1962.” Auf Antrag der Fraktionen von SVP und SPD wurde der saarländische
Landtag am 2. Mai 1962 zu einer Sondersitzung einberufen, in der Redner dieser
beiden Fraktionen den Unmut der Bergleute in Form von Angriffen gegen die Landesregierung
und die ihrer Meinung nach unzulängliche Kohlepolitik zu kanalisieren
wußten. Die Landesregierung argumentierte demgegenüber sehr defensiv und griff
zunächst die Forderung, der Bergmannsberuf habe aufgrund seiner spezifischen Anforderungen
das Recht, an der „Spitze der Lohnpyramide“ zu stehen, als eigene
Besehlußlage auf. 4 Zwölf Tage später hatte der Ministerpräsident die Lage dann
jedoeh wieder fest im Griff. Erneut trat der Landtag zusammen, um in einer Regierungserklärung
die Erfolge der Vermittlungstätigkeit des Regierungschefs zur Kenntnis
zu nehmen. Röder ließ keinen Zweifel daran, daß sein persönliches Engagement
und das seiner Regierung bei den Tarifparteien und der Bundesregierung einen
tragfähigen Kompromiß möglich gemacht habe;” auch die Presse war weitgehend
diesem Bild des Ministerpräsidenten als dem entscheidenden Schlichter gefolgt.* 36 37 Um
diesen Effekt weiter zu verstärken, wurden auch alle Möglichkeiten der Mediendemokratie
genutzt:3 ln einer heftigen Geschäftsordnungsdebatte setzte die Regierungskoalition
mit ihrer „Kanzlermehrheit“ durch, daß die Aussprache zu dieser Regierungserklärung
auf die nächste Sitzung vertagt wurde. Das hatte zur Folge, daß in der
Fernsehberichterstattung über die für die politische Begleitung des Tarifkonflikts
” Selbst im nationalen Vergleich war dieser Konflikt bedeutend: An dem sich um die Tariflrage entzündenden
Streik waren 36.836 Personen beteiligt, es kam zu 257.851 Ausfalltagen. Damit war dies der mit
Abstand größte Streik in diesem Jahr in der ganzen BRD und v.a. der einzige nennenswerte im Bereich
Bergbau, vgl, Hasso Spode, Heinrich Volkmann, Günter Morsch u. Rainer Hudemann (Hgg.), Statistik der
Arbeitskämpfe in Deutschland. Deutsches Reich 1936/37, Westzonen und Berlin 1945-1948, Bundesrepublik
Deutschland 1949-1980, St. Katharinen 1992 (= Quellen und Forschungen zur historischen Statistik
von Deutschland 15), S. 453. Werner Abelshauser bezeichnet den Streik als einen „der großen gewerkschaftlichen
Streiks 1950-63“, vgl. Abelshauser, Die Langen Fünfziger, S. 83.
34 Der Ministerpräsident stellte dies als Leitgedanke seiner Politik dar, vgl. LTDS, 4. WP, Abt. I, 20.
Sitzung v. 2.5.62, S. 763, und berief sich dabei auch auf einen Kabinettsbeschluß - ohne zu erwähnen, daß
dieser Beschluß am gleichen Tag gefallen war, vgl. LASB StK 535, Anlage MW, Kabinettsvorlage
Wirtschaftsministerium v. 2.5.62. Die Rede Röders war offenbar eng abgestimmt mit dem Debattenbeitrag
von Werner Scherer, der den Tarifkonflikt von der Frage der prozentualen Erhöhung der Gehälter auf die
Ebene der Lohnstruktur im Verhältnis von Übertage- und Untertagelöhnen hob und damit eine Verhandlungslösung
vorbereitete.
" LTDS, 4. WP. Abt. I, 21. Sitzung v. 14.5.62, S. 782ff. Eru in Müller (SVP) mußte gar konstatieren, daß
Röder aufgrund seiner Vermittlungsleistung „in den Himmel gehoben“ worden sei, LTDS, 4. WP, Abt. I,
22. Sitzung v. 15.5.62, S. 800.
36 Vgl. hierzu die Berichterstattung der Saarbrücker Zeitung am 5., 8. und 11.5.62, jeweils S. 1. Alle
Aufmacher auf S. 1 tragen das Wort „Röder“ als Subjekt in der Überschrift.
37 Umfassend zur Frage der Parlamentsberichterstattung: Gregor Mayntz, Zwischen Volk und Volksvertretung.
Entwicklung, Probleme und Perspektiven der Parlamentsberichterstattung unter besonderer
Berücksichtigung von Fernsehen und Deutschem Bundestag, (Diss.) Bonn 1992, mit einem vergleichenden
Teil zur Geschichte der Rundfunkübertragungen in den einzelnen Bundesländern, zum Saarland hier bes.
S. 305. Die Koordination dieser Maßnahme übernahm die Staatskanzlei, vgl. hierzu auch die Analyse der
Entwicklung der Staatskanzleien zu „supraministeriellen Institutionen“ in: Peter Altmeier (Hg.), Die
Staatskanzlei. Aufgaben, Organisation und Arbeitsweise auf vergleichender Grundlage, Berlin 1967 (=Schriftenreihe
der Hochschule Speyer 34), hier: S. 54.
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