Full text : Das Saarland im doppelten Strukturwandel 1956 - 1970

Jahres-Indizes  der  industriellen  Nettoproduktion  im  Saarland

И  Gesamte  Industrie  —  —  —  Grundstoff-  und  Prod.-Güterind
Investitionsgüterind.  --  Bauhauptgewerbe
-  Bergbau
Index  1962  =  100.  Lesebeispiel:  Das  Bauhauptgewerbe  und  der  Bergbau  hatten  zur  Mitte  der  60er  Jahre
die  ungünstigste  Entwicklung  ihrer  Nettoproduktion  zu  verzeichnen.  Quelle:  Stat.  Amt  d.  Saarl.  (Hg.),
Industrie,  Bau,  Handwerk  und  Energiewirtschaft  im  Jahre  1970,  Saarbrücken  1971  (=  SiZ,  Sonderh.  75).
Beobachter  dieser  Behörde  deutlich,  daß  das  Schwergewicht  des  „in  diesem  Ausmaß
unerwarteten"1  Aufschwungs  primär  aus  dem  Erfolg  der  saarländischen  Eisen-  und
Stahlindustrie  zu  erklären  war.  Dagegen  verlor  die  Auslandsnachfrage  ihre  zuletzt  so
wichtige  stabilisierende  Wirkung,  während  die  gestiegene  Investitionsneigung  der
saarländischen  Investitionsgüterindustrie  neue  Impulse  verlieh.72  Nach  Sektoren
differenziert,  ergab  sich  somit  ein  ungleichmäßiges  Bild:  Während  der  Bergbau
weiterhin  seine  Förderung  massiv  reduzierte  und  bei  den  „Fremdabnehmern“  -  vor
allem  im  bundesdeutschen  Markt  -  neuerlich  Absatzeinbrüche  hinnehmen  mußte,73
entwickelte  sieh  die  weiterverarbeitende  Industrie  zunehmend  zur  Wachstumsbranche,
  deren  Zuwachsraten  im  Produktionsvolumen  von  7,4%  bzw.  im  Umsatz  von
11,5%  nur  noch  vom  um  15,4%  gestiegenen  Auftragsvolumen  übertroffen  wurden.
Dementsprechend  gestaltet  sich  die  Interpretation  der  auf  Landesebene  aggregierten

Stat.  Amt  d.  Saarl.  (Hg.),  Die  saarländische  Industrie  im  Jahre  1964,  Saarbrücken  1965  (=  SiZ,  Sonderh.
33),  S.  9f.  Vgl.  hierzu  auch  die  Einschätzung  in:  Landesbank  und  Girozentrale  Saar  (Hg.),  Wirtschaftsberichte
  1964,  Saarbrücken  1964,  H.  2,  in  der  die  Planungsschwierigkeiten  der  Stahlindustrie  angesichts
der  ungeklärten  Kanalfrage  betont  werden.  Allerdings  war  auch  nach  Einschätzung  der  Beobachter  der
LGS  die  Eisen-  und  Stahlindustrie  im  Begriff,  den  Bergbau  als  Leitsektor  abzulösen.
n  Evelyn  Kroker,  Zur  Entwicklung  des  Steinkohlenbergbaus  an  der  Ruhr  zwischen  1945  und  1980,  in:
Hohensee  u.  Salewski  (Hgg.),  Energie,  S.  75-88,  hier:  S.  86,  spricht  von  einer  zweiten  Phase  der  Kohlekrise,
  in  der  bereits  1965  nach  dem  „Jahrhundertwinter“  1962/63  das  Förderziel  von  140  Mio.  t  Jahresförderung
  nicht  mehr  gehalten  werden  konnte.  Vgl.  auch  Landesbank  und  Girozentrale  Saar  (Hg.),  Wirtschaftsberichte
  1964,  Saarbrücken  1964,  H.  1.

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