Full text : Das Saarland im doppelten Strukturwandel 1956 - 1970

lungslogik“174  gestellt  werden;  Geschichte  (als  kollektives  Erinnern)  kann  zum
zentralen,  primordialen  Element  einer  -  regionalen  -  Identitätskonstruktion  werden.1*1'
Dies  verweist  auch  auf  die  Bedeutung  der  regionalen  „Geschichtspolitik“  in  der
Zeitgeschichte  der  Bundesländer.1*1
Auch  wenn  der  damit  angesprochene,  ursprünglich  aus  der  Psychologie  stammende
Begriff  der  regionalen  Identität1*2  durch  die  Vielzahl  der  Definitionsversuche  mittlerweile
  eine  durchaus  problematische  Stellung  in  der  Wissenschaft  innehat,1*2  stellt
er  einen  der  meistdiskutierten  Ansätze  für  regional  ausgerichtete  Untersuchungen  der
deutschen  Nachkriegsgeschichte  dar.  Zumindest  der  größere  Teil  der  juristisch  und
politikwissenschaftlich  ausgerichteten  Forschung  ist  sich  unter  den  Stichwörtern
„Verfassungspatriotismus“  und  „Subsidiarität“1*4  sicher,  daß  die  dezentral  organisierte
  Verfassungsstruktur  der  Bundesrepublik  in  enger  Beziehung  zur  Ausbildung
regionaler  Identitäten  stehe,  ja,  daß  die  Bildung  und  Förderung  eben  dieser  geradezu
deren  Aufgabe  sei.1**  Sowohl  im  Bereich  der  auf  kulturelle  Aspekte  und  auf  Identität
bezogenen1*6  wie  auch  der  eher  auf  politische  Aspekte1*  von  Mentalität  bezogenen
179  Armin  Flender,  Vom  Saargebiet  zum  Saarland:  Zum  Gebrauch  kollektiver  Erinnerungen  in  einer  Grenzregion
  nach  dem  Ersten  Weltkrieg,  in:  Briesen,  Gans  u.  ders.,  Regionalbewußtsein,  S.  107-144,  hier:
S.  1  19.
180  Detlef  Briesen,  „Historische  Ausprägung  und  historischer  Wandel  von  regionaler  Identität  in  ausgewählten
  Montanregionen“.  Einleitung  zu  einem  Abschlußbericht,  in:  ders.,  Gans  u.  Flender,  Regionalbewußtsein,
  S.  7-49,  hier:  S.  10.
181  Zur  Bedeutung  der  Pädagogisierbarkeit  von  regionaler  und  nationaler  Identität  vgl.  Rüdiger  Gans  u.
Detlef  Briesen,  Das  Siegerland  zwischen  ländlicher  Beschränkung  und  nationaler  Eingrenzung:  Enge  und
Weite  als  Elemente  regionaler  Identität,  in:  Rolf  Lindner  (Hg.),  Wiederkehr,  S.  64-90,  hier:  S.  701Ï.
Ansatzpunkte  hierzu  finden  sich  in  der  Geschichte  einiger  Bundesländer,  so  z.B.  in  der  Gründung  des
Instituts  für  Landeskunde  im  Saarland  im  Rückgliederungsjahr  1959,  vgl.  Kurt  Hoppstädter,  Die  Entstehung
  der  saarländischen  Eisenbahnen,  Saarbrücken  1961  (=  Veröffentlichungen  des  Instituts  für
Landeskunde  des  Saarlandes  2),  Geleitwort;  ferner  in  der  merkwürdigen  Geschichte  der  Brandenburgischen
  Historischen  Kommission  nach  der  Wiedervereinigung,  vgl.  Enders  u.  Neitmann  (Hgg.),  Landesgeschichte;
  oder  auch  in  der  vorsichtigen  Politik  der  amerikanischen  Besatzungsmacht  bei  der  Gründung
des  Landes  Hessen  nach  dem  Zweiten  Weltkrieg,  vgl.  Wolf-Heino  Struck,  Zur  ideenpolitischen  Vorbereitung
  des  Bundeslandes  Hessen  seit  dem  19.  Jahrhundert,  in:  Schissler  (Hg.),  Hessen,  S.  45-92.
182  Zur  Identität  als  ursprünglich  vorwissenschaftlichem  Begriff:  Detlev  Ipsen,  Regionale  Identität.
Überlegungen  zum  politischen  Charakter  einer  psychosozialen  Raumkategorie,  in:  Rolf  Lindner  (Hg.),
S.  232-254.
I8’  Odo  Marquard  spricht  von  der  Identität  in  „Identitätsschwierigkeiten“,  vgl.  Odo  Marquard,  Identität:
Schwundtelos  und  Mini-Essenz  -  Bemerkungen  zur  Genealogie  einer  aktuellen  Diskussion,  in:  ders.  u.
Karlheinz  Stierle  (Hgg.),  Identität,  München  1979,  S.  347-369.  hier:  S.  347.
184  Arthur  Benz,  Dynamisches  System,  S.  41.
185  Holtmann,  Regionale  Parteien,  S.  72.
186  Vgl.  zu  den  methodischen  Aspekten  Rolf  Lindner,  Einleitung,  in:  ders.  (Hg.),  Wiederkehr,  S.  7-12.
Interessante  Präzisierungen  anhand  eines  konkreten  Projektes  sowie  bibliographische  Hinweise  liefert:
Edwin  Dillmann,  „Land  und  Leute“.  Regionalbewußtsein  und  Sozialkultur  an  der  Saar,  in:  ders.  u.  van
Dülmen  (Hgg.),  Lebenserfahrungen,  S.  362A07.
187  Das  politikwissenschalfliche  Schriftgut  zu  dieser  Frage  ist  mittlerweile  kaum  noch  zu  überblicken,  da
praktisch  zu  allen  Bundesländern  eine  Fülle  von  Arbeiten  vorliegt;  die  methodische  Grundlage  bietet
Stefan  Immerfall,  Territorium  und  Wahlverhalten.  Zur  Modellierung  geopolitischer  und  geoökonomischer
Prozesse,  Opladen  1992.  Vgl.  hierzu  neben  den  bereits  zitierten  Forschungsüberblicken  die  Sammelrezen-259


            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.