Full text : Das Saarland im doppelten Strukturwandel 1956 - 1970

zeit  eher  verzögerte  Umorientierung  vieler  saarländischer  Unternehmen  zurückgetlihrt
  werden.  Ab  der  Mitte  der  ersten  Hälfte  der  60er  Jahre  spitzten  sich  diese  Probleme
  soweit  zu,  daß  die  haushaltspolitische  Handlungsunfähigkeit  drohte.  Ähnlich  wie
die  Landespolitik  waren  davon  die  Kommunen  tangiert.  Die  Überforderung  der
saarländischen  Städte  und  Gemeinden  mit  den  im  Zuge  der  Eingliederung  zu  bewältigenden
  Investitionen  führte  aber  nicht  nur  zu  einer  dramatisch  ansteigenden  Verschuldung,
  sondern  verschärfte  auch  bestehende  Stadt-Umland-Konflikte  und  verdeutlichte
  die  Dysfunktionalität  der  historisch  gewachsenden  Verwaltungsgliederung
im  Saarland.  Davon  war  die  Stadt  Saarbrücken  besonders  stark  betroffen,  deren
unbewältigbar  erscheinende  Probleme  bereits  zu  Anfang  der  60er  Jahre  eine  wissenschaftliche
  Debatte  über  Neuordnungs-  und  Reformvorschlägen  auslösten.
In  der  auf  landespolitischer  Ebene  geführten  Diskussion  über  die  angemessene
Bewertung  und  Lösung  dieser  Probleme  kam  größte  Bedeutung  der  von  der  Landespolitik
  erworbenen  Erfahrung  zu,  daß  die  -  durchaus  erfolgreich  -  zur  Überwindung
  der  Probleme  der  Übergangszeit  initiierten  Maßnahmen  die  aktuellen
Schwierigkeiten  eher  noch  vergrößerten.  Die  Fundierung  der  Altschulden  und  der
Abbau  der  zum  „Schattenhaushalt“  aufgeblähten  Haushaltsreste  führte  zu  einer
dramatischen  Verschuldung  des  Landesetats.  Die  immer  drängender  werdenden
finanziellen  Schwierigkeiten  des  Landes  wurden  aber  recht  bald  auch  als  wirtschaftsstrukturelles
  Problem  erkannt.  Ansatzweise  wurde  eine  Umorientierung  der  Landespolitik
  eingefordert,  die  durch  strukturwirksame  Maßnahmen  auch  die  Finanzprobleme
  lösen  sollte.  Genauso  konnte  allerdings  aus  der  Finanzkrise  mit  guten
Argumenten  zungsten  einer  Stärkung  des  Montankerns  und  damit  einer  Beibehaltung
der  tendenziell  strukturkonservativen  Grundlinie  der  Wirtschafts-  und  Strukturpolitik
aus  der  Übergangszeit  plädiert  werden.  Die  Komplexität  der  Perzeption  von  Problemen
  als  regionaler  Strukturwandel  zeigt  sich  eher  noch  deutlicher  in  der  wissenschaftlichen
  Diskussion.  Im  saarländischen  Gutachterstreit  bestand  zwar  Einigkeit
zwischen  allen  Kontrahenten  darüber,  daß  eine  Modernisierung  der  Verwaltungsstrukturen
  als  notwendige  Voraussetzung  für  die  Bewältigung  der  aus  den  wirtschaftsstrukturellen
  Veränderungen  resultierenden  neuen  Aufgaben  anzusehen  sei;
insofern  waren  in  diesem  Bereich  die  größten  konzeptionellen  Fortschrtitte  erzielt
worden.  Die  konkreten  Vorschläge  zur  Umsetzung  dieser  Neuordnung  unterschieden
sich  jedoch  stark  und  sprachen  außerdem  einen  partei-  und  machtpolitisch  besonders
sensiblen  Gegenstand  an.
Die  vielfältigen  administrativen,  wirtschaftlichen  und  finanziellen  Probleme  der
Stagnationskrise  nach  der  Eingliederung  wurden  daher  im  Saarland  zu  Anfang  der
60er  Jahre  durchaus  als  Probleme  des  regionalen  Strukturwandels  perzipiert;  zusätzlich
  zu  den  konzeptionellen  Fragen  traten  aber  insbesondere  in  der  Kommunalpolitik
des  Landes  Schwierigkeiten  hinzu,  die  in  die  Konflikt-  und  Problemstellungen  der
Teilautonomie  zurückwiesen.  Aus  Perspektive  des  Landes  standen  die  wachsenden
Schwierigkeiten  bei  der  Finanzausstattung  der  Kommunen,  die  in  der  politischen

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