Full text : Das Saarland im doppelten Strukturwandel 1956 - 1970

Ansätze  liegen  mittlerweile  auch  eine  Reihe  von  Untersuchungen  anderer  Disziplinen
für  die  Bundesländer  vor.  Dabei  wird  der  Begriff  Region  zunehmend  in  zwei  grundsätzlich
  unterschiedlichen  Perspektiven  betrachtet,  nämlich  „bottom-up  “  als  Handlungs-
  und  Erfahrungsregion* 188  oder  „top-down“189  als  Anbindung  regionaler  Prozesse
  an  nationale  Entwicklungen.  Durch  die  Perzeption  der  „bottom-up-Ansätze“
konnte  dabei  der  Anschluß  der  Erforschung  der  Bundesländer  an  die  internationale
Regionalismusforschung  hergestellt  werden,  gerade  hinsichtlich  der  Frage  nach  dem
Stellenwert  von  Regionalismus  in  postindustriellen  Gesellschaften.19'1  Die  Auseinandersetzung
  mit  alternativen  Region-Konzepten  und  der  Methodenpluralismus  als
„methodisches  Erbe“  der  Bundeslandgeschichte  aus  der  Landesgeschichte191 193  ermöglichten
  es,  „in  Grenzen  unbegrenzt“  subtile  Beobachtungen  über  die  Probleme
der  Integration  der  Vertriebenen  nach  1945  in  Nordrhein-Westfalen|t,:  in  Zusammenhang
  zu  stellen  mit  ebenso  differenzierten  politikwissenschaftlichen  Analysen  zum
Parteiensystem  und  zur  regionalen  politischen  Kultur  des  Landes.19’

sion  von  Kirsten  Mensch,  Wähler  und  Parteien:  eine  strategische  Interaktion.  Ein  Überblick  über  die
neuere  Wahl-  und  Parteienforschung,  in:  Neue  Politische  Literatur  44  (1999),  S.  380-401.
188  Ullrich  Hoffmann  u.  Manfred  Huppertz,  Lebensraum  Ruhrgebiet.  Räumliche  Vorstellungsbilder  im  und
über  das  Ruhrgebiet,  Essen  1992.  Zum  Konzept  vgl.  Ploch  u.  Schilling,  Region,  bes.  S.  126,  sowie
ausführlich:  Detlef  Briesen,  Vom  Kohlenpott  zum  Ruhrgebiet:  Einige  Beispiele  kognitiver  Kartographie
und  die  Konstruktion  von  Regionalbewußtsein  durch  Geschichte,  in:  ders.,  Gans  u.  Flender,  Regionalbewußtsein,
  S.  145-192.  Zur  Einführung  in  den  psychologischen  Begriff  der  mentalen  Landkarte:  Roger  M.
Downs  u.  David  Stea,  Kognitive  Karten.  Die  Welt  in  unseren  Köpfen,  New  York  1982.  Zum  Zusammenhang
  zur  Alltagsgeschichte  vgl.  Gert  Zang,  Die  unaufhaltsame  Annäherung  an  das  Einzelne.  Reflexionen
über  den  theoretischen  und  praktischen  Nutzen  der  Regional-  und  Alltagsgeschichte,  Konstanz  1985  (=Schriftenreihe
  des  Arbeitskreises  für  Regionalgeschichte  Konstanz  e.V.  6).
189  Diese  Sichtweise  spielt  besonders  im  Zusammenhang  mit  der  Planungsgeschichte  eine  wichtige  Rolle,
auf  die  an  anderer  Stelle  noch  einzugehen  sein  wird.  Als  reine  „Expertensicht“  wird  diese  Sichtweise  -  und
deren  Untersuchung  -  nicht  selten  als  eher  konventionell,  zu  wirklichkeitsfremd  und  vor  allem  zur
Erarbeitung  zukunftsfähiger  Strategien  ungeeignet  kritisiert,  vgl.  Jürgen  Aring,  Bernhard  Butzin,  Rainer
Danielzyk  u.  Ilse  Helbrecht,  Krisenregion  Ruhrgebiet?  Alltag,  Strukturwandel  und  Planung,  Oldenburg
1989  (=  Wahmehmungsgeographische  Studien  zur  Regionalentwicklung  8),  bes.  S.  22ff.  Interessanterweise
  ist  das  wirkliche  Potential  dieses  Ansatzes  erst  in  jüngerer  Zeit  dargelegt  worden,  Holtmann,
Regionale  Parteien,  bes.  S.  65f.,  sowie  Josef  Schmid,  CDU,  bes.  S.  9ff.
190  Als  „ein  subnationaler  oder  grenzüberschreitender  Prozeß  gesellschaftlicher  Mobilisierung  und
Organisierung  zur  Verfolgung  territorial  definierter  Interessen  kultureller,  politischer  oder  wirtschaftlicher
Art“  definiert,  eignet  sich  der  Begriff  zum  internationalen  Vergleich;  einen  konzentrierten  Überblick  über
die  methodischen  und  begrifflichen  Probleme  liefert:  Gerhard  Brunn,  Regionalismus  in  Europa,  in:
Comparativ  5  (1995),  S.  23-39.
191  Detlef  Briesen,  Region,  Regionalismus,  Regionalgeschichte  -  Versuch  einer  Annäherung  aus  der
Perspektive  der  neueren  und  Zeitgeschichte,  in:  Gerhard  Brunn  (Hg.),  Region  und  Regionsbildung  in
Europa.  Konzeptionen  der  Forschung  und  empirische  Befände,  Baden-Baden  1996  (=  Schriftenreihe  des
Instituts  für  Europäische  Regionalforschung  I),  S.  151-162,  hier:  S.  152,  spitzt  diesen  Gedanken  in
folgender  prägnanten  Formulierung  zu:  „Wann  und  unter  welchen  Umständen  begreift  der  Historiker
Zustände  und  Ereignisse  als  regional  geordnet,  also:  Welche  Vorstellungen  haben  Historiker  vom
Regionalen?“
192  Ackermann,  Aspekte,  hier  bes.  S.  146.
193  Karl  Rohe,  Wahlen  und  Wählertraditionen  in  Deutschland.  Kulturelle  Grundlagen  deutscher  Parteien
und  Parteiensysteme  im  19.  und  20.  Jahrhundert,  Frankfurt  a.M.  1992,  hier  bes.  S.  1  lff.  Vgl,  hierzu  auch:
Bernd  Faulenbach,  Entwicklungslinien  der  politischen  Kultur  des  Ruhrgebiets,  in:  Rainer  Schulze  (Hg.),

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