Strukturierung der Saarbergwerke AG, aber auch der Wirtschartsregion betrieben
w urde.20 Zuletzt kam Olaf Sievert zu dem Urteil, daß „die Umstrukturierung der Saarw'irtschaft
... keine Story des Mißerfolgs“ war.2’0
Ein sehr wichtiges Kriterium für die Bewertung der Politik im Saarland zu Anfang
der 60er Jahre ist daher die Frage der Perzeption struktureller Veränderungen als
regionaler Strukturwandel. Hans-Christian Herrmann kam diesbezüglich zu dem
Schluß, daß eine angemessene und rechtzeitige Perzeption der ungünstigen wirtschaftlichen
Entwicklung im Saarland unterblieb, weil regionale Meinungskartelle
der dominierenden Wirtschartszweige dies anfangs verhinderten. Der regionale
Strukturwandel wurde daher „nicht sichtbar“,’1 und die daraus resultierenden Probleme
wurden so auch nicht erfolgreich bearbeitet.
1.1.2 Finanzpolitik in einer alternden Industrieregion
Indizien dafür liefert die zeitgenössische wirtschaftspolitische Diskussionen durchaus.
Hatte in der Phase der unmittelbaren Eingliederung noch eine gewisse Nervosität
in Hinblick auf das Gelingen der Eingliederung geherrscht - erinnert sei an dieser
Stelle nur an das Umschlagen von Strukturpolitik zu eher konjunkturell orientierten
Ansätzen erzeugten die in den folgenden Monaten günstigen wirtschaftlichen Indikatoren
zunächst Zuversicht und Zufriedenheit. Am deutlichsten zeigte sich diese
Zufriedenheit an der Diskussion um die im April 1960 von Heinrieh Schneider
geprägte Formel vom Saarland als wirtschaftlich „unterentwickeltem“ Land. Diese
Formel hatte sich Anfang 1961 bereits verselbständigt und wurde allgemein als grob
unangemessene Beschreibung der ökonomischen Stellung des Saarlandes angesehen.29
32 Zwar zögerte die parlamentarische Opposition aus SPD und SVP nicht, die
Regierung mit dem Argument zu kritisieren, sie habe während der Übergangszeit
manche Chancen vertan, die sich aus den Hilfen des Bundes ergeben hätten, wodurch
„der Umstellungsprozeß vielfach daneben gegangen ist“,33 insgesamt befand sich aber
aueh die SPD im Konsens mit dem amtierenden Wirtschaftsminister Eugen Huthmacher,
der diesen Schwierigkeiten allenfalls die Qualität von „Randerscheinungen“
zuzumessen bereit war.34 Weite Teile der saarländischen Politik interpretierten dies -
29 Albert Seyler, Die regionalwirtschaftlichen Auswirkungen der Stillegungen und Einschränkungen im
Steinkohlenbergbau und der getroffenen Maßnahmen zur Umstrukturierung im Saarland, Brüssel 1972
(= Kommission der Europäischen Gemeinschaften (Hg.), Hefte für die industrielle Umstellung 23), S. 29fT.
Deutlich kritischer gegenüber den frühen Restrukturierungsmaßnahmen argumentiert dagegen die
Darstellung der Saarbergwerke selber, vgl, Saarbergwerke AG (Hg.), 25 Jahre, S. 70ff.
30 Olaf Sievert u.a., Zur Standortqualität des Saarlandes, St. Ingbert 1991, S. 4.
31 Hans-Christian Herrmann, Bilanz, S. 32 lf.
32 Zitat: LTDS, 3. WP, Abt. I, 81. Sitzung v. 14.4.60, S. 2188. Vgl. dazu die Diskussion in: LTDS, 4. WP,
Abt. I, 4. Sitzung v. 20.1.61, S. 48ff.
33 So Kurt Wolf (SVP), ebd., S. 63.
34 Ebd., S. 74. Der Satz „Die wirtschaftliche Eingliederung als solche ist, insgesamt gesehen, zufriedenstellend
verlaufen.“ entwickelte sich geradezu zu einem Credo der ersten parlamentarischen Debatten in
der vierten Wahlperiode.
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