lungslogik“174 gestellt werden; Geschichte (als kollektives Erinnern) kann zum
zentralen, primordialen Element einer - regionalen - Identitätskonstruktion werden.1*1'
Dies verweist auch auf die Bedeutung der regionalen „Geschichtspolitik“ in der
Zeitgeschichte der Bundesländer.1*1
Auch wenn der damit angesprochene, ursprünglich aus der Psychologie stammende
Begriff der regionalen Identität1*2 durch die Vielzahl der Definitionsversuche mittlerweile
eine durchaus problematische Stellung in der Wissenschaft innehat,1*2 stellt
er einen der meistdiskutierten Ansätze für regional ausgerichtete Untersuchungen der
deutschen Nachkriegsgeschichte dar. Zumindest der größere Teil der juristisch und
politikwissenschaftlich ausgerichteten Forschung ist sich unter den Stichwörtern
„Verfassungspatriotismus“ und „Subsidiarität“1*4 sicher, daß die dezentral organisierte
Verfassungsstruktur der Bundesrepublik in enger Beziehung zur Ausbildung
regionaler Identitäten stehe, ja, daß die Bildung und Förderung eben dieser geradezu
deren Aufgabe sei.1** Sowohl im Bereich der auf kulturelle Aspekte und auf Identität
bezogenen1*6 wie auch der eher auf politische Aspekte1* von Mentalität bezogenen
179 Armin Flender, Vom Saargebiet zum Saarland: Zum Gebrauch kollektiver Erinnerungen in einer Grenzregion
nach dem Ersten Weltkrieg, in: Briesen, Gans u. ders., Regionalbewußtsein, S. 107-144, hier:
S. 1 19.
180 Detlef Briesen, „Historische Ausprägung und historischer Wandel von regionaler Identität in ausgewählten
Montanregionen“. Einleitung zu einem Abschlußbericht, in: ders., Gans u. Flender, Regionalbewußtsein,
S. 7-49, hier: S. 10.
181 Zur Bedeutung der Pädagogisierbarkeit von regionaler und nationaler Identität vgl. Rüdiger Gans u.
Detlef Briesen, Das Siegerland zwischen ländlicher Beschränkung und nationaler Eingrenzung: Enge und
Weite als Elemente regionaler Identität, in: Rolf Lindner (Hg.), Wiederkehr, S. 64-90, hier: S. 701Ï.
Ansatzpunkte hierzu finden sich in der Geschichte einiger Bundesländer, so z.B. in der Gründung des
Instituts für Landeskunde im Saarland im Rückgliederungsjahr 1959, vgl. Kurt Hoppstädter, Die Entstehung
der saarländischen Eisenbahnen, Saarbrücken 1961 (= Veröffentlichungen des Instituts für
Landeskunde des Saarlandes 2), Geleitwort; ferner in der merkwürdigen Geschichte der Brandenburgischen
Historischen Kommission nach der Wiedervereinigung, vgl. Enders u. Neitmann (Hgg.), Landesgeschichte;
oder auch in der vorsichtigen Politik der amerikanischen Besatzungsmacht bei der Gründung
des Landes Hessen nach dem Zweiten Weltkrieg, vgl. Wolf-Heino Struck, Zur ideenpolitischen Vorbereitung
des Bundeslandes Hessen seit dem 19. Jahrhundert, in: Schissler (Hg.), Hessen, S. 45-92.
182 Zur Identität als ursprünglich vorwissenschaftlichem Begriff: Detlev Ipsen, Regionale Identität.
Überlegungen zum politischen Charakter einer psychosozialen Raumkategorie, in: Rolf Lindner (Hg.),
S. 232-254.
I8’ Odo Marquard spricht von der Identität in „Identitätsschwierigkeiten“, vgl. Odo Marquard, Identität:
Schwundtelos und Mini-Essenz - Bemerkungen zur Genealogie einer aktuellen Diskussion, in: ders. u.
Karlheinz Stierle (Hgg.), Identität, München 1979, S. 347-369. hier: S. 347.
184 Arthur Benz, Dynamisches System, S. 41.
185 Holtmann, Regionale Parteien, S. 72.
186 Vgl. zu den methodischen Aspekten Rolf Lindner, Einleitung, in: ders. (Hg.), Wiederkehr, S. 7-12.
Interessante Präzisierungen anhand eines konkreten Projektes sowie bibliographische Hinweise liefert:
Edwin Dillmann, „Land und Leute“. Regionalbewußtsein und Sozialkultur an der Saar, in: ders. u. van
Dülmen (Hgg.), Lebenserfahrungen, S. 362A07.
187 Das politikwissenschalfliche Schriftgut zu dieser Frage ist mittlerweile kaum noch zu überblicken, da
praktisch zu allen Bundesländern eine Fülle von Arbeiten vorliegt; die methodische Grundlage bietet
Stefan Immerfall, Territorium und Wahlverhalten. Zur Modellierung geopolitischer und geoökonomischer
Prozesse, Opladen 1992. Vgl. hierzu neben den bereits zitierten Forschungsüberblicken die Sammelrezen-259