Full text : Das Saarland im doppelten Strukturwandel 1956 - 1970

der  Mineralölwirtschafi  zur  Verbesserung  der  Rentabilität  des  Unternehmens  vorgesehen.*
 5'1
Obwohl  sich  die  eingeleiteten  Maßnahmen  von  Regierungs-  und  Unternehmensseite
ergänzten  und  aufeinander  abgestimmt  waren,  führten  sie  zunächst  zu  einer  weiteren
Verschärfung  der  politischen  Probleme.  Schon  im  Plenum  des  Landtages  wurde  der
Generalplan  anfangs  skeptisch  aufgenommen,  weil  durch  die  darin  vorgesehenen
weiteren  Rücknahmen  der  Fördermengen  und  vor  allem  durch  den  Arbeitsplatzabbau
erhebliche  Rückwirkungen  auf  die  Landespolitik  befürchtet  wurden.56  Aber  auch  die
allgemeine  Wirtschaftspolitik  der  Landesregierung  wurde  von  diesen  Plänen  tangiert.'
  Besonders  deutlich  wurde  das  spannungsreiche  Verhältnis  zwischen  Regierungsaktivitäten
  und  Unternehmenspolitik  an  einem  skandalträchtigen  Vorgang  Anfang
  des  Jahres  1964.  Im  Vorjahr  hatten  sich  die  Regierungsvertreter  im  Aufsichtsrat
  -  im  Unterschied  zu  denen  der  Bundesregierung  -  gegen  die  vom  Vorstand  der
Saarbergwerke  geplante  Beteiligung  an  einem  Betrieb  der  metallverarbeitenden
Industrie58  ausgesprochen.  Dem  lag  der  Gedanke  zugrunde,  der  Diversifizierung  des
Unternehmens  nur  insoweit  zustimmen  zu  wollen,  als  sie  in  Bereichen  erfolgte,  die  in
„organischem  Zusammenhang  ...  mit  der  ureigensten  Aufgabe  der  SBW,  nämlich  der
Gewinnung,  Verwertung,  Veredelung  und  dem  Absatz  von  Kohle“  standen.  Als
Grund  dafür  nannten  Regierungsvertreter,  daß  wegen  des  hohen  Bedarfs  an  „Fremdmitteln“
  -  gemeint  waren  hier  die  Finanztransfers  der  öffentlichen  Hand  -  eine  Beteiligung
  „an  einem  anderen  Unternehmen  ...  schwerlich  zu  rechtfertigen  sei“,  selbst
wenn  diese  Investition  „eine  gute  Verzinsung“  verspreche.  Trotzdem  wurde  diese
Frage  vom  Vorstand  der  Saarbergwerke  zur  Entscheidung  gebracht,  wodurch  die
Ablehnung  der  Vertreter  der  Landesregierung  sowohl  als  Affront  gegenüber  den
zustimmungswilligen  Vertretern  des  Bundes  als  auch  als  Zweifel  an  der  „Bonität“  des
Mutterkonzerns  des  zu  übernehmenden  Betriebes  interpretiert  wurde.54  Für  die
Landesregierung  waren  diese  Vorgänge  nicht  nur  deshalb  unangenehm,  weil  die

“  Vgl.  hierzu  die  Zusammenfassungen  der  Zielsetzungen  bei:  Dörrenbächer,  Entwicklung,  S.  202ff;
Seyler,  Auswirkungen,  S.  11  ff.  Eine  umfassende  Einordnung  der  Generalpläne  in  die  Unternehmensstrategie
  gibt  Peter  Dörrenbächer,  Unternehmerische  Anpassungsprozesse.  Ein  industriegeographisches
Arbeitsmodell,  dargestellt  am  Beispiel  der  Saarbergwerke  AG,  Saarbrücken  1992  (=  Arbeiten  aus  dem
Geographischen  Institut  der  Universität  des  Saarlandes  38),  hier  bes.  S.  68-74.
56  Vgl,  die  schon  im  Februar  1963  sehr  kritischen  Äußerungen  von  Friedrich  Regitz  (SPD)  in:  LTDS,  4.
WP,  Abt.  1,31.  Sitzung  v.  6.2.63,  S.  1209.
5'  „Der  Generalplan  der  Saarbergwerke  wäre  eine  unzumutbare  Belastung  für  weite  Bevölkerungskreise,
wenn  er  isoliert  zur  Durchführung  gelangen  würde.“  Norbert  Engel,  Die  Folgen  meistern,  in:  Die  Arbeitskammer.
  Zeitschrift  der  Arbeitskammer  des  Saarlandes  11  (1963),  S.  97-98,  hier:  S.  98.
i!<  Der  in  Rede  stehende  Betrieb  ist  vorher  bereits  mehrfach  Gegenstand  von  Erörterungen  im  Kabinett
sowie  von  Kredit-  und  Bürgschaftsleistungen  des  Landes  gewesen,  vgl,  LASB  StK  Kabinettsregistratur,
Anlage  MW,  Kabinettsvorlage  Wirtschaftsministerium  v.  23.11.59,  sowie  LASB  StK  1728,  Kabinettsprotokoll
  v.  15.5.62.  Die  Errichtung  der  Produktionsstätte  im  nördlichen  Saarland  fügte  sich  nahtlos  in  die
oben  beschriebene  Förderkonzeption  des  Landes  ein.
~9  Vgl,  die  umfangreiche  Materialsammlung  zu  diesem  Vorgang  in:  LASB  StK  Kabinettsregistratur,
Anlage  MW,  Kabinettsvorlage  Wirtschaftsministerium  v.  30.4.64.

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