Full text : Das Saarland im doppelten Strukturwandel 1956 - 1970

Daten  schwierig.'4  Die  durchweg  günstige  Entwicklung  in  bestimmten  Bereichen
wurde  weitgehend  von  der  ungünstigen  Entwicklung  im  Bergbau  kompensiert,  da
dessen  Strukturgewicht  in  der  Industriestruktur  des  Bundeslandes  trotz  der  Rückführungsmaßnahmen
  der  Vergangenheit  immer  noch  außerordentlich  hoch  war.
Eine  weitere  Besonderheit  zeigte  sich  in  der  Auswirkung  des  Aufschwungs  auf  die
Beschäftigungslage:  Während  die  Gesamtumsätze  der  Industrie  sich  um  nicht  weniger
  als  8%  auf  5,4  Mrd.  DM  erhöhten,  stieg  die  Zahl  der  Beschäftigten  gegenüber
dem  Vorjahr  nur  um  188  auf  168.663  -  mithin  um  wenig  mehr  als  0,1%.  Dabei  war
zudem  eine  regionale  Verschiebung  zu  beobachten.  Während  die  Stadt  und  vor  allem
der  Landkreis  Saarbrücken  insgesamt  mehr  als  2000  Arbeitsplätze  verloren,  bauten
die  restlichen  Kreise,  mit  Ausnahme  des  praktisch  stagnierenden  Kreises  St.  Ingbert,
ihr  Arbeitsplatzangebot  aus.* 75  Die  Uneinheitlichkeit  in  der  Beschäftigungsentwicklung
  setzte  sich  auch  im  Folgejahr  fort.  Von  dem  nun  etwas  stärkeren  Anstieg  der
Beschäftigung  um  ca.  2000  Beschäftigte  profitierten  erneut  die  stark  montanindustriell
  geprägten  Kreise  Saarbrücken-Land  und  Ottweiler  sow'ie  die  Landeshauptstadt
nur  geringfügig.  Vor  allem  war  die  Zahl  der  geleisteten  Arbeitsstunden  in  diesen
Kreisen  trotz  der  stabilen  bzw.  leicht  positiven  Beschäftigungsentwicklung  teilweise
sogar  stark  rückläufig.  Aus  dieser  Sonderentwicklung,  von  der  die  Stadt  Saarbrücken
übrigens  nicht  betroffen  war,  erklärt  sich  dann  auch  das  Zurückbleiben  dieses  Wertes
auf  Landesebene.76
Klarer  dagegen  stellt  sich  die  konjunkturelle  Lage  der  Saarindustrie  dar.  Die  neuerliche
  Verschärfung  der  Absatzprobleme  bei  den  Saarbergwerken,  die  nur  teilweise
über  die  Rücknahme  der  Förderung  ausgeglichen  wurde  und  zu  erheblichen  Aufhaldungen
  führte,  sowie  das  Abflauen  der  Nachfrage  auf  dem  Stahlmarkt,  die  -
entgegen  früherer  Erfahrungen  -  nicht  durch  eine  wachsende  Nachfrage  aus  Frankreich
  ausgeglichen  wurde,  kompensierten  die  immer  noch  recht  günstige  Entwicklung
in  anderen  Industriesektoren.  Obwohl  dort  immer  noch  Produktionszunahmen  von
teilweise  mehr  als  7%  zu  verzeichnen  waren,  betrug  die  Wachstumsrate  der  gesamten

4  Ein  Teil  der  zeitgenössischen  Beobachter  glaubte,  im  Jahr  1964  eine  Trendwende  gegenüber  der
Stagnationskrise  beobachten  zu  können,  was  sich  in  Formeln  wie  „Erstmals  hat  das  Saarland  den  Anschluß
gefunden“  niederschlug,  vgl.  Walter  Gerisch,  Die  Saarwirtschafi  im  Jahre  1964,  in:  Die  Arbeitskammer.
Zeitschrift  der  Arbeitskammer  des  Saarlandes  13  (1965),  S.  10-12,  hier:  S.  10,  ln  Landesbank  und
Girozentrale  Saar  (Hg.),  Wirtschaftsberichte  1966,  Saarbrücken  1966,  H.  1,  wurde  das  Jahr  1964  als
„erstes  Normaljahr“  seit  der  Eingliederung  bezeichnet,  weil  hier  erstmals  die  Wachstumsraten  von  BRD
und  Saarland  sich  einander  annäherten.
75  Stat.  Amt  d.  Saarl.  (Hg.),  Die  saarländische  Industrie  im  Jahre  1964,  Saarbrücken  1965  (=  SiZ,  Sonderh.
33),  S.  13.  Der  Bergbau  alleine  stellte  mit  ca.  41.000  Beschäftigten  immer  noch  ein  Viertel  aller  Industriebeschäftigten
  im  Saarland  -  und  praktisch  genauso  viel  wie  die  Investitionsgüterindustrien.  Obwohl  dabei
die  Zahl  der  in  der  Investitionsgüterindustrie  geleisteten  Arbeitsstunden  sogar  etwas  geringer  ausfiel  als
die  im  Bergbau,  blieb  deren  Lohnsumme  deutlich  hinter  der  des  Bergbaus  zurück.  Vgl.  hierzu  die  Tabelle
ebd.,  S.  20  sowie  S.  22.
76  Vgl.  hierzu  die  tabellarische  Übersicht  in:  Stat.  Amt  d.  Saarl.  (Hg.),  Die  saarländische  Industrie  im  Jahre
1965,  Saarbrücken  1966  (=  SiZ,  Sonderh.  38),  S.  20.

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