mokraten in praktisch allen Ländern angesehen.111' Dieses Engagement war auch
Grundlage für die Entwicklung der Volksschulbauprogramme, die nach der Überwindung
der unmittelbaren Kriegsfolgen den Ausbau des saarländischen Volksschulwesens
gewährleisten sollten."14 Alfons Dawo präzisierte diese Vorstellungen
dergestalt, daß die Bildungspolitik als „Privileg der Länder“ eine Form erweiterter
Sozialpolitik darstelle: Die Sozialpolitik fand nach diesem Ansatz „ihre Krönung in
der Bildungspolitik“.103 105 108 Konkret bedeutete dies, daß die Regierung durch Verbesserungen
in der Organisation des Bildungswesens, durch eine Ausweitung der Schulpflicht
mit der Einführung des neunten Volksschuljahres und durch Verbesserungen
in der Lehrerbildung die durch den wirtschaftlichen Strukturwandel notwendig
gewordenen gesellschaftlichen Veränderungen auslösen wollte.10"
Allerdings zeigte sich sehr bald neben den immensen finanziellen Belastungen auch
ein weiterer Kritikpunkt. Die weitgehend von der CDU und hier insbesondere vom
langjährigen Kultusminister Röder geprägten Schulkonzepte der Landesregierung
waren sehr stark von einem speziellen Bild über die Bedeutung der Schule im sozialen,
vor allem dörflichen Umfeld bestimmt. Der Leitgedanke dieser Konzeption
bestand darin, die Bewältigung der gesellschaftlichen Veränderungen durch die
Nutzung der Leistungsfähigkeit sozialer Bezugssysteme auf lokaler Ebene zu ermöglichen,
in denen der Volksschule eine hohe Bedeutung als integrierendes Element
zukam.10 Diese Konzeption stand jedoch in einem Zielkonflikt mit anderen Erfordernissen
des Strukturwandels, wie z.B. dem einer fachlichen Differenzierung des
Unterrichts, welche die nicht selten einklassig organisierte „Schule als Mittelpunkt
für jedes Dorf“ zu leisten nicht imstande war. "IX Mit finanzpolitischen Argumenten
103 Frank Bösch, Die Adenauer-CDU. Gründung, Aufstieg und Krise einer Erfolgspartei 1945-1969.
Stuttgart u.a. 2001, bes. S. 127ff. Wolfgang Klafki, Die fünfziger Jahre - eine Phase schulorganisatorischer
Restauration. Zur Schulpolitik und Schulentwicklung im ersten Jahrzehnt der Bundesrepublik, in: Dieter
Bänsch (Hg.), Die fünfziger Jahre. Beiträge zu Politik und Kultur, Tübingen 1985, S. 131-162. Rudolf
Hars, Die Bildungsreformpolitik der CDU in den Jahren 1945 bis 1954. Ein Beitrag zum Problem des
Konservatismus in der Deutschen Bildungspolitik, Frankfurt a.M. 1981. Den Forschungsstand zu diesem
Thema bietet die breit angelegte Darstellung der schulpolitischen Reformen in Bayern von Winfried
Müller, Ingo Schröder u. Markus Mößlang, „Vor uns liegt ein Bildungszeitalter.“ Umbau und Expansion
- das bayerische Bildungssystem 1950 bis 1975, in: Schlemmer u. Woher (Hgg.), Erschließung,
S. 273-355, hier bes. S. 277ff.
104 1962 konnte die Landesregierung in ihrem Bericht an die Ständige Konferenz der Kultusminister
feststellen, daß die „ärgste Not“ nunmehr überwunden sei, vgl. Ständige Konferenz der Kultusminister der
Länder der Bundesrepublik Deutschland, Kulturpolitik der Länder 1961-1962, München 1962, S. 163.
105 LTDS, 4. WP, Abt. 1,29. Sitzung v. 18.12.62, S. 1 125.
106 Vgl. hierzu die schulpolitische Grundsatzdebatte in: LTDS, 3. WP, Abt. I, 45. Sitzung v. 28.1.58,
S. 1245, in der vor allem das Problem der Pädagogischen Hochschulen ausführlich erörtert wurde,
l0’ Vgl. hierzu auch die Selbstdarstellung der Schulpolitik der Landesregierung in: Ständige Konferenz der
Kultusminister der Länder der Bundesrepublik Deutschland, Kulturpolitik der Länder 1963-1964, München
1964, v.a. S. 223.
108 So Maria Schweitzer (SVP) in: LTDS, 4. WP, Abt. I, 29. Sitzung v. 18.12.62, S. 1137. Trotz ihrer
Oppositionsrolle verteidigte die SVP bzw. v.a. deren Abgeordnete Schweitzer diesen herkömmlichen
christdemokratischen Ansatz von Schulpolitik wohl am schärfsten. Vgl. in diesem Zusammenhang Caspar
Kuhlmann, Schulreform und Gesellschaft in der Bundesrepublik Deutschland 1946-1966. Die Differenzie-202