Einige Besonderheiten sind nur im Bereich der Nebenerwerbslandwirtschatt festzustellen.
Deren Übergang zur Hobby- und Freizeitlandwirtschaft verlief mit einer
eindeutig benennbaren räumlich-zeitlichen Differenzierung.68 Im Gegensatz zur
unmittelbaren Industriezone, in der auch die Nebenerwerbslandwirtschatt schon viel
früher stark geschrumpft war, war der stärkste Rückgang der Nebenerwerbslandwirtschaft
im mittleren Saarland (besonders Saarlouis, Merzig, Ottweiler und St. Wendel)
erst ab 1960 zu verzeichnen. Im nördlichen Saarland läßt sich sogar ein recht enger
Zusammenhang zwischen diesem Trend und dem Ausbau anderer Wirtschaftssektoren
feststellen.6l> Während somit der Strukturwandel über seine Rückwirkungen auf
die Landwirtschaft im Bereich der ländlichen Siedlungen durchaus typische Probleme
hervorrief,11 war die ausgleichende Wirkung des Agrarsektors auf durch den Strukturwandel
ausgelöste Schwankungen der regionalen Wirtschaftsentwicklung im Saarland
nicht gegeben. 1
In den industriellen Sektoren zeigte die regionalwirtschaftliche Entwicklung im
Saarland zur Mitte der 60er Jahre dagegen zunächst Parallelen zur Phase zu Ende der
Übergangszeit. Nach der Stagnationskrise der frühen 60er Jahre folgten 1964 und
1965 zwei Jahre der Stabilisierung bzw. des Wachstums, auf die dann - ähnlich wie
nach 1961 - ein konjunktureller Einbruch mit fatalen Ausw irkungen auf die Situation
der Saarwirtschaft eintrat. Diese Sichtweise dominierte auch die Berichterstattung des
Statistischen Landesamtes des Saarlandes, das den Aufschwung des Jahres 1964
erstmals als rein konjunkturell bedingt und ohne meßbare Einwirkung von Sondereinflüssen
aus der regionalen Situation kennzeichnete. Allerdings machten auch die
Landwirtschaft, S. 45ff. Einen quantitativen Zugang zu den Ergebnissen des Strukturwandels bietet die
Publikation Statistisches Landesamt des Saarlandes (Hg.), EWG-Strukturerhebung in der Landwirtschaft
1966/67. Zusammenfassende Darstellung für das Saarland (Ergebnisse des Programms für nationale
Zwecke), Saarbrücken 1969 (= SiZ, Sonderh. 61).
68 Jutta Müller, Landwirtschaft, S. 65ff.
69 In den Krisenjahren 1966/67 war sogar kurzfristig ein Rückgang der Sozialbrache zu verzeichnen, vgl.
ebd., S. 135ff, S. 146ff., S. 165ff., S. 179tT, und S. 204ff. Isbary, Probleme, S. 74, führt den Rückgang der
Ziegenhaltung in bestimmten Gemeinden als ein Kriterium zur Abgrenzung seines „Halbring-Konzeptes“
ein.
70 Vgl. hierzu die Fallstudie von Alois Prediger, Neuerung und Erhaltung im ländlichen Raum
(1830-1970). Eine sozialgeographische Untersuchung im Stadt-Umland-Bereich westlich von Saarlouis,
Saarbrücken 1986 (= Arbeiten aus dem Geographischen Institut der Universität des Saarlandes 30), bes.
S.197ff.
71 Einen Überblick über die Landwirtschaft in der strukturpolitischen Debatte der 70er Jahre mit ausführlichen
bibliographischen Hinweisen gibt Heinrich Niehaus, Strukturwandel und Strukturpolitik. Beiträge
zur agrarischen und regionalen Entwicklung in der Bundesrepublik Deutschland, Bonn 1973. Vgl. hierzu
auch die vergleichende Analyse der Strukturwandelvorgänge der späten 70er und der 80er Jahre bei Alfred
Bures u. Volker Schmidt, Regionalwirtschaftliche Arbeitsplatzdynamik in ländlich geprägten und altindustriellen
Regionen. Fallstudien Trier und Saarland, in: Informationen zur Raumentwicklung H. 1 (1990),
S. 21-30.
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