menarbeit, die von Beginn an den landesgeschichtlichen Ansatzes prägte, ein „Stand
der Technik“ der Methodenlehre erreicht werden konnte.150 155 Gemeinsam mit der
geographischen Forschung wurde besonders die Frage nach Raummodellen und
Raumtypologien intensiv untersucht.1'1 Begriffe wie „Kulturlandschaft“, „Industrielandschaft“
oder „Siedlungslandschaft“, die den „anti-etatistischen“1-'2 Grundzug der
Landesgeschichte geprägt hatten, erhielten angesichts der Erfahrung der sich stark
beschleunigenden Veränderungen politisch-administrativer Grenzen in Mitteleuropa
hohe Bedeutung.1" Wissenschaftshistorisch stand die Entwicklung der deutschen
Landesgeschichte als Disziplin nach dem Ersten Weltkrieg im Kontext der „Geschichtlichen
Landeskunde“, deren komplexe Beziehung zum Nationalsozialismus
die Kontinuitätsprobleme nach dem Zweiten Weltkrieg teilweise erklärt.1'4
Die „Erfindung“ der in den 60er Jahren entstehenden Regionalgeschichte beruhte
primär auf der Einführung sozialwissenschaftlicher Fragestellungen. Dabei wurde die
historische Raumtypologie insofern weiterentwickelt, als „Region“ als durch die
Forschungspraxis bestimmtes Feld für den Test sozialgeschichtlicher Theorien
verstanden wurde.1" Die Debatte um den innovativen Anspruch der Regionalge¬150
Wichtige Querschnitte des Forschungsstands liefern: Heinz Gollwitzer, Die politische Landschaft in der
deutschen Geschichte des 19./20. Jahrhunderts. Eine Skizze zum deutschen Regionalismus, in: Zeitschrift
ftir Bayerische Landesgeschichte 27 (1 964), S. 523-552; Franz Petri, Probleme und Aufgaben der Landesgeschichte
in Nordwestdeutschland und in den westlichen Nachbarländern, in: Rheinische Vierteljahresblätter
34 (1970), S. 57-87, sowie die Sammlung älterer Aufsätze: Pankraz Fried (Hg.), Probleme und
Methoden der Landesgeschichte, Darmstadt 1978.
151 Klaus Fehn, Zentrale Aufgaben der Landesgeschichte aus der Sicht des Nachbarfaches „Historische
Geographie“ und des interdisziplinären Arbeitsfeldes „Genetische Siedlungsforschung“, in: Buchholz
(Hg.), S. 61-74.
152 Friedrich Prinz, Regionalgeschichte - Landesgeschichte, in: Gerhard A. Ritter u. Rudolf Vierhaus
(Hgg.), Aspekte der historischen Forschung in Frankreich und Deutschland. Schwerpunkte und Methoden,
Göttingen 1981, S. 202-215, hier: S. 204. Applegate betont besonders das konfliktuelle Verhältnis zu
nationalgeschichtlichen Ansätzen: „The devaluation of regions and their pasts in the nineteenth Century
thus emerged naturally alongside the triunrph of the national historiographies.“, Applegate, Reflections,
S. I 160.
153 Vgl. zu diesem Modell die zusammenfassenden Aufsätze von Franz Irsigler, Raumkonzepte in der
historischen Forschung, in: Alfred Heit (Hg.), Zwischen Gallia und Germania, Frankreich und Deutschland.
Konstanz und Wandel raumbestimmender Kräfte. Vorträge auf dem 36. Deutschen Historikertag
Trier, Trier 1987 (= Trierer Historische Forschungen 12), S. 11-27, sowie ders., Landesgeschichte. Eine
anschauliche graphische Darstellung der verschiedenen Konzepte liefert: Ernst Hinrichs, Zum gegenwärtigen
Stand der Landesgeschichte, in: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte 57 (1985), S. 1-18,
hier: S. 5.
154 Sehr kritisch zum innovativen Anspruch der Kulturraumforschung im Zusammenhang mit der Westraumforschung:
Hans Derks, Deutsche Westforschung. Ideologie und Praxis im 20. Jahrhundert, Leipzig
2001 (= Geschichtswissenschaft und Geschichtskultur im 20. Jahrhundert 4). Zur problematischen Rolle
der landesgeschichtlichen Forschung in der Auseinandersetzung um das Saargebiet in der Zwischenkriegszeit
vgl. Freund, Volk, Reich und Westgrenze, S. 43ff,
155 Ein entscheidender Unterschied zwischen Landes- und Regionalgeschichte ist also darin zu sehen, daß
„Region“ als ein durch eine bestimmte Forschungsperspektive bestimmter Raum zu definieren ist. Vgl.
hierzu den ausgezeichneten Überblick von Göttmann, Raum, hier: S. 43ff. Zuletzt definierte Carl-Hans
Hauptmeyer, Zu Theorien und Anwendungen der Regionalgeschichte. Warum sind Überlegungen zur
Theorie der Regionalgeschichte sinnvoll? Auf welche Weise läßt sich Regionalgeschichte anwenden?, in:
254