Full text : Das Saarland im doppelten Strukturwandel 1956 - 1970

Differenz  der  Wachstumsraten  der  industriellen  Nettoproduktion  gegenüber  1958
von  Bundesrepublik  und  Saarland  in  Prozentpunkten

"  '  Gesamte  Industrie  [  J  Bergbau
Grundstoff-  und  Produktionsgüterindustrie  Ц  Investitionsgüterindustrie
Verbrauchsgüterindustrie  Щ  Bauhauptgewerbe
Lesebeispiel:  Das  saarländische  Bauhauptgewerbe  blieb  in  seinen  Wachstumsraten  besonders  stark
gegenüber  dem  der  Bundesrepublik  zurück.  Quelle:  Eigene  Berechnungen.  Stat.  Amt  d.  Saarl.  (Hg.),
Statistisches  Handbuch  für  das  Saarland  1963,  Saarbrücken  1963,  S.  134.

angesichts  struktureller  Probleme  geradezu  in  „Resignation“  zu  verfallen.1'  Als
besonders  taugliches  Argument  erwies  sich  dabei  der  Hinweis  auf  die  Stagnation  der
Beschäftigtenzahlen  im  Saarland,  die  als  direkte  Auswirkung  der  „stationären“  und
„zurückhaltenden“  Wirtschaftspolitik  insbesondere  des  Wirtschaftsministers  Eugen
Huthmachers  dargestellt  wurde  und  die  sich  auch  in  einer  spürbaren  Benachteiligung
bestimmter  Landesteile  niederschlug.* 14 *  Zwar  konnte  dagegen  eingewandt  werden,
daß  die  Gefahr  einer  auch  nur  teilweisen  „Verödung“  des  Saarlandes  als  gering
anzusehen  sei1'  und  daß,  nach  nationalen  Vergleichsmaßstäben  gemessen,  nicht

bewußt;  man  kann  geradezu  von  einer  Inszenierung  der  „Planidee“  als  Ausdruck  einer  modernen  Form  von
Politik  durch  die  SPD  sprechen.  „Es  gibt  ein  Wort,  das  kann  man  nur  mit  der  größten  Vorsicht  in  den
Mund  nehmen.  Dieses  Wort  heißt:  ,Planung'.“,  Rudolf  Recktenwald  (SPD)  in:  LTDS,  4.  WP,  Abt.  I,  16.
Sitzung  v.  30.1.62,  S.  690.
13  LTDS,  4.  WP,  Abt.  I,  27.  Sitzung  v.  7.1  1.62,  S.  1024.
14  LTDS,  4.  WP,  Abt.  I,  29.  Sitzung  v.  18.12.62,  S.  1160.  LTDS,  4.  WP,  Abt.  I,  31.  Sitzung  v.  6.2.63,
S.  1213.  Die  SPD  bemängelte  dabei  insbesondere  die  regionalen  Verschiebungen  in  der  Entwicklung  der
Erwerbsquote,  die  im  Zurückfallen  der  ehemals  stark  industrialisierten  Kreise  Saarbrücken-Land  und
Ottweiler  und  im  weiterhin  „hoffnungslos  rückständigen“  Kreis  St.  Wendel  gut  sichtbar  wurden.  Vgl.
hierzu  auch:  Paul  Jost,  Raumordnung  heute.  Ihre  Notwendigkeit  in  der  sozialen  Marktwirtschaft,  in:  Die
Arbeitskammer.  Zeitschrift  der  Arbeitskammer  des  Saarlandes  10  (1962),  S.  358-363.
|s  So  Eugen  Huthmacher:  „Die  Regierung  des  Saarlandes  ist  nicht  der  Auffassung,  daß  der  Wirtschaffsraum
  Neunkirchen  -  St.  Wendel  Gefahr  läuft,  wirtschaftlich  zu  veröden.“,  LTDS,  4.  WP,  Abt.  I,  33.
Sitzung  v.  8.5.63,  S.  1288.

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