Full text : Das Saarland im doppelten Strukturwandel 1956 - 1970

politik  der  säkulare  Trend  zur  Interregionalisierung  bzw.  sogar  lnternationalisierung
der  Industrie  gegenüber.44  Dabei  besteht  ein  schon  in  der  Begrifflichkeit  fassbarer
grundsätzlicher  Widerspruch  zwischen  dem  -  ebenfalls  zur  Krisenüberwindung  entworfenen
  -  Konzept  der  „Globalsteuerung“  und  den  Erfordernissen  von  Regionalpolitik.45

Dies  schlug  sich  in  der  Bundesrepublik  und  in  Frankreich  in  einer  sehr  speziellen
Ausgestaltung  von  regionalpolitischen  Instrumenten  ebenso  wie  in  einer  charakteristischen
  Definition  der  raumordnerischen  und  landesplanerischen  Ziele  nieder.  Der
französische  Begriff  von  Planung  bezog  sich  direkt  und  unmittelbar  auf  die  Planung
finanzieller  Interventionen  des  Staates.  Insofern  war  Planung  zwar  fachlich  und
fachübergreifend,  aber  keinesfalls  unbedingt  raumfüllend.  Regionale  Planung  dagegen
  war  dann  möglich,  wenn  der  Staat  auf  Planungsanstrengungen  verzichtete.  Im
Gegensatz  dazu  beschrieb  Planung  in  der  Bundesrepublik  gerade  keine  konkreten
Interventionen  des  Staates,  sondern  legte  Prinzipien  für  die  Nutzung  des  Raumes  fest,
denen  sich  dann  auch  die  öffentliche  Hand  zu  beugen  hatte.  Ähnlich  wie  bei  dem
Stellenwert  der  Planung  als  Zielsystem  kann  daher  festgestellt  werden:  „La  conception
  française  de  l'aménagement  du  territoire  se  situe  presque  à  l'opposé.“46  Daß  zudem
die  Einflußmöglichkeiten  staatlicher  Planung  auf  die  Wirtschaft  -  im  wesentlichen
Subventionen,  Kredite  und  Kontrolle  der  Einhaltung  von  Vorgaben,  aber  gerade
keine  „imperative“  Planung  -47  kaum  ausreichten,  um  die  seit  den  Strukturkrisen  der
60er  Jahre  zutage  tretenden  Probleme  zu  lösen,  wird  als  wesentlicher  Auslöser  für  die
Neufassung  der  Regionalpolitik  in  Frankreich  nach  den  70er  Jahren  angesehen.
Im  deutsch-französischen  Grenzraum  beeinflußten  diese  nationalen  Unterschiede  in
der  Regionalpolitik  die  jeweiligen  lntegrationsprozesse  der  Teilregionen  maßgeblich

und  1983  gelten;  „Gewinner“  sind  dagegen  vor  allem  die  ländlichen  Räume,  während  sich  die  Agglomerationen
  nur  knapp  unterdurchschnittlich  entwickelten,  vgl.  ebd,  S.  54.
44  Sehr  präzise  formuliert  diesen  Gedankengang  Barbara  Mettler-Meibom,  Grundzüge  einer  regionalen
Regionalpolitik.  Erfordernisse  bei  zunehmender  Interregionalisierung  und  Internationalisierung  der
Produktion,  in:  Informationen  zur  Raumentwicklung,  H.  5  (1980),  S.  273-282.
45  Zu  einer  sehr  negativen  Einschätzung  des  Zusammenhangs  zwischen  nationaler  Konjunkturpolitik  und
regionalen  Entwicklungschancen  v.a.  strukturschwacher  Gebiete  kommt  Karl  Keinath,  Regionale  Aspekte
der  Konjunkturpolitik.  Ein  Beitrag  zum  Problem  der  regionalen  Differenzierung  der  Globalsteuerung,
Tübingen  1978,  hier  bes.  S.  300:  „Strukturschwache  Regionen  werden  bei  globalem  Instrumenteneinsatz
im  Vergleich  zu  strukturstarken  Gebieten  .benachteiligt1;  es  besteht  eine  generelle  Asymmetrie  der
Wirkungen  expansiver  Maßnahmen  zwischen  strukturschwachen  und  strukturstarken  Regionen.“  Andererseits
  sieht  auch  Keinath  das  Problem,  daß  eine  zu  starke  Konzentration  auf  regionale  Aspekte  die  Vorteile
einer  auf  „Globalsteuerung“  ausgerichteten  Politik  zugunsten  eines  „Interventionismus“  ausschaltet.  Daher
plädiert  auch  er  für  das  Primat  einer  nationalen  Konjunkturpolitik,  die  aber  regionale  Aspekte  -  insbesondere
  die  Investitionstätigkeit  der  Gemeinden  -  ausreichend  berücksichtigen  sollte.  Vgl.  hierzu  auch:
Knut  Gerlach  u.  Peter  Liepmann,  Zur  regionalpolitischen  Förderungskonzeption  in  der  Bundesrepublik
Deutschland,  in:  Archiv  für  Kommunalwissenschaft  12  (1973),  S.  269-281.
46  Vgl.  Marcou,  Kistenmacher  u.  Clev,  L'aménagement,  S.  10;  vgl.  hierzu  auch  die  Zusammenfassung  der
Argumente  in:  Ammon,  Fischer,  Hickmann  u.  Stemmermann  (Hgg.),  Föderalismus.
47  Adolf  Fritsch,  Planifikation,  S.  202.

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