Full text : Das Saarland im doppelten Strukturwandel 1956 - 1970

durchfuhren  zu  können.  Außerdem  war  sie  wichtig,  um  die  durch  den  Strukturwandel
und  die  wachsende  Bedeutung  der  Stadt  als  (Einzel-)Handels-  und  Arbeitsmarktzentrum
  notwendige  Infrastruktur  aufbauen  zu  können.  Und  drittens  sollte  damit  das
immer  drängender  werdende  Problem  der  Finanzausstattung  bzw.  der  Verschuldung
der  Stadt  eingedämmt  werden  können.  Mit  35.000  FF  pro  Einwohner  hatte  die
Verschuldung  der  Landeshauptstadt  nämlich  schon  1960  das  Doppelte  der  am  zweitstärksten
  verschuldeten  Stadt  Ottweiler  erreicht,  womit  fast  ein  Viertel  der  gesamten
kommunalen  Verschuldung  im  Saarland  alleine  von  der  Stadt  Saarbrücken  zu  tragen
war.  0  Für  die  weitere  Diskussion  anregend  war  besonders  die  von  Monz  beabsichtigte
  Bildung  eines  „Saarsiedlungsverbandes“  in  Anlehnung  an  den  Siedlungsverband
Ruhrkohlenbezirk.  Als  wuchtigstes  Strukturelement  der  neu  gegliederten  Region
sollte  dieser  Saarsiedlungsverband  eine  zentrale  und  zentralisierende  Funktion  für  das
ganze  Gebiet  bis  an  die  neu  abzusteckenden  Grenzen  des  Kreises  Saarlouis  übernehmen.
  1  Mit  diesem  recht  weitgehenden  Konzept,  das  ganz  deutlich  bereits  Züge  einer
integrierten  Planung  als  Antwort  auf  die  aktuellen  Erfordernisse  des  Strukturwandels
trug,  war  ein  Ansatzpunkt  gefunden,  der  in  rascher  Folge  eine  Reihe  von  weiteren,
teilweise  gutachterlichen  Stellungnahmen  von  Experten  und  Wissenschaftlern  auslöste.

Als  erstes  zu  nennen  ist  hierbei  das  im  Auftrag  der  Stadt  Saarbrücken  erstellte  Gutachten
  von  Ludwig  Neundörfer.  Diese  Arbeit  führte  als  Teil  eines  Gesamtwerkes  aus
noch  zwei  weiteren  Gutachten  den  Gedankengang  der  Kommunal  re  form  weiter.
Neundörfer  legte  dar,  w'ie  nach  seiner  Prognose  der  Rückgang  der  Zahl  der  Arbeitsplätze
  im  Montansektor  das  Stadtgebiet  und  das  Umland  Saarbrückens  treffen  würde
und  wie  die  Stadt  daher  in  Zukunft  durch  ihr  Angebot  an  alternativen  Arbeitsplätzen
im  sekundären  und  vor  allem  tertiären  Sektor  zunehmend  sowohl  Zentralfunktion  als
Dienstleistungszentrum  für  das  Saarland  wie  Nahbereichsfunktion  für  die  Versorgung
mit  Arbeitsplätzen  für  das  städtische  Umland  übernehmen  solle.  Die  daraus  resultierenden
  Probleme  -  vor  allem  im  Verkehrssektor  -  sah  Neundörfer  als  so  gravierend
an,  daß  er  eine  enge,  institutionell  abgesicherte  Zusammenarbeit  der  Entscheidungsträger
  im  durch  einen  Radius  von  ca.  20  km  um  Saarbrücken  definierten  Gebiet  der
Stadtregion  als  notwendig  erachtete.  Dazu  sah  sein  Konzept  vor,  einen  Regionalverband
  Saarbrücken  zu  schaffen,  der  die  infrastrukturellen  und  planerischen  Aufgaben
  zu  leisten  habe  und  dabei  durch  eine  mittels  Urwahl  legitimierte  „Legislative“
sowie  eine  in  Anlehnung  an  die  Ideen  der  Magistratsverfassung  zu  schaffende
„Exekutive“  strukturiert  sein  sollte.72  Charakteristisch  an  der  Argumentationsweise
beider  Autoren  ist,  daß  sie  die  Vielzahl  der  zu  bewältigenden  Probleme  des  Strukturwandels
  in  der  Perspektive  der  Kommunalpolitik  auf  ein  Beschreibungsmuster

70  Monz,  Neuordnung,  S.  153ff,,  S.  40ff.
71  Ebd„  S.  158.
-  Ludwig  Neundörfer,  Die  gemeinsame  Lösung  infrastruktureller  Aufgaben  durch  die  Gemeinden  des
Saarbrücker  Raumes.  Gutachten  im  Auftrag  der  Stadt  Saarbrücken,  Saarbrücken  1962,  S.  17fT.,  S.  26fT.
und  S.  59fT.

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