schichte eskalierte binnen eines Jahrzehnts zu einer leidenschaftlich geführten Auseinandersetzung
zwischen den Vertretern der „älteren“ Landesgeschichte und der
auch in außeruniversitären Initiativen wie z.B. Geschichtswerkstätten verankerten
„modernen Regionalgeschichte“.* 156 158 Gerade die Vielfalt der dabei eingeführten
„modernen“ Fragestellungen schien zunächst die Tauglichkeit des regionalen Ansatzes
als solchen in Frage zu stellen.1' Zudem zeigte sich immer deutlicher ein
gewisses Unbehagen angesichts der Dominanz quantitativer Methoden in der Regionalgeschichte."5
Anstelle des Versuchs der definitorischen Unterscheidung zwischen
Landes- und Regionalgeschichte1'9 führten aber besonders die inhaltlichen Fortschritte160
recht bald zu einem „bemerkenswerten Konsens“ über die Notwendigkeit
räumlicher Ansätze im allgemeinen und der Entwicklung regionalwissenschaftlich
grundgelegter Methoden der Neueren und der Zeitgeschichte im besonderen.161 Mit
Jahrbuch für Regionalgeschichte und Landeskunde 21 (1997/1998), S, 121-130, hier: S. 123: „Eine Region
ist eine sich wandelnde sozialräumliche Einheit, die modellhaft ähnliches Handeln und Wirken einer
menschlichen Gesellschaft abbildet. Allerdings entstehen je nach Erkenntnisinteressen, Fragestellungen,
Methoden, Arbeitstechniken, Matenalaufbereitung und Darstellungsweise der Forschenden unterschiedliche
historische Raumzuordnungen.“
156 Sehr kritisch und mit umfangreichen Literaturangaben zu dieser Phase der Auseinandersetzung: Peter
Steinbaeh, Neue Wege der regionalhistorisch orientierten Alltagsgeschichte, in: Hessisches Jahrbuch für
Landesgeschichte 30 (1980), S. 312-336. Einen ausführlichen Überblick über die differenziert geführte
Debatte bietet - mit ausführlicher Bibliographie - der Themenband: Detlef Briesen u. Jürgen Reulecke,
Regionalgeschichte. Ein Ansatz zur Erforschung regionaler Identität (= Informationen zur Raumentwicklung
11 (1993), bes. S. 735fT, und Reinhard Stäuber, Regionalgeschichte versus Landesgeschichte?
Entwicklung und Bewertung von Konzepten der Erforschung von „Geschichte in kleinen Räumen“, in:
Geschichte und Region / Storia e regione 3 (1994), S. 227-260.
157 Zum Vorwurf der Beliebigkeit der verwendeten Regionalbegrifie: Otto Dann, Die Region als Gegenstand
der Geschichtswissenschaft, in: Archiv für Sozialgeschichte 23 (1983), S. 652-661, hier: S. 656.
158 Emst Hinrichs, Regionale Soziaigeschichte als Methode der modernen Geschichtswissenschaft, in: ders.
u. Wilhelm Norden (Hgg.), Regionalgeschichte. Probleme und Beispiele, Hildesheim 1980 (= Veröffentlichungen
der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen 24), S. 1-20, hier: S. 5. Zur
Antikritik Hans-Ulrich Wehlers an der „theoriefemen“ Alltagsgeschichte vgl. Jürgen Reulecke, Von der
Landesgeschichte zur Regionalgeschichte, in: Geschichte im Westen 6 (1991), S. 202-208, hier: S. 204.
1,9 Erwähnenswert erscheint v.a. der prägnante Definitionsversuch bei Albreeht, Stellenwert, S. 602:
„Während Landesgeschichte sowohl Gegenstand einer ganzheitlichen historischen Betrachtung eines
Territoriums als auch Mittel zur Erforschung genereller Fragen an die Geschichte sein kann, bezeichnet
Regionalgeschichte eine Richtung der Geschichtswissenschaft, die sich mit veränderlichen Teilgebieten
befaßt. Als Region im ökonomisch-sozialen Sinne betrachtet man im allgemeinen eine Gruppe geographisch
benachbarter Gebiete, die bestimmte gemeinsame oder sich ergänzende Merkmale besitzen oder die
durch sich aufeinander erstreckende Aktivitäten oder wechselseitigen Austausch der Gebiete untereinander
verbunden sind.“ Interessant ist dieser Definitionsversuch, weil er die dabei auftretenden Schwierigkeiten
deutlich zeigt: Einerseits ist zwar von der Veränderlichkeit der räumlichen Grenzen von Regionen im
Sinne der Regionalgeschichte die Rede, andererseits wird doch noch der Versuch unternommen, Regionen
„von der Mitte her“ über eine Struktur primordialer Faktoren zu definieren - möglicherweise, weil die
Problematik rein aus Forschungsperspektive definierter Räume definitorisch nicht zu lösen ist.
160 Vgl, hierzu z.B. Düwells grundlegenden Aufsatz zur Bedeutung regionaler Ansätze bei der Erforschung
des Nationalsozialismus: Kurt Düwell, Die regionale Geschichte des NS-Staates zwischen Mikro- und
Makroanalyse. Forschungsaufgaben zur „Praxis im kleinen Bereich“, in: Jahrbuch für westdeutsche
Landesgeschichte 9 (1983), S. 285-344.
161 Hinrichs, Stand. S. 1. Albreeht, Stellenwert, S. 599, bezeichnet diese Entwicklung gar als einen
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