durchfuhren zu können. Außerdem war sie wichtig, um die durch den Strukturwandel
und die wachsende Bedeutung der Stadt als (Einzel-)Handels- und Arbeitsmarktzentrum
notwendige Infrastruktur aufbauen zu können. Und drittens sollte damit das
immer drängender werdende Problem der Finanzausstattung bzw. der Verschuldung
der Stadt eingedämmt werden können. Mit 35.000 FF pro Einwohner hatte die
Verschuldung der Landeshauptstadt nämlich schon 1960 das Doppelte der am zweitstärksten
verschuldeten Stadt Ottweiler erreicht, womit fast ein Viertel der gesamten
kommunalen Verschuldung im Saarland alleine von der Stadt Saarbrücken zu tragen
war. 0 Für die weitere Diskussion anregend war besonders die von Monz beabsichtigte
Bildung eines „Saarsiedlungsverbandes“ in Anlehnung an den Siedlungsverband
Ruhrkohlenbezirk. Als wuchtigstes Strukturelement der neu gegliederten Region
sollte dieser Saarsiedlungsverband eine zentrale und zentralisierende Funktion für das
ganze Gebiet bis an die neu abzusteckenden Grenzen des Kreises Saarlouis übernehmen.
1 Mit diesem recht weitgehenden Konzept, das ganz deutlich bereits Züge einer
integrierten Planung als Antwort auf die aktuellen Erfordernisse des Strukturwandels
trug, war ein Ansatzpunkt gefunden, der in rascher Folge eine Reihe von weiteren,
teilweise gutachterlichen Stellungnahmen von Experten und Wissenschaftlern auslöste.
Als erstes zu nennen ist hierbei das im Auftrag der Stadt Saarbrücken erstellte Gutachten
von Ludwig Neundörfer. Diese Arbeit führte als Teil eines Gesamtwerkes aus
noch zwei weiteren Gutachten den Gedankengang der Kommunal re form weiter.
Neundörfer legte dar, w'ie nach seiner Prognose der Rückgang der Zahl der Arbeitsplätze
im Montansektor das Stadtgebiet und das Umland Saarbrückens treffen würde
und wie die Stadt daher in Zukunft durch ihr Angebot an alternativen Arbeitsplätzen
im sekundären und vor allem tertiären Sektor zunehmend sowohl Zentralfunktion als
Dienstleistungszentrum für das Saarland wie Nahbereichsfunktion für die Versorgung
mit Arbeitsplätzen für das städtische Umland übernehmen solle. Die daraus resultierenden
Probleme - vor allem im Verkehrssektor - sah Neundörfer als so gravierend
an, daß er eine enge, institutionell abgesicherte Zusammenarbeit der Entscheidungsträger
im durch einen Radius von ca. 20 km um Saarbrücken definierten Gebiet der
Stadtregion als notwendig erachtete. Dazu sah sein Konzept vor, einen Regionalverband
Saarbrücken zu schaffen, der die infrastrukturellen und planerischen Aufgaben
zu leisten habe und dabei durch eine mittels Urwahl legitimierte „Legislative“
sowie eine in Anlehnung an die Ideen der Magistratsverfassung zu schaffende
„Exekutive“ strukturiert sein sollte.72 Charakteristisch an der Argumentationsweise
beider Autoren ist, daß sie die Vielzahl der zu bewältigenden Probleme des Strukturwandels
in der Perspektive der Kommunalpolitik auf ein Beschreibungsmuster
70 Monz, Neuordnung, S. 153ff,, S. 40ff.
71 Ebd„ S. 158.
- Ludwig Neundörfer, Die gemeinsame Lösung infrastruktureller Aufgaben durch die Gemeinden des
Saarbrücker Raumes. Gutachten im Auftrag der Stadt Saarbrücken, Saarbrücken 1962, S. 17fT., S. 26fT.
und S. 59fT.
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