 0,1%. Dabei war
zudem eine regionale Verschiebung zu beobachten. Während die Stadt und vor allem
der Landkreis Saarbrücken insgesamt mehr als 2000 Arbeitsplätze verloren, bauten
die restlichen Kreise, mit Ausnahme des praktisch stagnierenden Kreises St. Ingbert,
ihr Arbeitsplatzangebot aus.* 75 Die Uneinheitlichkeit in der Beschäftigungsentwicklung
setzte sich auch im Folgejahr fort. Von dem nun etwas stärkeren Anstieg der
Beschäftigung um ca. 2000 Beschäftigte profitierten erneut die stark montanindustriell
geprägten Kreise Saarbrücken-Land und Ottweiler sow'ie die Landeshauptstadt
nur geringfügig. Vor allem war die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden in diesen
Kreisen trotz der stabilen bzw. leicht positiven Beschäftigungsentwicklung teilweise
sogar stark rückläufig. Aus dieser Sonderentwicklung, von der die Stadt Saarbrücken
übrigens nicht betroffen war, erklärt sich dann auch das Zurückbleiben dieses Wertes
auf Landesebene.76
Klarer dagegen stellt sich die konjunkturelle Lage der Saarindustrie dar. Die neuerliche
Verschärfung der Absatzprobleme bei den Saarbergwerken, die nur teilweise
über die Rücknahme der Förderung ausgeglichen wurde und zu erheblichen Aufhaldungen
führte, sowie das Abflauen der Nachfrage auf dem Stahlmarkt, die -
entgegen früherer Erfahrungen - nicht durch eine wachsende Nachfrage aus Frankreich
ausgeglichen wurde, kompensierten die immer noch recht günstige Entwicklung
in anderen Industriesektoren. Obwohl dort immer noch Produktionszunahmen von
teilweise mehr als 7% zu verzeichnen waren, betrug die Wachstumsrate der gesamten
4 Ein Teil der zeitgenössischen Beobachter glaubte, im Jahr 1964 eine Trendwende gegenüber der
Stagnationskrise beobachten zu können, was sich in Formeln wie „Erstmals hat das Saarland den Anschluß
gefunden“ niederschlug, vgl. Walter Gerisch, Die Saarwirtschafi im Jahre 1964, in: Die Arbeitskammer.
Zeitschrift der Arbeitskammer des Saarlandes 13 (1965), S. 10-12, hier: S. 10, ln Landesbank und
Girozentrale Saar (Hg.), Wirtschaftsberichte 1966, Saarbrücken 1966, H. 1, wurde das Jahr 1964 als
„erstes Normaljahr“ seit der Eingliederung bezeichnet, weil hier erstmals die Wachstumsraten von BRD
und Saarland sich einander annäherten.
75 Stat. Amt d. Saarl. (Hg.), Die saarländische Industrie im Jahre 1964, Saarbrücken 1965 (= SiZ, Sonderh.
33), S. 13. Der Bergbau alleine stellte mit ca. 41.000 Beschäftigten immer noch ein Viertel aller Industriebeschäftigten
im Saarland - und praktisch genauso viel wie die Investitionsgüterindustrien. Obwohl dabei
die Zahl der in der Investitionsgüterindustrie geleisteten Arbeitsstunden sogar etwas geringer ausfiel als
die im Bergbau, blieb deren Lohnsumme deutlich hinter der des Bergbaus zurück. Vgl. hierzu die Tabelle
ebd., S. 20 sowie S. 22.
76 Vgl. hierzu die tabellarische Übersicht in: Stat. Amt d. Saarl. (Hg.), Die saarländische Industrie im Jahre
1965, Saarbrücken 1966 (= SiZ, Sonderh. 38), S. 20.
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