sichtbar werdenden politischen und adminstrativen Probleme bei der Verwendung der
Gelder. Diese Diskussion gewann eine neue Qualität, als im Zuge der Stagnationskrise
der frühen 60er Jahre die strukturellen Defizite der Saarwirtschaft zusätzliche
Finanzierungsprobleme auslösten. Das hochindustrialisierte und ökonomisch besonders
aktive Wirtschaftsgebiet wurde dadurch zum Empfängerland im föderalen
Finanzausgleich, die Einnahmen des Landes reichten aber trotzdem bei weitem nicht
zur Deckung der notwendigen Ausgaben.44 Darin ist am deutlichsten die Qualität der
Eingliederung des Saarlandes als Herausforderung des bundesdeutschen Föderalismus
zu erkennen; in vollem Umfang sichtbar wurde diese Herausforderung, als gegen
Ende des Jahrzehnts in der Reform der Regionalpolitik nicht nur die Frage der Verteilung
staatlicher Ressourcen, sondern ganz allgemein auch die Koordination staatlicher
Aktivitäten im Zuge einer Neudefinition staatlicher Wirtschaftspolitik vorgenommen
wurde.4"
Eine Herausforderung stellte die Eingliederung aber auch für das politische System
des Saarlandes dar. Zunächst trat diese Herausforderung als Problem der Aufarbeitung
der besonders belasteten Vergangenheit saarländischer politischer Akteure in
Erscheinung.46 48 Seit den ersten Landtagswahlen nach dem Referendum waren die
Gegner des Statuts durch die spiegelbildlich zur weltanschaulichen Gliederung des
bundesdeutschen - und saarländischen - Parteiensystems organisierten, im Heimatbund
lose zusammengeschlossenen Parteien erstmals auch im Parlament vertreten.4
Daß nach dem leidenschaftlich geführten Abstimmungskampf eine sachliche Kooperation
der durch ihre Haltung zur Referendumsfrage getrennten politischen Kräfte
überhaupt möglich werden würde, war nicht von vornherein klar.4* Auch wählten die
44 Vgl. die detaillierte Überblicksdarstellung von Wolfgang Renzsch, Finanzverfassung und Finanzausgleich.
Die Auseinandersetzungen um ihre politische Gestaltung in der Bundesrepublik Deutschland
zwischen Währungsreform und deutscher Vereinigung (1948 bis 1990), Bonn 1991.
45 Gabriele Metzler, Einheit und Konkurrenz im Bundesstaat. Föderalismus in der Bundesrepublik,
1949-2000, in: Thomas Kühne u. Cornelia Rau-Kühne (Hgg.), Raum und Geschichte. Regionale Traditionen
und föderative Ordnungen von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart, Leinfelden-Echterdingen 2001
(= Schriften zur südwestdeutschen Landeskunde 40), S. 232-256.
46 Sehr deutlich wird diese Belastung in den Memoiren der beiden Protagonisten Fleinrich Schneider, Das
Wunder an der Saar. Ein Erfolg politischer Gemeinsamkeit, Stuttgart 1974 und Johannes Hoffmann, Das
Ziel war Europa. Der Weg der Saar 1945-1955, München 1963. Im Kontext der Vorgeschichte des
Referendums in der Zwischenkriegszeit: Armin Flender, Öffentliche Erinnerungskultur im Saarland nach
dem Zweiten Weltkrieg. Untersuchungen über den Zusammenhang von Geschichte und Identität, Baden-Baden
1998 (= Schriftenreihe des Instituts für Europäische Regionalforschungen 2).
47 Wilfried Loth, Der saarländische Sonderweg im Licht der neueren Forschung, in: Hudemann, Jellonnek
u. Rauls (Hgg.), Grenz-Fall, S. 81-95, hier: S. 95, spricht dagegen von einem „doppelten Elitenwechsel“:
„Die Unterlegenen von 1935 waren die Sieger von 1945, und die Unterlegenen von 1945 gehörten zu den
Siegern von 1955.“
48 Schon seit spätestens 1952 hatten sich parallel zu dem weltanschaulich getrennten Parteiensystem des
Saarlandes (Christliche Volkspartei, CVP, Sozialdemokratische Partei des Saarlandes, SPS, und demokratische
Vereinigung bzw. dann Demokratische Partei des Saarlandes, DPS) prodeutsche „Spiegelstrich-Parteien“
gebildet (CDU, Deutsche Sozialdemokratische Partei, DSP bzw. dann SPD), die sich im
Abstimmungskampf gemeinsam mit der DPS zum sogenannten Heimatbund zusammenschlossen. Einen
Überblick hierzu bieten die einschlägigen Artikel in Richard Stöss (Hg.), Parteien-Handbuch. Die Parteien
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