weniger als 5 Prozentpunkte festzustellen.1" Noch deutlichere Verschiebungen im
Wählerverhalten zeigt ein Blick auf das Wahlergebnis der SPD. Durch einen sensationell
aninutenden Anstieg ihres Stimmenanteils um ca. ein Drittel ihres Ergebnisses
von 1960 konnte sie mit landesweit 36,9% der Stimmen erstmals die Christdemokraten
überflügeln und zur stärksten Partei des Saarlandes werden, ln der Stadt Saarbrücken
stellten die Sozialdemokraten nun sogar die mit weitem Abstand stärkste
Fraktion. Als einziger Wermutstropfen in diesem Wahlsieg kann die Verteilung der
Gemeinderatssitze genannt werden, bei der die SPD sich aufgrund der Besonderheiten
der saarländischen Gemeindestruktur mit 1464 Sitzen erneut der CDU (1781
Sitze) geschlagen geben mußte. Auffällig ist jedoch, daß der Erfolg der CDU beim
Wähler offenbar nicht in gleichem Umfang geschmälert wurde. Mit landesweit 35,3%
der abgegebenen gültigen Stimmen erreichte deren Wert ungefähr den Durchschnitt
der beiden Kommunalwahlen des Jahres 1960, wobei leichte Verluste in Saarbrücken-Stadt
und z.T. deutliche Gewinne in den Kreisen St. Ingbert und St. Wendel
das insgesamt uneinheitliche Bild der CDU-Ergebnisse nur wenig strukturieren. Ihren
Bestand an Mandatsträgern konnte die CDU stabilisieren; die leichte Zunahme dürfte
wohl auch auf eine Erhöhung der Gesamtzahl der zu vergebenden Sitze zurückzufuhren
sein. Ein echtes Debakel erlitten dagegen die beiden „kleinen“ Parteien DPS
und SVP, die jeweils Einbußen auf bis zur Hälfte des Ergebnisses von 1960 hinnehmen
mußten. Für die DPS bedeutete dabei der Einbruch in den Kreisen Ottweiler und
St. Wendel eine Gefährdung ihrer ohnehin schwachen landesweiten Präsenz, während
dem Verlust von einem Drittel der Stimmen in Saarbrücken-Stadt - wo die Partei
immerhin den Oberbürgermeister stellte - hohe symbolische Bedeutung zuzumessen
ist. Die SVP schließlich schien mit ihrem schlechten Ergebnis, das landesweit nur
knapp über der 5%-Marke lag, weiter an Bedeutung zu verlieren, obwohl sie immerhin
noch ca. 200 Mandate erringen konnte.
Die Frage nach der Wirkung der politischen Veränderungen auf das Wählerverhalten
bzw. den Erfolg einzelner Parteien im Saarland ist daher schwierig zu beantworten.
Zwar konnte die SPD flächendeckend deutliche Zuwächse erzielen, die möglicherweise
auf eine gewisse Unzufriedenheit mit der Vorgehensweise der anderen Parteien
bei der Bewältigung der Strukturprobleme zurückzufuhren sein könnte, andererseits
hatte die DPS ausgerechnet in Saarbrücken deutliche Einbußen zu verzeichnen,
obwohl sie mit Fritz Schuster dort den Oberbürgermeister stellte, der sich als erster
mit Macht hinter frühe Reformansätze gestellt hatte. Währenddessen zeigte sich die
CDU als landesweit führende kommunalpolitische Kraft mehr oder weniger unberührt
von den Reformdiskussionen, die sie auf Landesebene zuletzt stark unter
Handlungsdruck gesetzt hatten. Wahrscheinlich ist daher die komplizierte Gemengelage
der Wahlergebnisse des Jahres 1964 nur durch das Zusammenwirken sehr
unterschiedlicher Trends zu erklären. Zunächst darf bei dem „Kantersieg“ der SPD
122 Die folgenden Zahlenangaben stammen, soweit nicht anders angegeben, aus: Stat. Amt d. Saarl. (Hg.),
Statistisches Handbuch für das Saarland 1976, Saarbrücken 1976, S. 82ff.
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