Unternehmens jedoch weiterhin schwach. Das Dilemma von Kohlepolitik im Saarland
und Unternehmenspolitik der Saarbergwerke AG läßt sich verkürzt als „Rationalisierungställe“
beschreiben: Da die Umstellung der Förderung auf kapitalintensivere
Formen des mechanisierten Bergbaus hohe Investitionen erforderte,
wurden die erhofften positiven Auswirkungen der Personaleinsparungen auf das
Betriebsergebnis weitgehend kompensiert.46 Außerdem wirkte sieh die ungünstige
Sorten- und Kostenstruktur der Saarbergwerke aus. Daß ausgerechnet die eigentlich
erlösgünstigsten Kohlearten in den Anlagen gefördert wurden, die die ungünstigste
Kostenstruktur aufwiesen, belastete die Unternehmensbilanz zusätzlich.4^ Aus diesen
Gründen drohte die ursprünglich konzipierte Anpassungspolitik der Saarbergwerke,
die, basierend auf der speziellen Standortsituation und auf den langfristigen Absatzgarantien
aus dem Saarvertrag, eine Gesundung der Steinkohlenförderung durch
Rationalisierungsmaßnahmen vorsah, bereits früh zu scheitern.48
In politischer Perspektive stellte sich die Problemlage nicht weniger kompliziert dar.
Noch in den 50er Jahren hatte im Saarland wie in Deutschland das primäre Ziel der
Kohlepolitik in einer Ausweitung der Fördermengen bestanden, deren wirtschaftspolitische
Vorteile die auch damals anfallenden hohen Subventionslasten akzeptabel
erschienen ließen.44 Vor allem die veränderten energiepolitischen Rahmenbedingungen
erforderten seit Ende des Jahrzehnts aber eine Rückführung der Produktion. Wie
bereits erwähnt, hatte die Landesregierung gegen Ende der Übergangszeit diesbezüglich
der Unternehmenstührung der Saarbergwerke ihre politische Unterstützung
zugesagt, ln der Landespolitik führte die „Rationalisierungsfalle“ somit dazu, daß
aufgrund der weiterhin ungünstigen Entwicklung ihres Betriebsergebnisses die
Saarbergwerke als mit weitem Abstand größtes Unternehmen des Landes praktisch
keine Ertragssteuern zahlten,Ml während gleichzeitig die Steuereinnahmen aus den für
46 Zum im Bergbau außerordentlich komplizierten Zusammenhang zwischen Fördermenge und Gesamtkosten
im Saarland und den daraus erwachsenden Dispositionsproblemen vgl. Edgar Zahler, Empirische
Untersuchung über den Gesamtkostenverlauf in den Grubenbetrieben des Saarbergbaus, Saarbrücken
1968.
47 Arbeitsgemeinschaft deutscher wirtschaftswissenschaftlicher Forschungsinstitute e.V. (Hg,), Entwicklung,
S. 97.
4!' Vgl. zur frühen Strukturwandelkonzeption die programmatische Darstellung der Unternehmenspolitik
durch den Vorstandsvorsitzenden auf dem deutschen Steinkohletag in: Rolshoven, Steinkohlenbergbau.
49 Vgl. hierzu mit ausführlichen Zahlenangaben zur Subventionspolitik von Bund und Ländern: Demetre
Zavlaris, Die Subventionen in der Bundesrepublik Deutschland 1951 bis 1963. Eine Untersuchung ihres
Umfangs, ihrer Struktur und ihrer Stellung in der Finanz- und Volkswirtschaft, Berlin 1969, bes. S. 80ff.
Zur Einordnung in die Energiepolitik der Bundesrepublik siehe: Jens Hohensee u. Michael Salewski
(Hgg.), Energie - Politik - Geschichte. Nationale und internationale Energiepolitik seit 1945, Stuttgart
1993 (= Historische Mitteilungen der Ranke-Gesellschaft Beiheft 5); Jürgen Meinert, Strukturwandlungen
in der westdeutschen Energiewirtschaft. Die Energiepolitik der Bundesregierung von 1950 bis 1977 unter
Berücksichtigung internationaler Dependenzen, Frankfurt a.M. 1980; Albrecht Mulfinger, Auf dem Weg
zur gemeinsamen Mineralölpolitik. Die Interventionen der öffentlichen Hand auf dem Gebiet der Mineral-Ölindustrie
in Hinblick auf den gemeinschaftlichen Mineralölmarkt, Berlin 1972 (= Volkswirtschaftliche
Schriften 188).
"" Dieser Aspekt wurde ab Anfang der 60er Jahre verstärkt problematisiert, vgl. hierzu z.B. die Debatte um
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