Full text : Das Saarland im doppelten Strukturwandel 1956 - 1970

weniger  als  5  Prozentpunkte  festzustellen.1"  Noch  deutlichere  Verschiebungen  im
Wählerverhalten  zeigt  ein  Blick  auf  das  Wahlergebnis  der  SPD.  Durch  einen  sensationell
  aninutenden  Anstieg  ihres  Stimmenanteils  um  ca.  ein  Drittel  ihres  Ergebnisses
von  1960  konnte  sie  mit  landesweit  36,9%  der  Stimmen  erstmals  die  Christdemokraten
  überflügeln  und  zur  stärksten  Partei  des  Saarlandes  werden,  ln  der  Stadt  Saarbrücken
  stellten  die  Sozialdemokraten  nun  sogar  die  mit  weitem  Abstand  stärkste
Fraktion.  Als  einziger  Wermutstropfen  in  diesem  Wahlsieg  kann  die  Verteilung  der
Gemeinderatssitze  genannt  werden,  bei  der  die  SPD  sich  aufgrund  der  Besonderheiten
  der  saarländischen  Gemeindestruktur  mit  1464  Sitzen  erneut  der  CDU  (1781
Sitze)  geschlagen  geben  mußte.  Auffällig  ist  jedoch,  daß  der  Erfolg  der  CDU  beim
Wähler  offenbar  nicht  in  gleichem  Umfang  geschmälert  wurde.  Mit  landesweit  35,3%
der  abgegebenen  gültigen  Stimmen  erreichte  deren  Wert  ungefähr  den  Durchschnitt
der  beiden  Kommunalwahlen  des  Jahres  1960,  wobei  leichte  Verluste  in  Saarbrücken-Stadt
  und  z.T.  deutliche  Gewinne  in  den  Kreisen  St.  Ingbert  und  St.  Wendel
das  insgesamt  uneinheitliche  Bild  der  CDU-Ergebnisse  nur  wenig  strukturieren.  Ihren
Bestand  an  Mandatsträgern  konnte  die  CDU  stabilisieren;  die  leichte  Zunahme  dürfte
wohl  auch  auf  eine  Erhöhung  der  Gesamtzahl  der  zu  vergebenden  Sitze  zurückzufuhren
  sein.  Ein  echtes  Debakel  erlitten  dagegen  die  beiden  „kleinen“  Parteien  DPS
und  SVP,  die  jeweils  Einbußen  auf  bis  zur  Hälfte  des  Ergebnisses  von  1960  hinnehmen
  mußten.  Für  die  DPS  bedeutete  dabei  der  Einbruch  in  den  Kreisen  Ottweiler  und
St.  Wendel  eine  Gefährdung  ihrer  ohnehin  schwachen  landesweiten  Präsenz,  während
dem  Verlust  von  einem  Drittel  der  Stimmen  in  Saarbrücken-Stadt  -  wo  die  Partei
immerhin  den  Oberbürgermeister  stellte  -  hohe  symbolische  Bedeutung  zuzumessen
ist.  Die  SVP  schließlich  schien  mit  ihrem  schlechten  Ergebnis,  das  landesweit  nur
knapp  über  der  5%-Marke  lag,  weiter  an  Bedeutung  zu  verlieren,  obwohl  sie  immerhin
  noch  ca.  200  Mandate  erringen  konnte.
Die  Frage  nach  der  Wirkung  der  politischen  Veränderungen  auf  das  Wählerverhalten
bzw.  den  Erfolg  einzelner  Parteien  im  Saarland  ist  daher  schwierig  zu  beantworten.
Zwar  konnte  die  SPD  flächendeckend  deutliche  Zuwächse  erzielen,  die  möglicherweise
  auf  eine  gewisse  Unzufriedenheit  mit  der  Vorgehensweise  der  anderen  Parteien
bei  der  Bewältigung  der  Strukturprobleme  zurückzufuhren  sein  könnte,  andererseits
hatte  die  DPS  ausgerechnet  in  Saarbrücken  deutliche  Einbußen  zu  verzeichnen,
obwohl  sie  mit  Fritz  Schuster  dort  den  Oberbürgermeister  stellte,  der  sich  als  erster
mit  Macht  hinter  frühe  Reformansätze  gestellt  hatte.  Währenddessen  zeigte  sich  die
CDU  als  landesweit  führende  kommunalpolitische  Kraft  mehr  oder  weniger  unberührt
  von  den  Reformdiskussionen,  die  sie  auf  Landesebene  zuletzt  stark  unter
Handlungsdruck  gesetzt  hatten.  Wahrscheinlich  ist  daher  die  komplizierte  Gemengelage
  der  Wahlergebnisse  des  Jahres  1964  nur  durch  das  Zusammenwirken  sehr
unterschiedlicher  Trends  zu  erklären.  Zunächst  darf  bei  dem  „Kantersieg“  der  SPD

122 Die  folgenden  Zahlenangaben  stammen,  soweit  nicht  anders  angegeben,  aus:  Stat.  Amt  d.  Saarl.  (Hg.),
Statistisches  Handbuch  für  das  Saarland  1976,  Saarbrücken  1976,  S.  82ff.

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