Full text : Das Saarland im doppelten Strukturwandel 1956 - 1970

selten  die  zögerliche  und  eher  zu  wenig  intensive  Nutzung  der  Möglichkeiten  des
Landes  in  der  Planungsgesetzgebung  kritisiert  wird.156
Diese  inneren  und  äußeren  Widersprüche  kennzeichneten  auch  die  weitere  Geschichte
  dieses  Gesetzes.  Obwohl  die  Arbeiten  an  einem  Industrieflächenatlas  und  an
verschiedenen  anderen  Kartenwerken  sehr  bald  schon  beginnen  konnten,  gestaltete
sich  offenbar  die  personelle  Ausgestaltung  der  zuständigen  Behörden157  und  Expertengremien
  recht  schwierig.158  Und  auch  die  Frage,  welche  Konsequenzen  aus  dem
neuen  Instrument  der  Politik  für  die  kommunalen  Finanzen  zu  ziehen  seien,  spaltete
das  Parlament.  Insbesondere  die  im  Jahr  1964  diskutierte  Erhöhung  des  Ausgleichsstocks
  um  5  Prozentpunkte  zu  Lasten  der  Schlüsselzuweisungen  wurde  unter  diesem
Aspekt  heftig  diskutiert.  Während  die  SPD  darauf  hinwies,  daß  die  Reform  ihres
früheren  Innenministers  gerade  darin  bestanden  habe,  den  Ausgleichsstock  zu  reduzieren
  und  damit  den  Gemeinden  mehr  Spielraum  für  eigene  Entscheidungen  zu
geben,  konterte  die  CDU  damit,  daß  Landesplanungspolitik  nur  dann  sinnvoll  sein
könne,  wenn  auch  entsprechende  Spielräume  zur  plankonformen  Mittelverteilung
bestünden:  „Wie  wollen  Sie  [die  Vertreter  der  SPD]  denn  eine  gezielte  Raumordnungspolitik
  im  Lande  betreiben,  wenn  Sie  dem  Herrn  Innenminister  nicht  die  Möglichkeit
  geben,  auf  verschiedenen  Gebieten  gezielt  Mittel  in  das  Land  hineinzugeben;
zum  Beispiel  dann,  wenn  eine  Gemeinde  nicht  in  der  Lage  ist,  irgendwelche  Maßnahmen
  auf  dem  Gebiet  der  Infrastruktur  durchzuführen,  die  wir  aber  vom  Lande  her
durchführen  wollen.“159
1.3 Zusammenfassung
An  die  Eingliederung  des  Saarlandes  in  die  Bundesrepublik  schloß  sich  eine  wirtschaftliche
  Stagnation  an,  die  eine  Vielzahl  von  Problemen  in  den  unterschiedlichsten
Politikbereichen  auslöste.  Insofern  dies  auf  Defizite  bei  der  Ausgestaltung  des  Eingliederungsvorgangs
  zurückgeführt  werden  kann,  bestätigt  sich  darin  die  These  von
der  über  die  Eingliederung  im  engeren  Sinne  hinausreichenden  Übergangszeit.
Besonders  deutlich  wird  dies  an  den  Problemen  der  Haushaltspolitik  des  Landes,  die
aus  dem  nach  1955  zwar  angestrebten,  aber  aufgrund  der  besonderen  Konstruktion
der  finanziellen  Beziehungen  zwischen  der  Bundesrepublik  und  dem  Saarland  letztlich
  weitgehend  ausgebliebenen  Abbau  der  Verschuldung  aus  der  Zeit  der  Teilautonomie
  resultierten.  Auch  die  ungünstige  Entwicklung  der  ökonomischen  Rahmendaten
  konnte  zumindest  teilweise  auf  die  durch  die  Konstruktion  der  Übergangs¬Vgl.

  z.B.  Jost,  Entwicklung,  S.  248.  Dieser  Punkt  ist  auch  bei  der  Beurteilung  des  Verhältnisses  von
Regierung  und  Parlament  interessant:  Im  Gegensatz  zur  saarländischen  Vorgehensweise  war  in  Nordrhein-Westfalen
  die  Novelle  der  Landesplanung  auf  Initiative  des  Parlaments  hin  erfolgt,  was  Gruber,
CDU-Landtagsfraktion,  S.  166-188,  als  Beleg  für  die  bedeutende  Kontrollfunktion  des  Landtags  ansieht.
'  Vgl.  hierzu  das  Problem  der  Regierung  bei  der  Besetzung  der  Stelle  eines  Referenten  für  Landesplanung
  in:  LASB  StK  1736,  Kabinettsprotokoll  v.  9.2.65.
Minister  des  Inneren  (Hg.),  Raumordnung,  S.  2.  Vgl.  hierzu  auch  die  Debatte  in:  LTDS,  4.  WP,  Abt.  I,
59.  Sitzung  v.  25.3.65,  S.  21181T.  Der  Landesplanungsbeirat  wurde  erst  am  19.5.65  berufen.
159 So  Helmut  Bulle  in:  LTDS,  4.  WP,  Abt.  I,  49.  Sitzung  v.  8.7.64,  S.  1846.

214
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.