eine Ausweitung der kommunalen Befugnisse oder auch nur der faktischen Planungsmacht
der Stadt Saarbrücken nur behindert werden könne.89
Es ist leicht zu erkennen, daß Isbarys Ansatz von regionaler Planung und Entwicklungspolitik
in wesentlichen Aspekten von den bislang diskutierten Entwürfen
abwich. Er griff - durchaus ähnlich wie die Untersuchungen in der Phase der Teilautonomie
- die regionale Qualität des Saarlandes als Ganzes auf, ohne jedoch die
Fixierung auf bestimmte Aspekte, v.a. der Industriepolitik, zu teilen. Vielmehr
weitete lsbary seinen Blick auf alle Aspekte des regionalen Strukturwandels bis hin
zu demographischen Prognosen aus. Dabei ließ er sich von Erwägungen über den
europäischen „Standort“ des Saarlandes leiten. Seine Forderung nach einer integrierten
Regionalplanung auf Landesebene kann insofern als die Forderung nach einer von
konventionellen kommunalpolitischen Betrachtungsweisen abstrahierenden Sichtweise
auf den regionalen Strukturwandel verstanden werden.90
1.2 Der regionale Strukturwandel im Saarland als Problem von Kommunalpolitik
und politischer Bürokratie
1.2.1 Der regionale Strukturwandel in der Kommunalpolitik der frühen 60er Jahre
ln der politischen Debatte auf Landesebene setzte sich diese abstrahierende Sichtweise
zu Anfang der 60er Jahre nur schrittweise durch. Zwar bildete die Frage nach
Aufgaben und Möglichkeiten der Kommunalpolitik einen wichtigen Ansatzpunkt für
politische Diskussionen über den regionalen Strukturwandel; es dominierten anfangs
jedoch vorwiegend ältere Problemstellungen. Insbesondere rückte der finanzpolitische
Aspekt aufgrund der mit der Eingliederung verbundenen lnffastrukturmaßnahmen
noch weiter in den Vordergrund. " Besonders deutlich wird dies daran, daß
dem in der Kommunalreform, dem letzten Reformprojekt der Großen Koalition,
gefundenen „idealen Kompromiß“92 des Jahres 1960 nur eine recht geringe „politische
Halbwertzeit“ zuteil wurde. Schon in der Debatte um den Haushalt für 1961
wurde klar, daß die Belastungen der Gemeinden durch Bauprojekte die finanziellen
Möglichkeiten etlicher Kommunen bei weitem überstiegen. Innenminister Schnur
mußte einerseits erklären, daß die Personalengpässe seines Ministeriums als Grund
S9 Eine solche Planung, so lsbary, „zerreißt“ die Region eher als sie rational zu überplanen; zudem sei
ohnehin gegenüber der Schaffung von Mammutgemeinden Skepsis angebracht, lsbary, Probleme, S. 101 ff.
Sinnvoller sei dagegen die Schaffung von Planungsgemeinschaften unterhalb der Regionen, die von den
Gebietskörperschaften gemeinsam zu tragen seien und die Vorgaben der Landespolitik umzusetzen hätten,
ebd., S. 125.
90 Einen Überblick über die ffandlungsfelder von Kommunalpolitik liefert der Sammelband von Hellmut
Wollmann u. Roland Roth (Hgg.), Kommunalpolitik. Politisches Handeln in den Gemeinden, 2. Aufl.
Bonn 1998. Zu dem aus den grundsätzlich unterschiedlichen Ansätzen von Politik entstehenden Spannungsfeld
vgl. Bernhard Blanke (Hg.), Staat und Stadt - Systematische, vergleichende und problemorientierte
Analysen „dezentraler“ Politik, Opladen 1991 (= PVS Sonderheft 22).
91 Vgl. hierzu den Überblick über die Bedeutung der Kommunalünanzen in der staatlichen Steuerungspolitik
von Hannes Rehm, Zur Zukunft der Kommunalfinanzen, in: Blanke (Hg.), Staat und Stadt,
S. 126-150.
92 So Arthur Heitschmidt (DPS) in: LIDS, 3. WP, Abt. 1, 83. Sitzung v. 28.6.60, S. 2306.
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