benachbarten Wirtschaftszentren konfrontierten die Politik im Saarland mit ebenso
schwerwiegenden wie komplizierten Problemen.31
Ähnlich wie es die Metapher vom „Altern“ bestimmter Industriesektoren erwarten
läßt, beeinflußten die sektoralen Anpassungsvorgänge den saarländischen Bergbau
seit Beginn der Kohlekrise sehr intensiv und hatten gravierende Rückwirkungen auf
die gesamtwirtschaftliche Entwicklung des Landes. Insofern diese Probleme in
politischer Perspektive aber nur einen Sonderfall der zu Beginn des „Alterns“ bereits
als traditionell zu bezeichnenden Problemstellung der Strukturpolitik des Landes
anzusehen sind, kann diese Phase als Teilabschnitt des längerfristig anzusetzenden
Strukturwandels betrachtet werden. Dies wird besonders daran deutlich, daß sich mit
der Eingliederung wesentliche Grundlagen der Landespolitik veränderten. Beispielsweise
sollte im Zuge der Eingliederung unter anderem mit der Überführung der
aufgrund ihrer Geschäftspolitik oft kritisierten Règie des Mines in saarländisches
(Mit-)Eigentum die Grundlage für eine zukunftssichernde Restrukturierung der
Montanwirtschaft gelegt werden. Daneben war mit der Eingliederung auch die
Hoffnung verbunden, die saarländische Landesplanung, die in der Zeit der Teilautonomie
stark durch die Besonderheiten des speziellen völkerrechtlichen und
außenwirtschaftlichen Statuts des teilautonomem Saarstaates beeinflußt war, zu
modernisieren.32 Schließlich sollten die unmittelbar nach dem Referendum einsetzenden
Investitionen in die regionale Infrastruktur gemeinsam mit umfangreichen
Wirtschaftsförderungsprogrammen die im Sinne einer dauerhaften Prosperität der
regionalen Ökonomie seit langem als dringend nötig erkannten Strukturverbesserungen
bringen.
Schon diese Maßnahmen und Konzepte deuten darauf hin, daß die Landespolitik
angesichts der durch die sektoralen Anpassungsprobleme ausgelösten Schwierigkeiten
nach der Eingliederung verstärkt die in der Bundesrepublik üblichen politischen
Methoden und Instrumente einsetzte, um den regionalen Strukturwandel zu
gestalten. Allerdings waren diese Methoden und Instrumente zur gleichen Zeit in der
Bundesrepublik ebenfalls in dynamischer Entwicklung begriffen; erste Versuche
einer Planungsgeschichte charakterisieren die 60er Jahre einerseits als Jahrzehnt der
„Planungseuphorie“, zeigen aber andererseits auch die vielschichtigen Probleme im
Übergang zum „planungsaktiven Staat“.33 Dabei steht allerdings die historische
31 Fritz Hellwig, Saar zwischen Ost und West. Die wirtschaftliche Verflechtung des Saarindustriebezirks
mit seinen Nachbargebieten, Bonn 1954 (= Veröffentlichungen des Instituts für geschichtliche Landeskunde
der Rheinlande der Universität Bonn); Werner Bosch, Die Saarfrage. Eine wirtschaftliche Analyse,
Heidelberg 1954 (= Veröffentlichungen des Forschungsinstituts für Wirtschaftspolitik an der Universität
Mainz 4); Industrie- und Handelskammer des Saarlandes (Hg.), Wirtschaft zwischen den Grenzen. 100
Jahre Industrie- und Handelskammer des Saarlandes, Saarbrücken 1964.
32 Vgl. hierzu den Überblick über die Geschichte der Raumordnung in Akademie für Raumforschung und
Landesplanung (Hg.), Zur geschichtlichen Entwicklung der Raumordnung, Landes- und Regionalplanung
in der Bundesrepublik Deutschland, Hannover 1991 (= Akademie für Raumforschung und Landesplanung,
Forschungs- und Sitzungsberichte 182), zum Saarland besonders Paul Jost, Zur Geschichte der Landesplanung
im Saarland, in: ebd., S. 321-385.
’3 Vgl. hierzu den Überblick über methodische und inhaltliche Themen in Michael Ruck, Ein kurzer
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