Full text : Das Saarland im doppelten Strukturwandel 1956 - 1970

Ansatz  eine  hohe  Aktualität,l<lS  hat  aber  auch  in  einer  Reihe  von  historischen  Arbeiten
zur  Geschichte  der  alten  Bundesländer  eine  gewisse  Rolle  gespielt.164  Das  in  der
Industrieregionenforschung  erarbeitete  Postulat  einer  scharfen  Abgrenzung  der  dabei
zugrundegelegten  Regionen  nach  einem  ökonomischen  Homogenitätskriterium  bietet
aber  Anlaß  zur  methodischen  Kritik:  Da  schon  die  Industrialisierung  „nicht  nur  ein
technischer,  organisatorischer  und  ökonomischer  Umwälzungsprozess“  war,  sondern
besonders  dessen  Rückwirkungen  auf  Gesellschaft  und  Politik  im  Vordergrund  des
Interesses  stehen,  kann  der  regionale  Strukturwandel  kaum  in  scharf  nach  einem
Homogenitätskriterium  abgegrenzten  Industrie-  oder  Montanregionen  untersucht
werden.1  (l
Auch  die  Unternehmensgeschichte  kennt  Ansätze,  die  die  Bedeutung  der  Regionen,
ihrer  Akteure  und  deren  Verflechtung  tür  den  Modernisierungsprozeß  untersuchen
wollen.1  1  Dies  verweist  auf  das  ältere  Konzept  der  Kulturregion,  das  -  in  methodisch
abgewandelter  und  erweiterter  Form  -  ebenfalls  in  der  auf  das  19.  Jahrhundert  und  die
Industrialisierung  bezogenen  Regionalgeschichte  breit  rezipiert  worden  ist.1  2  Einen
wichtigen  Bestandteil  der  methodischen  Erneuerung  bildete  dabei  die  Einführung  von
mentalitätsgeschichtlichen  und  verhaltenswissenschaftlichen  Ansätzen.1  '  Gemeinsam
ist  diesen  Arbeiten,  die  teilweise  auf  hochkomplexe  theoretische  Modelle  von  Raum
und  sozialer  Kommunikation  zurückgreifen,1  4  eine  funktionale,  wenn  nicht  gar  finale

168  Vgl.  hierzu  insbesondere  das  umfangreiche  Projekt  der  Leipziger  Studien  zur  Erforschung  von  regionenbezogenen
  identitlkationsprozessen,  dessen  Ergebnisse  in  einer  gleichnamigen  Reihe  publiziert
werden.  Vor  dem  Hintergrund  von  Erkers  dezidierter  Haltung  zu  Periodisierungsfragen  in  der  Zeitgeschichte
  ist  interessant  zu  erwähnen,  daß,  unter  der  Modemisierungsfragestellung  betrachtet,  die
regionalgeschichtlichen  Ansätze  Korrekturen  an  dem  traditionell  stark  nationalgeschichtlich  orientierten
Bild  von  der  Bedeutung  bestimmter  Zäsuren  in  der  Geschichte  erlauben,  vgl.  Ulrich  Heß,  Leipziger
Regionalforschung  im  20.  Jahrhundert,  in:  Dillmann  (Hg.),  Prisma,  S.  47-65,  hier:  S.  59.
169  Einen  Forschungsüberblick  gibt  Göttmann,  Raum.  Vgl.  auch  Fried  Esterbauer,  Regionalismus  -
ideologische  Wurzel,  Begriffsfeld,  Funktionen,  in:  Informationen  zur  Raumentwicklung  H.  5  (1980),  S.
255-272,  sowie  die  Projekt  Vorstellung  bei  Thomas  Schlemmer,  Gesellschaft  und  Politik  in  Bayern
1949-1973.  Ein  neues  Projekt  des  Instituts  für  Zeitgeschichte,  in:  Lanzinner  u.  Henker  (Hgg.),  Landesgeschichte
  und  Zeitgeschichte,  S.  103-109,  bes.  S.  104.  In  langfristiger  Perspektive:  Helmut  Berding,
Staatliche  Identität,  nationale  Integration  und  politischer  Regionalismus,  in:  Blätter  für  deutsche  Landesgeschichte
  121  (1985),  S.  371-393,  bes.  S.  374f.
170  Hubert  Kiesewetter,  Region  und  Industrie  in  Europa  1815-1995,  Stuttgart  2000  (=  Grundzüge  der
modernen  Wirtschaftsgeschichte  2),  S.  185ff.
171  Auch  hierbei  eröffnet  die  seit  der  Wiedervereinigung  gegebene  Chance  des  interregionalen  Vergleichs
neue  Möglichkeiten,  vgl.  Ulrich  Heß,  Michael  Schäfer,  Werner  Bramke  u.  Petra  Listewnik  (Hgg.),
Unternehmer  in  Sachsen.  Aufstieg  -  Krise  -  Untergang  -  Neubeginn,  Leipzig  1998  (=  Leipziger  Studien  zur
Erforschung  regionenbezogener  Identifikationsprozesse  4).
1  2  Einen  guten  Überblick  gewährt  der  Sammelband:  Stefan  Brakensiek  u.a.  (Hgg.),  Kultur  und  Staat  in  der
Provinz.  Perspektiven  und  Erträge  der  Regionalgeschichte,  Bielefeld  1992.
173  Volker  Ackermann,  Aspekte  der  Mentalitätsgeschichte.  Fragestellungen  und  Interpretationsmethoden
für  die  Regionalgeschichte,  in:  Geschichte  im  Westen  5  (1990),  S.  142-150.  Volker  Sellin,  Mentalität  und
Mentalitätsgeschichte,  in:  Historische  Zeitschrift  241  (1985),  S.  555-598.  Wolfgang  Lipp,  Soziale  Räume,
regionale  Kultur:  Industriegesellschaft  im  Wandel,  in:  ders.  (Hg.),  Industriegesellschaft  und  Regionalkultur.
  Untersuchungen  für  Europa,  Köln  u.a.  1984,  S.  1-56.
174  Vgl.  Helmut  Klüter,  Raum  als  Element  sozialer  Kommunikation,  Gießen  1986;  stärker  auf  die  For-257


            
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