zunächst der Kohlewirtschaft, zunehmend aber auch der Stahlindustrie, sowie die
hundespolitische Entscheidung zur DM-Aufwertung als Auslöser der Debatte. Dabei
war der regionalpolitische Ansatz ambivalent: Einerseits wurde die Förderung bzw.
Benachteiligung des „Saarlandes“ als integrierter Wirtschaftsregion gefordert bzw.
moniert - was z.B. die Bevorteilung auch der Keramischen Industrie des Saarlandes
durch eine Kanalanbindung gerechtfertigt erscheinen ließ -, andererseits besaß die
Konstruktion von Als-ob-Tarifen offenbar eine hohe Attraktivität - möglicherweise
ein Reflex auf den oben erwähnten Umstand, daß die gleichzeitige und pauschale
Verringerung von Transportkosten vom und ins Saarland nicht allen Wirtschaftsvertretern
gleichermaßen wünschenswert erschien.s
Diese inneren Widersprüche sind als Grund dafür anzusehen, daß die frühen Äußerungen
von Regierung und Opposition vor der Öffentlichkeit an Präzision vermissen
ließen. Zwar hatte der Regierungschef bereits in seiner ersten Regierungserklärung
nach der Landtagswahl die „Schaffung eines Anschlusses an die internationalen
Wasserstraßen“ gefordert, einschränkend jedoch darauf hingewiesen, daß diese
sowohl durch den Neubau von Wasserstraßen als auch durch Nutzung von „sonstigen
modernen technischen Mitteln“ erfolgen könne - um dann sofort in die Darstellung
der bisher bereits geleisteten Verbesserungen der Infrastruktur durch die Straßenbauprogramme
abzugleiten.88 Und auch der Wirtschaftsminister formulierte seinen
Redebeitrag in der Debatte zur oben zitierten Anfrage der SPD im Parlament recht
zurückhaltend, wenn er auf die Regierungserklärung und die mittlerweile erfolgte
Entscheidungsfindung in der Regierung verwies. Ein wenig präziser wurde nur die
SPD-Opposition, die „den Kanal durch die Pfalz nach Mannheim ... für die bessere
Lösung“ hielt, ohne sich darauf aber schon definitiv festzulegen. Ihr Ausgangspunkt
war vielmehr die Feststellung: „Wir wissen, daß die Hilfsbereitschaft des Bundes in
dem Maße abnimmt, als wir uns von dem Zeitpunkt der politischen und wirtschaftlichen
Eingliederung entfernen.“84
Einen neuerlichen Anstoß erhielt die parlamentarische Debatte im Jahr 1962, als die
SPD-Fraktion in Absprache mit ihren Oppositionskollegen im rheinland-pfälzischen
Landtag einen Antrag einbrachte, nach dem die Regierungen gemeinsam die
Streckenführung des Kanals endgültig festlegen und die Freihaltung der dafür notwendigen
Gelände sicherstellen sollten. Interessant an diesem Antrag ist vor allem
die dafür vorgebrachte Begründung. Der Abgeordnete Leo Moser rekurrierte zwar
s Besonders kraß tritt diese Widersprüchlichkeit in dem Memorandum: Saarland, Der Minister für
Wirtschaft, Verkehr und Landwirtschaft (Hg.), Verkehrsmaßnahmen, zutage. Der eingeforderte Wasserstraßenanschluß
sollte - so der Gang der Argumentation - die historisch-politischen Benachteiligungen der
besonders förderungswürdigen saarländischen Wirtschaftsagglomeration ausgleichen, um so zur Erreichung
des im EWG-Vertrag vereinbarten, besonders wichtigen „Ausgleichsziels“ beizutragen. Ober die
Widersprüchlichkeit der Argumentation zum Saarland hinaus liegt hier auch noch ein europapolitisches
„Mißverständnis“ vor, bezieht sich das „Ausgleichsziel“ doch gerade auf den regionalen Ausgleich von
ökonomischen Aktivitäten zugunsten wirtschaftlich unterentwickelter Regionen.
88 LTDS, 4. WP, Abt. 1,3. Sitzung v. 17.1.61, S. 23ff.
m Vgl. hierzu die Debatte in LTDS, 4. WP, Abt. 1, 10. Sitzung v, 26.6.61, S. 396ft’„ Zitat S. 397.
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