Full text : Das Saarland im doppelten Strukturwandel 1956 - 1970

so  eine  neue  „Konsumlandschaft“5,  die  unter  anderem  sozial-  und  gesellschaftspolitisch
  abgesichert  wurde.6 8  In  europäischer  Perspektive  beschreiben  diese  Aspekte
des  Booms  eine  weitreichende  Konvergenz  der  Wirtschaftsstrukturen  -  besonders
zwischen  Deutschland  und  Frankreich.
Strukturelle  Krisen  werden  demgegenüber  allenfalls  als  Phänomen  traditioneller
Sektoren  wie  z.B.  der  Landwirtschaft  betrachtet.*  Auch  diese  Anpassungsprozesse
wurden  aber  weitgehend  überlagert  von  dem  ungewöhnlichen  Anstieg  von  Wohlstand
und  privater  Kaufkraft,  der  -  neben  der  schnellen  Überwindung  der  unmittelbaren
Kriegsfolgen  -  die  Formel  vom  Wirtschaftswunder  überhaupt  erst  rechtfertigte.6  Dies
löste  eine  rapide  Angleichung  der  wirtschaftlichen  und  gesellschaftlichen  Bedingun¬Rhein-Neckar-Raumes.

  Ein  Simulationsmodell  zur  Ermittlung  der  natürlichen  und  sozio-ökonomischen
Grenzen  einerweiteren  Industrialisierung,  (Diss.)  Mannheim  1977.
'  Burkart  Lutz,  Die  Singularität  der  europäischen  Prosperität  nach  dem  Zweiten  Weltkrieg,  in:  Kaelble
(Hg.),  Boom,  S.  35-59,  hier:  S.  48.  Dieses  Erklärungsmuster  fand  bereits  in  der  älteren  Forschung  Verwendung,
  vgl.  den  Sammelband:  Heinz  König  (Hg.),  Wandlungen  der  Wirtschaftsstruktur  in  der  Bundesrepublik
  Deutschland,  Berlin  1962  (=  Schriften  des  Vereins  für  Socialpolitik  N.F.  26).  Eine  interessante
Zwischenstellung  wird  dabei  übrigens  der  Mittelstandspolitik  zugewiesen,  vgl.  Abdulreza  Scheybani,
Handwerk  und  Kleinhandel  in  der  Bundesrepublik  Deutschland.  Sozialökonomischer  Wandel  und
Mittelstandspolitik  1949-1961,  München  1996,  und  Ursula  Beyenburg-Weidenfeld,  Wettbewerbstheorie,
Wirtschaftspolitik  und  Mittelstandsforderung  1948-1963,  Stuttgart  1992  (=  Vierteljahrschrifl  für  Sozialund
  Wirtschaftsgeschichte  Beiheft  96).
6  Für  Bernd  Faulenbach,  „Modernisierung“  in  der  Bundesrepublik  und  in  der  DDR  während  der  60er  Jahre,
in:  Zeitgeschichte  25  (1998),  S.  282-294,  hier:  S.  284,  stellt  dieser  Prozeß  sogar  eine  Art  „Neugründung“
der  Gesellschaft  dar.  Vgl.  hierzu  in  breiter  Perspektive:  Schildt,  Siegfried  u.  Lammers  (Hgg.),  Dynamische
Zeiten.  Diese  Perspektive  findet  auch  in  Synthesen  zur  bundesrepublikanischen  Kultur  w'enig  -  und  vor
allem  nicht:  regional-differenziert  -  Verwendung,  vgl.  Jost  Hermand,  Die  Kultur  der  Bundesrepublik
Deutschland  1965-1985,  München  1988,  oder  AlfLüdtke,  Inge  Marßolek  u.  Adelheid  von  Saldern  (Hgg.),
Traum  und  Alptraum  im  Deutschland  des  20.  Jahrhunderts,  Stuttgart  1996.
Gerold  Ambrosius,  Wirtschaftswachstum  und  Konvergenz  der  Industriestrukturen  in  Westeuropa,  in:
Kaelble  (Hg.),  Boom,  S.  129-168,  hier:  S.  168.  Christian  Deubner,  Interdependenz  und  Ungleichheit  in  den
deutsch-französischen  Wirtschaftsbeziehungen,  in:  Klaus  Manfrass  (Hg.),  Paris-Bonn.  Eine  dauerhafte
Bindung  schwieriger  Partner,  Sigmaringen  1984,  S.  117-124,  hier:  S.  122.  Einen  breiten  Überblick
gewähre  Wilkens,  Wirtschaftsbeziehungen.
8  Vgl.  im  Überblick  hierzu:  Clemens  Zimmermann,  Ländliche  Gesellschaft  und  Agrarwirtschaft  im  19.  und
20.  Jahrhundert.  Transformationsprozesse  als  Thema  der  Agrargeschichte,  in;  Werner  Troßbach  u.
Clemens  Zimmermann  (Hgg.),  Agrargeschichte.  Positionen  und  Perspektiven,  Stuttgart  1998  (=  Quellen
und  Forschungen  zur  Agrargeschichte  44),  S.  137-163;  Wilfried  Feldenkirchen,  Agrarpolitik  im  Nachkriegsdeutschland:
  Leitbilder  und  Ziele  der  deutschen  Politiker,  Parteien  und  Interessenvertretungen,  in:
Hans-Jürgen  Gerhard  (Hg.),  Struktur  und  Dimension.  Festschrift  tür  Karl  Heinrich  Kauthold,  Stuttgart
1997,  Bd.  2,  S.  266-291;  eine  Gesamtdarstellung  unternehmen  Wilhelm  Magura,  Chronik  der  Agrarpolitik
und  der  Agrarwirtschaft  in  der  Bundesrepublik  Deutschland  von  1945-1967,  Hamburg  1970  (=  Berichte
über  die  Landwirtschaft  N.F.  Sonderheft  185),  sowie  Ulrich  Kluge,  Vierzig  Jahre  Agrarpolitik  in  der
Bundesrepublik  Deutschland,  2  Bde.  Hamburg  u.  Berlin  1989.
4  Zur  Bedeutung  des  „Wohlstands“  für  die  Deutung  der  60er  Jahre:  Axel  Schildt,  Materieller  Wohlstand
-  pragmatische  Politik  -  kulturelle  Umbrüche.  Die  60er  Jahre  in  der  Bundesrepublik,  in:  ders.,  Siegfried  u.
Lammers  (Hgg.),  Dynamische  Zeiten,  S.  21-53,  hier:  S.  251T.  Die  Besonderheit  der  politischen  Stabilisierung
  der  Bundesrepublik  trotz  des  heftigen  Strukturwandels  der  60er  Jahre  betonen  Thomas  Schlemmer  u.
Hans  Woher,  Einleitung,  in:  dies.  (Hgg.),  Die  Erschließung  des  Landes  1949  bis  1973,  Oldenbourg  2001
(=  Bayern  im  Bund  1),  S.  1-31,  hier:  S.  3.

176
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.