Full text : Das Saarland im doppelten Strukturwandel 1956 - 1970

dieser  Zeit,  genauso  aber  auch  später  im  Umfeld  regionalpolitisch  bedeutsamer
Ereignisse,  fand  eine  große  Zahl  an  Sitzungen  statt.  Dabei  wurden  in  vielen  Fällen
politische  Probleme  unmittelbar  im  Laufe  der  Beratungen  einer  Lösung  unterzogen.
Gemeinsam  mit  den  Resultaten  der  Wahlen  auf  Bundes-,  Landes-  und  kommunaler
Ebene  erlauben  die  parlamentarischen  Beratungen  aber  auch  eine  Analyse  des  kompetitiven
  Aspekts  der  politischen  Verarbeitung  struktureller  Probleme.  Die  Parlamentsprotokolle
  spiegeln  die  Erfordernis,  eine  angemessene  Struktur-  oder  Reformpolitik
  nicht  nur  zu  entwickeln,  sondern  spätestens  in  der  Konfrontation  mit  den
Wählern  auch  zu  „erklären“;  die  Wahlergebnisse  gewähren  so  Aufschluß  über  Erfolg
und  Mißerfolg  der  von  den  Parteien  entwickelten  Strategien.
Die  Anlage  der  Untersuchung  folgt  einem  chronologischen  Schema:  In  drei  Hauptkapiteln
  wird  zunächst  die  Phase  der  Eingliederung  im  engeren  Sinne,  dann  die
Stagnationskrise  der  ersten  Hälfte  der  60er  Jahre  und  schließlich  die  Zeit  der  Wirtschaftskrise
  und  ihrer  Überwindung  gegen  Ende  des  Jahrzehnts  untersucht.  Den  drei
Hauptkapiteln  liegt  dann  eine  sachliche  Gliederung  zugrunde.  Im  ersten  Hauptkapitel
wird  die  Lösung  der  Saarfrage  nach  einem  Mehr-Ebenen-Konzept  in  drei  Teilkapiteln
als  diplomatischer  Prozeß,  als  Verhandlungsgegenstand  zwischen  den  Regierungen
in  Saarbrücken  und  Bonn  und  schließlich  als  Gegenstand  saarländischer  Politik
analysiert.  Im  zweiten  Hauptkapitel  steht  zunächst  das  „Altem“  der  Industrieregion
im  Vordergrund.  Auf  der  methodischen  Ebene  ist  dabei  nach  Tauglichkeit  und
Erklärungskraft  dieses  Konzepts  zur  Analyse  des  ökonomischen  Anpassungsprozesses
  im  Saarland  während  der  Stagnationskrise  zu  fragen.  Des  weiteren  werden  Muster
der  Perzeption  wirtschaftsstruktureller  Probleme  und  ihre  frühe  Verarbeitung  auf
Landes-  und  kommunaler  Ebene  sowie  in  der  zeitgenössischen  wissenschaftlichen
Diskussion  analysiert.  Dies  fuhrt  im  zweiten  Teilkapitel  zur  Frage  nach  dem  Beitrag
der  Landespolitik  in  den  Kemfeldem  ihrer  politischen  Aktivitäten,  nämlich  der
Struktur-,  der  Kohle-  und  der  Verkehrspolitik.  Eher  theoretisch  ausgerichtet  sind  die
dann  folgenden  Erwägungen  zu  methodischen  Problemen  der  Bundeslandgeschichte
und  hierbei  insbesondere  dem  Problem  der  angemessenen  Beurteilung  des  Beitrags
der  Landespolitik  zur  politischen  Begleitung  wirtschaftstruktureller  Veränderungen.
Im  dritten  Hauptkapitel  wird  schließlich  nach  der  Bedeutung  der  Jahre  1966/67  als
Zeit  der  regionalen  Wirtschaftskrise  gefragt.  Gestützt  auf  eine  Analyse  der  ökonomischen
  Entwicklung  im  Saarland  während  der  Krise  werden  die  Prinzipien  der
Neufassung  regionaler  Politik  auf  Bundesebene  mit  den  in  der  wissenschaftlichen
Diskussion  über  das  Saarland  und  in  der  saarländischen  Politik  entwickelten  Konzepten
  kontrastiert.  Im  zweiten  Teil  des  dritten  Hauptkapitels  wird  die  Aufarbeitung  der
regionalen  Wirtschaftskrise  in  der  (partei-)politischen  Auseinandersetzung  um  die
Neufassung  der  Regionalpolitik  skizziert,  im  dritten  Teilkapitel  stehen  die  Schwierigkeiten
  bei  deren  konkreter  (reform-)politischer  Umsetzung  im  Vordergrund.  Zusammenfassungen
  jeweils  am  Ende  der  Kapitel  sollen  dem  eiligen  Leser  den  schnellen
  Zugang  zu  den  Ergebnissen  erleichtern.

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