betroffen, nämlich als Grenzstadt der neu gezogenen nationalen Grenze, als Montanstadt
im Strukturwandel sowie als Einzelhandels- und Dienstleistungszentrum einer
nun deutschen Grenzregion.66
Bis zur Mitte der ersten Hälfte der 60er Jahre spitzte sich die wissenschaftliche
Diskussion darüber in einem öffentlichen Schlagabtausch zu: Im Jahr 1963 nahm der
zwischenzeitlich zum Landrat des Kreises Saarbrücken avancierte ehemalige Chef
der Staatskanzlei, Gotthard Lorscheider, die Vorstellung eines Gutachtens von
Gerhard Isbary zum Anlaß, die damals diskutierten Vorschläge zur kommunalen
Neuordnung des städtischen Umfelds von Saarbrücken in aller Schärfe zu kritisieren/'
Dies rief den Oberbürgermeister der Stadt Saarbrücken auf den Plan, der in
einer Pressekonferenz einen Stadtratsbeschluß vorstellte, nach dem die Stadt Saarbrücken
ihre Interessen durch das von Lorscheider propagierte Gutachten von Gerhard
Isbary zu wenig berücksichtigt sah. Insbesondere bemängelte der Oberbürgermeister
die Idee der Schaffung eines neuen saarländischen Zentrums in Lebach. Diese
Pläne, so der Gedankengang, seien nicht nur viel zu teuer, sondern auch wenig dazu
geeignet, die eigentlichen strukturellen Probleme des Saarlandes, die nämlich im
Bereich Saarbrückens zu verorten seien, einer Lösung zuzuführen. Aber auch der so
kritisierte Gutachter ließ es nicht an deutlichen Worten fehlen: Kurz darauf äußerte er
als Hauptredner einer Tagung des Landkreistages Saarbrücken angesichts dieser
Kritik an seinen Vorschlägen die Befürchtung, daß ein zukünftiges Gutachten über
das Saarland den Titel „Konsequenzen mangelnder Entscheidungsbereitschaft für die
Raumordnung des Saarlandes“ tragen werde.68
Ihren Anfang hatte diese Debatte mit der Arbeit von Heinz Monz genommen, der
erstmals in wissenschaftlich abgesicherter Form Anregungen für eine Neugliederung
des Großraumes Saarbrücken vorgelegt hatte.69 Für Monz war eine Neuordnung der
Saarbrücker Verhältnisse alleine schon erforderlich, um die dringend nötige Arrondierung
des Verwaltungsgebietes im Sinne einer Gebiets- und Funktionalreform
66 Vgl. hierzu Hans-Christian Herrmann, Landeshauptstadt, S. 382-385. Interessante Daten liefern: Kurt
Schmidt unter Mitarbeit von Hermann Josef Speth, Zur Aktivität der Gemeinden und Gemeindeverbände
im Spiegel ihrer Einnahmen und Ausgaben, in: Beiträge zur Raumplanung in Hessen, Rheinland-Pfalz,
Saarland, 4 Teile Hannover 1974-1983 (= Veröffentlichungen der Akademie für Raumforschung und
Landesplanung. Forschungs- und Sitzungsberichte 91), Teil I 1974, S. 45-78, sowie CAPEM, Infrastructures,
S. 65ff. Zu den Problemen des Einzelhandels durch die Eingliederung vgl. die aufwendige
Studie von Jürgen Wildhagen u. Klaus Dürr (Bearb.), Einkaufsgewohnheiten der Verbraucher im Saarland
und im Grenzraum der benachbarten französischen Departements, Saarbrücken 1963 (= Einzelschritten des
Handelsinstituts an der Universität des Saarlandes 4), Dagegen vermittelt Sparkasse Saarbrücken (Hg.),
Saarbrücken, einen Einblick in die mit der Eingliederung verbundenen Hoffnungen der lokalen Wirtschaft.
67 Die Kritik Lorscheiders ist publiziert als: Gerhard Isbary, Regionale Probleme der Raumordnung. Eine
Untersuchung am Beispiel des Landkreises Saarbrücken als Mittelpunkt des saarländischen Verdichtungsraumes.
Gutachten erstattet im Auftrag des Landkreises Saarbrücken, Saarbrücken 1963, Vorwort.
68 Gerhard Isbary, Konsequenzen der Bevölkerungsentwicklung bis zum Jahre 2000 für die Raumordnung
des Saarlandes, Saarbrücken 1964, S. 4; der Stadtratsbeschluß und die Äußerungen des Oberbürgermeisters
ebd., S. 49-52.
59 Heinz Monz, Die kommunale Neuordnung städtischer Ballungsräume. Lösungsmöglichkeiten - dargestellt
am Beispiel des Raumes Saarbrücken, Saarbrücken 1962.
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