1.2.2 Der regionale Strukturwandel im Saarland als Problem von Landesplanung
und Raumordnung
Eher noch komplizierter gestalteten sich die frühen Versuche zur Verarbeitung der
aus dem regionalen Strukturwandel resultierenden Probleme durch die politische
Bürokratie im Saarland. Auch hierbei stand die Frage nach der Einbindung der
kommunalen Ebene in die Landespolitik lange im Vordergrund. Ähnliches galt für
die Bundesrepublik, wo schon in der unmittelbaren Nachkriegszeit das Wiederingangsetzen
der Wirtschall und der Wiederaufbau vor allem für die Länder eine
zentrale politische Herausforderung darstellten, während die Errichtung einer zentralen
und ressortübergreifenden Planung ausblieb.126 Erst die Gründung des Interministeriellen
Ausschusses für Notstandsgebiete (IMNOS) im Jahr 1950 war ein
wesentlicher Schritt, mit dessen Hilfe auf Bundesebene regionalpolitische Maf3-nahmen
- hauptsächlich für die Zonenrandgebiete - organisiert w'erden sollten.12 Vor
allem unter Verwendung von Kreditprogrammen, die überwiegend dem Ausbau der
„unternehmensnahen Infrastruktur“ sowie einzelnen Unternehmen zugute kamen,
sollten die gröbsten Probleme in diesen Gebieten überwunden werden.128 Im Saarland
war die Situation in der Nachkriegszeit durch das komplizierte Verhältnis zwischen
Besatzungsmacht, teilautonomer Landesregierung und mit besonders schwerwiegenden
Kriegszerstörungen konfrontierten Gemeinden keinesfalls weniger komplex
strukturiert. Zunächst engagierte sich die französische Besatzungsmacht im Kontext
ihrer mit weitreichenden Hoffnungen konzipierten Saar-Politik stark im Wiederaufbau.12''
Das hierzu eigens installierte Architektenteam legte zwar keine landesplanerisch
ausgerichtete Gesamtplanung für das Saarland vor,130 versuchte anfangs
60er Jahren begann.
126 Zur Geschichte von Raumforschung und Landesplanung in Deutschland vgl.: Josef Umlauf, Zur
Entwicklungsgeschichte der Landesplanung und Raumordnung, Hannover 1986 (= Veröffentlichungen der
Akademie für Raumforschung und Landesplanung 90); Akademie für Raumforschung und Landesplanung
(Hg.), Zur geschichtlichen Entwicklung der Raumordnung, Landes- und Regionalplanung in der Bundesrepublik
Deutschland, Hannover 1991 (= Akademie für Raumforschung und Landesplanung, Forschungsund
Sitzungsberichte 182). Zu konzeptionellen und juristischen Problemen bei der Etablierung der
Raumordnung nach dem Krieg vgl. Hanspeter Maute, Räumliche Leitbilder im Wandel. Auswirkungen auf
die Raumorganisation in Bayern, (Diss.) München 1994, hier: S. 24ff. Den Vergleich zu Frankreich
leisten: Gerard Marcou, Hans Kistenmacher u. Hans-Günther Clev, L'aménagement du territoire en France
et en Allemagne, Paris 1994; Wolfgang Neumann u. Henrik Uterwedde, Raumordnungspolitik in Frankreich
und Deutschland, Stuttgart 1994.
127 Neumann u. Uterwedde, Raumordnungspolitik, S. 31. Allerdings waren in Deutschland aufgrund der
regionale Disparitäten - insbesondere hinsichtlich der Verteilung der Kriegsschäden und der Bewältigung
der Flüchtlingsproblematik - bereits lange vor Gründung der Bundesrepublik ebenso differenzierte wie
komplizierte Finanzausgleichsregelungen zwischen den Ländern etabliert wurden, Renzsch, Finanzverfassung,
S. 29ff.
128 Scharpf, Reissert u. Schnabel, Politikverflechtung, S. 76.
129 Zur Einordnung in die französische Politik an der Saar vgl. Rainer Hudemann u. Burkhard Jellonnek,
Saar-Geschichte: neue Methoden, Fragestellungen, Ergebnisse, in: Hudemann, Jellonnek u. Rauls (Hgg.),
Grenz-Fall, S. 1 1-29, hier: S. 17.
130 Die programmatische Schrift: Équipe des Urbanistes de la Sarre (Hg.), Urbanisme en Sarre, Saar-208