turwandel eher problematisch ansieht.66 68 Auch diesen Kontext strukturiert der Streit
zwischen Landesregierung und Vorstand der Saarbergwerke. Hier überschnitt sich
nicht nur öffentlichkeitswirksam die Investitionspolitik der Saarbergwerke mit dem
traditionell stark projektorientierten Ansatz der Wirtschaftspolitik des Landes, sondern
er markiert auch eine Veränderung der allgemeinen Wirtschaftspolitik. Indem
sich der Wirtschaftsminister nach 1963 verstärkt hinter den in der parlamentarischen
Debatte mit regionalpolitischen Aspekten angereicherten Generalplan stellte, trat
dieser Plan an die Stelle des von der Opposition über Jahre hinweg eingeforderten
allgemeinen Wirtschaftsplans für das Saarland.6' Bis zur ersten Regierungserklärung
nach der Landtagswahl von 1965 hatte sich dieser Wandel so weit verfestigt, daß der
neugewählte Ministerpräsident formulieren konnte: „Die Regierung sieht es als eine
ihrer wichtigsten Aufgaben an, die Verwirklichung des Generalplans nachhaltig zu
unterstützen.“6ii Darin kann der Versuch erkannt werden, die Saarbergwerke AG zu
einer Art „regionalen Modernisierungsagentur“69 70 zu entwickeln. 11 Dies ist besonders
deshalb interessant, weil die ambitionierten Projekte des Generalplans als eigenständiges
Entwicklungsprogramm des Landes die finanziellen Möglichkeiten seiner
Haushaltspolitik bei weitem überfordert hätten. Die staatliche Konstruktion des
Bergbaus an der Saar stellt daher nicht nur eine im Vergleich z.B. zum Ruhrgebiet in
gewisser Hinsicht fortschrittliche Organisationsform dar, sondern letztlich wurden im
Saarland von ihrem Umfang her eigentlich regionalpolitische Projekte in korporativer
Zusammenarbeit und in Kofinanzierung - im Verhältnis 1:3- zwischen Saarland und
Bund als Anteilseigner durchgeführt.
66 Vgl. die griffige Darstellung dieses Gedankengangs bei Grabher, Wachstums-Koalitionen.
67 Sehr deutlich wird diese Wendung in der Rede Huthmachers in: LTDS, 4. WP, Abt. I, 55. Sitzung v.
27.1.65, S. 2040.
68 LTDS, 5. WP, Abt. I, 2. Sitzung v. 19.7.65, S. 12.
69 Verstärkte Aufmerksamkeit erhielt auch das Vorhaben, gemeinsam mit der Wirtschaft des benachbarten
Lothringen im Projekt der Saar-Lor-Chemie die Kohleindustrie der Großregion zu diversifizieren und auf
Dauer lebensfähig zu machen. Vgl. hierzu die überaus optimistischen Erwartungen auf'Seiten der Saarbergwerke:
Hubertus Rolshoven, Wirtschaftsgrundlagen im Montandreieck Saar-Lothringen-Luxemburg,
Saarbrücken 1965. Interessant ist auch der Vergleich zu regionalpolitischen Strategien im Bereich der
Energiepolitik in den 80er Jahren, siehe: Gerhard Jochum, Der Beitrag von Regionalunternehmen bei der
Realisierung örtlicher Energiekonzepte: Das Beispiel der Vereinigten Saar-Elektrizitäts-AG, in: Informationen
zur Raumentwicklung H. 6/7 (1990), S. 391 -395.
70 Diese Sichtweise setzte sich sehr schnell in der veröffentlichten Meinung durch, vgl. Arbeitskammer des
Saarlandes (Hg.), Entschließung der Vertreterversammlung der Arbeitskammer des Saarlandes vom 15.
Juli 1963 betreffend die Wirtschaftslage des Saarlandes und die hieraus zu ziehenden Folgerungen, o.O.
o.J. (Saarbrücken 1963), bzw. den Kommentar hierzu in: Die Entschließung der Vertreterversammlung der
Arbeitskammer des Saarlandes vom 15. Juli 1963 betreffend die Wirtschaftslage des Saarlandes und die
hieraus zu ziehenden Folgerungen, in: Die Arbeitskammer. Zeitschrift der Arbeitskammer des Saarlandes
I I (1963), S. 193-195, wo es auf S. 193 heißt: „Darüber hinaus ergeben sich im Saarland besondere
Möglichkeiten, die Strukturauflockerung voranzutreiben, durch das Vorhandensein der unter Kapitaleinfluß
von Bund und Land stehenden Saarbergwerke AG.“
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