politik der säkulare Trend zur Interregionalisierung bzw. sogar lnternationalisierung
der Industrie gegenüber.44 Dabei besteht ein schon in der Begrifflichkeit fassbarer
grundsätzlicher Widerspruch zwischen dem - ebenfalls zur Krisenüberwindung entworfenen
- Konzept der „Globalsteuerung“ und den Erfordernissen von Regionalpolitik.45
Dies schlug sich in der Bundesrepublik und in Frankreich in einer sehr speziellen
Ausgestaltung von regionalpolitischen Instrumenten ebenso wie in einer charakteristischen
Definition der raumordnerischen und landesplanerischen Ziele nieder. Der
französische Begriff von Planung bezog sich direkt und unmittelbar auf die Planung
finanzieller Interventionen des Staates. Insofern war Planung zwar fachlich und
fachübergreifend, aber keinesfalls unbedingt raumfüllend. Regionale Planung dagegen
war dann möglich, wenn der Staat auf Planungsanstrengungen verzichtete. Im
Gegensatz dazu beschrieb Planung in der Bundesrepublik gerade keine konkreten
Interventionen des Staates, sondern legte Prinzipien für die Nutzung des Raumes fest,
denen sich dann auch die öffentliche Hand zu beugen hatte. Ähnlich wie bei dem
Stellenwert der Planung als Zielsystem kann daher festgestellt werden: „La conception
française de l'aménagement du territoire se situe presque à l'opposé.“46 Daß zudem
die Einflußmöglichkeiten staatlicher Planung auf die Wirtschaft - im wesentlichen
Subventionen, Kredite und Kontrolle der Einhaltung von Vorgaben, aber gerade
keine „imperative“ Planung -47 kaum ausreichten, um die seit den Strukturkrisen der
60er Jahre zutage tretenden Probleme zu lösen, wird als wesentlicher Auslöser für die
Neufassung der Regionalpolitik in Frankreich nach den 70er Jahren angesehen.
Im deutsch-französischen Grenzraum beeinflußten diese nationalen Unterschiede in
der Regionalpolitik die jeweiligen lntegrationsprozesse der Teilregionen maßgeblich
und 1983 gelten; „Gewinner“ sind dagegen vor allem die ländlichen Räume, während sich die Agglomerationen
nur knapp unterdurchschnittlich entwickelten, vgl. ebd, S. 54.
44 Sehr präzise formuliert diesen Gedankengang Barbara Mettler-Meibom, Grundzüge einer regionalen
Regionalpolitik. Erfordernisse bei zunehmender Interregionalisierung und Internationalisierung der
Produktion, in: Informationen zur Raumentwicklung, H. 5 (1980), S. 273-282.
45 Zu einer sehr negativen Einschätzung des Zusammenhangs zwischen nationaler Konjunkturpolitik und
regionalen Entwicklungschancen v.a. strukturschwacher Gebiete kommt Karl Keinath, Regionale Aspekte
der Konjunkturpolitik. Ein Beitrag zum Problem der regionalen Differenzierung der Globalsteuerung,
Tübingen 1978, hier bes. S. 300: „Strukturschwache Regionen werden bei globalem Instrumenteneinsatz
im Vergleich zu strukturstarken Gebieten .benachteiligt1; es besteht eine generelle Asymmetrie der
Wirkungen expansiver Maßnahmen zwischen strukturschwachen und strukturstarken Regionen.“ Andererseits
sieht auch Keinath das Problem, daß eine zu starke Konzentration auf regionale Aspekte die Vorteile
einer auf „Globalsteuerung“ ausgerichteten Politik zugunsten eines „Interventionismus“ ausschaltet. Daher
plädiert auch er für das Primat einer nationalen Konjunkturpolitik, die aber regionale Aspekte - insbesondere
die Investitionstätigkeit der Gemeinden - ausreichend berücksichtigen sollte. Vgl. hierzu auch:
Knut Gerlach u. Peter Liepmann, Zur regionalpolitischen Förderungskonzeption in der Bundesrepublik
Deutschland, in: Archiv für Kommunalwissenschaft 12 (1973), S. 269-281.
46 Vgl. Marcou, Kistenmacher u. Clev, L'aménagement, S. 10; vgl. hierzu auch die Zusammenfassung der
Argumente in: Ammon, Fischer, Hickmann u. Stemmermann (Hgg.), Föderalismus.
47 Adolf Fritsch, Planifikation, S. 202.
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