Full text : Das Saarland im doppelten Strukturwandel 1956 - 1970

Investitionen  in  festverzinsliche  deutsche  Wertpapiere  durch  die  Einführung  einer
Besteuerung  in  seiner  Attraktivität  zu  verringern.6
Abgesehen  von  dieser  Kontroverse  über  die  Ursachen  der  Krise  und  die  in  ihr  begrenzte
  Handlungsfähigkeit  der  Politik,  richtet  sich  ein  großer  Teil  des  Forschungsinteresses
  auf  die  Gründe  ihrer  Überwindung.  Eine  entscheidende  Rolle  wird  dabei
dem  sogenannten  Stabilitätsgesetz  von  1967  zugemessen.  Ursprünglich  noch  stark
von  dem  Gedanken  geprägt,  die  Wachstumsraten  in  der  Bundesrepublik  zu  verstetigen
  und  Perioden  konjunktureller  „Überhitzung“  sowie  den  starken  Zustrom  von
Kapital  aus  dem  Ausland  zu  bremsen,  erhielt  dieses  Gesetz  im  Lauf  seiner  Entstehungsgeschichte
  zwischen  dem  4.  Juli  1966  und  dem  14.  Juni  1967  immer  mehr
Elemente  des  Wachstumsgedankens.  Hierbei  wurde  erstmals  der  Versuch  unternommen,
  die  Konjunkturwirksamkeit  der  öffentlichen  Haushaltswirtschaft  in  Bund,
Ländern  und  Gemeinden  verbindlich,  koordiniert  und  planmäßig  zu  nutzen.  Die
Überwindung  der  Krise  steht  damit  für  einen  -  zunächst  partei-,  dann  wirtschaftspolitischen
  -  Neuanfang  von  Politik  in  der  Großen  bzw.  dann  erstmals  sozial  liberalen
Koalition,  der  eine  Grundlage  der  Ablösung  der  Christdemokraten  von  der  Regierungsverantwortung
  und  den  Auftakt  der  langjährigen  Regierungstätigkeit  der  SPD  in
Bonn  bildete.  Die  Bedeutung  der  Wirtschaftskrise  1966/67  als  Zäsur  wird  aber  auch
darin  ersichtlich,  daß  sie  neben  ihren  Rückwirkungen  auf  die  nationale  Wirtschaftspolitik
  auch  zu  einer  Neufassung  der  Regionalpolitik  in  der  Bundesrepublik  führte.
Nachdem  die  „Grundsätze  für  die  raumbedeutsamen  Maßnahmen  des  Bundes  und
ihrer  Koordinierung“,  die  erstmals  bereits  1962  im  Bundeskabinett  beschlossen
worden  waren,  einen  mehrjährigen  Diskussionsprozeß  durchlaufen  hatten,  beschleunigte
  die  Krise  den  Entscheidungsprozeß.  In  der  Ministerkonferenz  für  Raumordnung
wurde  im  Jahr  1967  eine  Institution  geschaffen,  der  die  Aufgabe  der  Integration  der
sehr  unterschiedlichen  politischen  Konzepte  der  Länder  und  des  Bundes  über  Grundfragen
  und  Instrumente  der  Raumordnung  zukam/  In  der  Literatur  wird  jedoch  der
eigentliche  Durchbruch  zu  einer  neuen  Regionalpolitik  in  der  Regel  in  der  Einrichtung
  der  Gemeinschaftsaufgaben,  insbesondere  der  Gemeinschaftsaufgabe  zur
Förderung  der  regionalen  Wirtschaftsstruktur  (GRW)  gesehen.6  Dieser  Schritt  ist  in

6 Eine  interessante  Quelle  zur  Sicht  der  Bundesregierung  auf  die  Rahmenbedingungen  ihrer  Politik  ist  Rolf
Dahlgrün  (Hg.),  Probleme  einer  Neuordnung  der  Haushaltswirtschalt  bei  Bund  und  Ländern,  Bonn  oJ.
(1964)  (=  Schriftenreihe  des  Bundesministeriums  der  Finanzen  8).
Zur  Einordnung  in  die  Wirtschafts-  und  Finanzpolitik  der  Bundesregierung  vgl.  Hardach,  Marktwirtschaft,
  S.  214ff.,  Osterwald,  Stabilitätsgesetz,  und  Heinz  Kock,  Stabilitätspolitik  im  föderalistischen
System  der  Bundesrepublik  Deutschland.  Analyse  und  Reformvorschläge,  Köln  1975.  Das  Stabilitätsgesetz
  wurde  so  zur  „magna  Charta“  der  Großen  Koaliton,  vgl.  Klaus  Hildebrand,  Von  Erhard  zur  Großen
Koalition  1963-1969,  Stuttgart  1984  (=  Karl  Dietrich  Bracher  (Hg.),  Geschichte  der  Bundesrepublik
Deutschland  4),  hier:  S.  285ff.
s  Im  Überblick  hierzu:  Väth,  Raumplanung,  v.a.  S.  157ff.
9 Vgl.  hierzu  den  Überblick  in  Akademie  für  Raumforschung  und  Landesplanung  (Hg.),  Entwicklung.  Sehr
aufschlußreich  ist  auch  der  Sammelband  von  Hans  K.  Schneider  (Hg.),  Beiträge  zur  Regionalpolitik,
Berlin  1968  (=  Schriften  des  Vereins  tür  Socialpolitik  N.F.  41),  der  den  zeitgenössischen  Stand  der
Diskussion  um  diesen  Übergang  repräsentiert.

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