entwickelt.1" Damit kann Rohe den schwierigen Weg der SPD in Nordrhein-Westfalen
zur Ablösung der CDU als regional dominanter Partei erklären.1 4 Möglicherweise
ist das im Vergleich dazu schlechte Abschneiden der Saar-SPD auf ihre nicht
zuletzt aus der problembehafteten Vereinigung mit der SPS im Jahr 1956 resultierenden
Organisationsdefizite und weniger auf ihre unzureichende politische Innovationskraft
zurückzuführen.1"
Allerdings stellt Walter Kappmeier gegen die nicht selten kolportierte Sichtweise von
einer kontinuierlichen Dominanz der CDU im Saarland seine These, daß die ungünstigeren
Ergebnisse zur Mitte der 60er Jahre nicht als Ausnahme verstanden werden
sollten. Kappmeier sieht die Zuwächse bei der SPD als Ausdruck der schrittweisen
Reduktion des monopolartigen Erfolgs der CDU bei den Katholiken.133 136 Dieser Hinweis
ist insofern wichtig, als er den Blick für den „Ausbruch“ der S-Parteien aus dem
30%-Ghetto der Nachkriegszeit schärft, der offensichtlich zur Mitte der 60er Jahre
gelungen war. Andererseits ist vor dem Hintergrund der Veränderungen der Wahlbeteiligung
- und auch der Wahlergebnisse bis Ende der 70er Jahre - mit Karsten Rudolph
zu fragen, ob dieser Ausbruch nicht auch die nun endlich gelungene Ausschöpfung
des regionalen Wählerpotentials durch die SPD darstellt.1 ’ Kann also der
Weg der Saar-SPD zur Volkspartei im Rudolphschen Sinne über ihren Beitrag zur
„Regulierungsleistung“ der Politik gegenüber den neuen gesellschaftlichen und
ökonomischen Herausforderungen der 60er Jahre erklärt werden?138 139 Die Antwort
darauf sollte im saarländischen Fall besonders leicht gelingen, stellt doch die im
Umfeld der Wahlen akut gewordene Frage nach Verkehrs Infrastruktur ein in den
Bundesländern besonders wahlkampfwirksames Thema dar.1 4 Möglicherweise sind
133 Sein Grundgedanke lautet, daß auch aus vonnodemen Erklärungsansätzen Deutungen des Strukturwandels
in Form von kontingenten „Weltbildern“ überzeugend entwickelt werden können, und zwar insbesondere
dann, wenn deren Integrationskraft durch geeignete organisatorische Instrumente zur Beeinflussung
der politischen Kommunikation gestärkt wird. Eine Zusammenfassung seiner Analyse findet sich
in: Karl Rohe, Die „verspätete“ Region. Thesen und Hypothesen zur Wahlentwicklung im Ruhrgebiet vor
1914, in: Peter Steinbach (Hg.), Probleme politischer Partizipation im Modemisierungsprozess, Stuttgart
1982, S.231-252.
1 4 Karl Rohe, Vom alten Revier zum heutigen Ruhrgebiet. Die Entwicklung einer regionalen politischen
Gesellschaft im Spiegel der Wahlen, in: ders. u. Herbert Kühr (Hgg.), Politik und Gesellschaft im Ruhrgebiet.
Beiträge zur regionalen Politikforschung, Königstein 1979, S. 21-73.
135 Zu den innerparteilichen Problemen nach der „Kapitulation“ der SPS vgl. Rauls, SPD, S. 71 ff. Die ebd.,
S. 78, vorgetragene Kritik an der fehlenden Aggressivität der Parteiführung zwischen 1961 und 1967
scheint eher die Sichtweise der von Rauls interviewten Zeitzeugen des „Umbruchs“ der späten 60er Jahre
in der SPD zu reflektieren, auf den an anderer Stelle dieser Arbeit noch einzugehen sein w ird. Jedenfalls
ist es vermutlich der Sozialdemokratie im Saarland sehr viel weniger gelungen, ein System von „basisnahen
Stellvertretern“ zu entwickeln, dessen Durchsetzung die Wahlerfolge der SPD im Ruhrgebiet
ermöglich hat, vgl. Nonn, Ruhrbergbaukrise, S. 285ff.
136 Kappmeier, Konfession und Wahlverhalten, S. 73.
13 Karsten Rudolph, Die 60er Jahre - das Jahrzehnt der Volksparteien?, in: Schildt, Siegfried u. Lammers
(Hgg.), Dynamische Zeiten, S. 471 -491, hier: S. 481.
I3!< Ebd., S. 479.
139 Schulz zur Wiesch, Planungspolitik, S. 277.
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