Full text : Das Saarland im doppelten Strukturwandel 1956 - 1970

Einige  Besonderheiten  sind  nur  im  Bereich  der  Nebenerwerbslandwirtschatt  festzustellen.
  Deren  Übergang  zur  Hobby-  und  Freizeitlandwirtschaft  verlief  mit  einer
eindeutig  benennbaren  räumlich-zeitlichen  Differenzierung.68  Im  Gegensatz  zur
unmittelbaren  Industriezone,  in  der  auch  die  Nebenerwerbslandwirtschatt  schon  viel
früher  stark  geschrumpft  war,  war  der  stärkste  Rückgang  der  Nebenerwerbslandwirtschaft
  im  mittleren  Saarland  (besonders  Saarlouis,  Merzig,  Ottweiler  und  St.  Wendel)
erst  ab  1960  zu  verzeichnen.  Im  nördlichen  Saarland  läßt  sich  sogar  ein  recht  enger
Zusammenhang  zwischen  diesem  Trend  und  dem  Ausbau  anderer  Wirtschaftssektoren
  feststellen.6l>  Während  somit  der  Strukturwandel  über  seine  Rückwirkungen  auf
die  Landwirtschaft  im  Bereich  der  ländlichen  Siedlungen  durchaus  typische  Probleme
hervorrief,11  war  die  ausgleichende  Wirkung  des  Agrarsektors  auf  durch  den  Strukturwandel
  ausgelöste  Schwankungen  der  regionalen  Wirtschaftsentwicklung  im  Saarland
  nicht  gegeben.  1
In  den  industriellen  Sektoren  zeigte  die  regionalwirtschaftliche  Entwicklung  im
Saarland  zur  Mitte  der  60er  Jahre  dagegen  zunächst  Parallelen  zur  Phase  zu  Ende  der
Übergangszeit.  Nach  der  Stagnationskrise  der  frühen  60er  Jahre  folgten  1964  und
1965  zwei  Jahre  der  Stabilisierung  bzw.  des  Wachstums,  auf  die  dann  -  ähnlich  wie
nach  1961  -  ein  konjunktureller  Einbruch  mit  fatalen  Ausw  irkungen  auf  die  Situation
der  Saarwirtschaft  eintrat.  Diese  Sichtweise  dominierte  auch  die  Berichterstattung  des
Statistischen  Landesamtes  des  Saarlandes,  das  den  Aufschwung  des  Jahres  1964
erstmals  als  rein  konjunkturell  bedingt  und  ohne  meßbare  Einwirkung  von  Sondereinflüssen
  aus  der  regionalen  Situation  kennzeichnete.  Allerdings  machten  auch  die

Landwirtschaft,  S.  45ff.  Einen  quantitativen  Zugang  zu  den  Ergebnissen  des  Strukturwandels  bietet  die
Publikation  Statistisches  Landesamt  des  Saarlandes  (Hg.),  EWG-Strukturerhebung  in  der  Landwirtschaft
1966/67.  Zusammenfassende  Darstellung  für  das  Saarland  (Ergebnisse  des  Programms  für  nationale
Zwecke),  Saarbrücken  1969  (=  SiZ,  Sonderh.  61).
68  Jutta  Müller,  Landwirtschaft,  S.  65ff.
69  In  den  Krisenjahren  1966/67  war  sogar  kurzfristig  ein  Rückgang  der  Sozialbrache  zu  verzeichnen,  vgl.
ebd.,  S.  135ff,  S.  146ff.,  S.  165ff.,  S.  179tT,  und  S.  204ff.  Isbary,  Probleme,  S.  74,  führt  den  Rückgang  der
Ziegenhaltung  in  bestimmten  Gemeinden  als  ein  Kriterium  zur  Abgrenzung  seines  „Halbring-Konzeptes“
ein.
70  Vgl.  hierzu  die  Fallstudie  von  Alois  Prediger,  Neuerung  und  Erhaltung  im  ländlichen  Raum
(1830-1970).  Eine  sozialgeographische  Untersuchung  im  Stadt-Umland-Bereich  westlich  von  Saarlouis,
Saarbrücken  1986  (=  Arbeiten  aus  dem  Geographischen  Institut  der  Universität  des  Saarlandes  30),  bes.
S.197ff.
71  Einen  Überblick  über  die  Landwirtschaft  in  der  strukturpolitischen  Debatte  der  70er  Jahre  mit  ausführlichen
  bibliographischen  Hinweisen  gibt  Heinrich  Niehaus,  Strukturwandel  und  Strukturpolitik.  Beiträge
zur  agrarischen  und  regionalen  Entwicklung  in  der  Bundesrepublik  Deutschland,  Bonn  1973.  Vgl.  hierzu
auch  die  vergleichende  Analyse  der  Strukturwandelvorgänge  der  späten  70er  und  der  80er  Jahre  bei  Alfred
Bures  u.  Volker  Schmidt,  Regionalwirtschaftliche  Arbeitsplatzdynamik  in  ländlich  geprägten  und  altindustriellen
  Regionen.  Fallstudien  Trier  und  Saarland,  in:  Informationen  zur  Raumentwicklung  H.  1  (1990),
S.  21-30.

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