Bundesland programmatisch gefaßte regionalpolitische Ansätze bereits seit den
frühen 50er Jahren verfolgte und wie sie dabei strukturpolitische Maßnahmen - z.B.
im Bereich der Verkehrspolitik - an planerisch formulierten Zielsetzungen ausrichtete.28
31 Dabei tritt immer deutlicher hervor, daß auch die Gemeinden und die
Kommunalpolitik lange vor ihrer „Aktivierung“ durch die Modernisierung des regionalpolitischen
Instrumentariums auf nationaler Ebene umfangreiche regionalpolitische
Handlungsspielräume besaßen und diese - wenn auch lokal unterschiedlich
intensiv - nutzten.2"
Mit den Worten von Arthur Benz ist daher der deutsche Föderalismus als Prozeß der
Herausbildung einer Struktur von Problemlösungsinstrumenten zu verstehen. Die
Interaktion von Entscheidungszentren - Benz bezieht sich hier allerdings hauptsächlich
auf die Länder und den Bund, die kommunale Planung sieht er eher noch als
Vorstadium - war demnach bis weit in die 60er Jahre hinein von Dezentralisierungstendenzen
geprägt. Anhand des Beispiels der Raumplanung in Nordrhein-Westfalen
läßt sich dann zeigen, daß gerade die inneren Widersprüche in den kommunalen
Planungsversuchen die Konzentration der Raumplanung auf Länderebene ausgelöst
haben.’" Die Neuordnung der Regionalpolitik im Umfeld der Rezession von 1966/67
ist demgegenüber als eine verzögerte Hinwendung zu zentralistischeren Tendenzen
zu interpretieren; diese löste jedoch praktisch unmittelbar auch schon Gegenbewegungen
und den Ruf nach mehr regionaler Eigenständigkeit in der Regionalpolitik
31
aus.
28 Gail, Verkehrspolitik, S. 1 19-204. Völlig anders dagegen Hesse, Integrationsanspruch, S. 16f„ der die
Entstehung programmatischer Ansätze von Regionalpolitik erst in dem Moment ansetzt, als trotz der
Angleichung durch die Industriepolitik Entwicklungsunterschiede zwischen den Ländern weiterbestanden.
29 Jaromir Balcar, Die Kosten der Erschließung. Kommunale Infrastrukturpolitik auf dem Land und ihre
Folgen für die Gemeinden (1948-1972), in: Daniela Münkel (Hg.), Der lange Abschied vom Agrarland.
Agrarpolitik, Landwirtschaft und ländliche Gesellschaft zwischen Weimar und Bonn, Göttingen 2000,
S. 249-277. Vgl. hierzu auch das bereits zitierte Regensburger Beispiel bei Finke u. Pohl, Industrieforderung.
Interessant ist übrigens die sehr frühe Analyse des Verhältnisses von Strukturpolitik und Kommunalpolitik
bei Hans-Dieter Indetzki, Umstellung der Kohlenbergwerke in den deutschen Gebieten -
Aachen. Die regionalwirtschaftlichen Auswirkungen der Stillegungen und Einschränkungen im Steinkohlenbergbau
und der zur Umstrukturierung im Aachener Bezirk getroffenen Maßnahmen, Brüssel 1972 (=Kommission
der Europäischen Gemeinschaften (Hg.), Hefte für die industrielle Umstellung 20), hier:
S. 23ff., in der ebenfalls der kommunalpolitischen Initiative maßgeblicher Anteil bei der Bewältigung der
durch den sektoralen Strukturwandel ausgelösten regionalen Krise zugesprochen wird.
30 Arthur Benz, Dynamisches System, S. 144 und S. 153-183.
31 Ebd., S. 133ff. Vgl. im Gegensatz dazu Hesse u. Schlieper, Strukturwandel, S. 594, welche die zu stark
verflochtenen und zu differenzierten Organisationsmodelle der Regionalpolitik kritisieren, die teilweise
sogar zu einer innovationshemmenden „Abschottung“ des Arbeitsbereichs von Regionalpolitik durch
„formal-organisatorische“ Beziehungsgeflechte geführt haben. Ausführlich analysiert dieses Problem
Grabher, Wachstums-Koalitionen. Zur „regionalisierten Regionalpolitik“ als konkurrierendem Modell vgl.
die praxisorientierte Einführung Arthur Benz u.a. (Hgg.), Regionalisierung: Theorie, Praxis, Perspektiven,
Opladen 1999. Eine differenzierte Zusammenstellung der Instrumente von Regionalpolitik bietet Peter
Tennagels, Instrumentarium der regionalen Wirtschaftspolitik, Bochum 1980 (= Beiträge zur Struktur- und
Konjunkturforschung XII). Einen Überblick über den aktuellen Forschungsstand sowie Hinweise zur Frage
der Effizienzsteigerung von Regionalpolitik durch Regionalisierung bietet Frank Havighorst, Regionalisierung
der Regionalpolitik, Münster u.a. 1998. Den ökonomischen Zusammenhang zwischen Wachstums¬288