Ähnlich wie bei der Schaffung des Siedlungsverbands Ruhrkohlenbezirk sei es nötig,
verwaltungstechnische Instrumente zu aktivieren, um so die Regionalisierung der
Region zu vervollständigen.S6 Unter dem Begriff Vervollständigung der Region
verstand lsbary dabei eine funktionale Differenzierung der Verwaltungsgliederung,
die sich nicht an den in seiner Sicht dys funktionalen, weil aus einer bürokratischen
Tradition gewachsenen Verwaltungsgrenzen orientieren dürfe; vielmehr sah lsbary
die Aufgabe darin, die politischen Strukturen an die durch säkulare Trends geprägten
räumlichen Entwicklungsmuster anzupassen. Dabei, so lsbary, sei es zudem nötig,
auf künftige Entwicklungspotentiale zu achten. Die besten Eingriffsmöglichkeiten
ergaben sich nach seiner Analyse im nördlichen Teil des Landes, wo das „saarländische
V“, also die beiden am stärksten industrialisierten Entwicklungsachsen entlang
der Saar über Völklingen, Dillingen, Saarlouis Richtung Merzig bzw. gen Osten über
St. Ingbert, Homburg und Neunkirchen zu einem Ring zusammengeführt werden
sollten. Damit sei die Schaffung einer ringförmigen Städtelandschaft möglich, die
nach Einwohnerzahl und Industrialisierung durchweg die Kriterien einer Stadtregion
erfülle. Gegenüber dieser sozusagen „von oben“ ausgerichteten Sichtweise auf die
Erfordernisse der Gesamtregion erschienen die Pläne von Neundörfer und Monz als
viel zu kleinteilig, mit ihrer starken Orientierung an der zeitgenössischen Aufgabenund
Kompetenzverteilung sogar eher schädlich.s
Isbarys Konzept reflektierte aber nicht nur die vergangene Ausbildung von Regionalstrukturen,
sondern basierte auch auf einer Prognose der ökonomischen Entwicklung
für das Land. Er sagte einen drastischen Arbeitsplatzabbau in der Landwirtschaft und
insbesondere im Montanbereich voraus, der bis 1980 ein Arbeitsplatzdefizit von
50.000 bis 80.000 Stellen auslösen würde. Dieser bereits in vollem Gange befindliche
regionale Strukturwandel werde zusätzlich zu den bereits entstandenen verkehrstechnischen
und infrastrukturellen Anpassungszwängen weiteren Handlungsdruck erzeugen.
Das Ziel der Regionalplanung müsse, über die Bewältigung der internen Konflikte
hinaus, darin bestehen, das Entwicklungspotential des Saariandes, das in
europäischer Perspektive günstig mitten auf der industrialisierten Achse Europas
gelegen sei, durch eine geeignete Raumordnung zu aktivieren, um so zu verhindern,
daß das Saarland zur Entleerungsregion werde.86 88 Sein Konzept mündete daher in der
Forderung nach einer integrierten Planung für die gesamte Region auf Landesebene,
die gegenüber der gemeindlichen Planung eindeutig zu bevorzugen sei und die durch
86 (sbary, Probleme, S. lf. lsbary ging dabei übrigens davon aus, daß diese historisch-politisch bedingte
Regionsbildung in weiten Teilen auch den langfristigen Trends von wirtschaftlicher und demographischer
Entwicklung entsprochen habe. Vgl. hierzu auch die Zusammenfassung der unterschiedlichen Standpunkte
zu dieser Frage von Paul Keuth, Ein Gutachten zur Frage der Raumordnung im Saarland, in: Mitteilungen
der Industrie- und Handelskammer des Saarlandes 20 (1964), S. 467-470.
87 lsbary, Probleme, S. 50f., S. 57ff. und S. 101 ff.
88 Gerhard lsbary. Regionale Probleme der Raumordnung. Rede des Verfassers vor dem Kreisrat des
Kreises Saarbrücken am 4. April 1963 anläßlich der Übergabe seines Gutachtens, Saarbrücken 1963, S. 5.
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